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Klassifikation von Tumoren (TNM-System & Grading)

Um die Behandlung planen und die geeigneten Therapien heraussuchen zu können, wird der Tumor nach international gebräuchlichen Kriterien klassifiziert. Diese Kriterien ermöglichen es, die anatomische Ausbreitung eines Tumors einheitlich zu klassifizieren und verschiedenen Stadien zuzuordnen. Vor der Operation erfolgt eine vorläufige Einstufung; präzise kann die Ausbreitung und die Bösartigkeit jedoch erst nach der Entfernung des Tumors und der mikroskopischen Untersuchung des Gewebes eingeschätzt werden.

TNM-Klassifikation

Je nach Ausbreitung des Tumors spricht man von verschiedenen Stadien (Entwicklungsstufen) des Krebses. Die Einteilung erfolgt nach bestimmten Normen, für die hauptsächlich drei Gesichtspunkte maßgebend sind:

  • die Größe und Ausbreitung des Primärtumors (T)
  • Fehlen oder Vorhandensein von örtlich oder benachbarten (regionären) Lymphknotenmetastasen (N)
  • das Vorhandensein von Fernmetastasen (M)

Man verwendet deshalb auch den Begriff TNM-Klassifikation (englisch: tumor, node, metastasis).

Ziffern hinter den Buchstaben geben genauere Hinweise auf die Ausdehnung des Tumors (T1-4), Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten (N0-2) und das Vorhandensein oder Fehlen von entfernten Metastasen (M0 und M1). Ein Beispiel: T1 N0 M0 würde bedeutet, dass es sich um einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Metastasen handelt.
Beschreibungen im TNM-System können später als Grundlage für weitere Klassifizierungen des Krankheitsstadiums dienen, das sogenannte "Staging". Diese Einteilung gibt Auskunft über die Prognose einer Krebserkrankung.

Dr. H. Lehfer

Grading

Ein weiterer Punkt, der bei der Charakterisierung des Tumors eine Rolle spielt, ist die Beschaffenheit des Krebsgewebes. Sie wird bei der mikroskopischen Untersuchung des bei der Biopsie oder während der Operation entnommenen Gewebes bestimmt. Diese Abweichung des Tumorgewebes von Normalgewebe bezeichnet man als Grading.Als Klassifikationsmerkmal dient dabei der Differenzierungsgrad – also das Ausmaß, in dem verdächtige von gesunden Zellen abweichen. Unterschieden werden vier Stufen:

  • G1 – gut differenziert (weniger bösartig)
  • G2 – mäßig differenziert
  • G3 – schlecht differenziert
  • G4 – nicht differenziert (sehr bösartig)

Je geringer eine Tumorzelle ausdifferenziert ist, je weniger sie dem normalen Gewebe ähnelt, umso bösartiger ist sie auch. Aggressive Tumoren können schneller wachsen, schneller Metastasen bilden oder schneller wiederkehren (rezidivieren).

Weitere Klassifikationskriterien

Außerdem möglich ist die Unterscheidung nach der Ausbreitung von Krebszellen in den Lymphbahnen (L1: ja, L0: nein) oder in den Blutgefäßen (V0: nicht nachweisbar, V1: mikroskopisch, V2: makroskopisch erkennbar) und Pn (= perineurale Invasion): Tumorzellen befallen auch das Gewebe, das Nerven umgibt (Pn0 = keine, Pn1 = vorhanden). 

Bedeutung nach der Operation hat die Einteilung nach dem Fehlen oder Vorhandensein von Resttumorgewebe (R0: kein Resttumor, R1 mikroskopischer Residualtumor an den Schnitträndern, R2: makroskopischer Tumor oder nicht entfernte Metastasen).

(red)

Quellen:
C. Wittekind, A. Tannapfel: Prinzipien der Pathologie in der Onkologie, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 351-382

TNM-System und Staging. Befunde verstehen und einordnen. https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/tnm.php

Klassifikation von Tumoren. http://www.internisten-im-netz.de/de_klassifikation-von-tumoren_1244.html?

Service:
Die wichtigsten Informationen zur TNM-Klassifikation sind auf den Internetseiten der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC) abrufbar: http://www.uicc.org/resources/tnm

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 09.09.2015

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Aktualisiert am: 25.04.2017 16:05