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HPV-Impfung – Gebärmutterhalskrebs vorbeugen

Eine Impfung gegen HP-Viren kann vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren Erkrankungen schützen. Hier erfahren Sie u. a. wie gefährlich HPV-Infektionen sind, welche Impfstoffe zur Verfügung stehen und welchen Nutzen die Impfung hat.

 

Junge Frau wird geimpft, Quelle: © Adam Gregor - fotolia.com
Quelle: © Adam Gregor - fotolia.com

Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Sie war die erste Impfung gegen Krebs und wurde weltweit als Durchbruch in der Krebsprävention gefeiert. Der deutsche Professor Harald zur Hausen, der den zugrunde liegenden Zusammenhang zwischen einer Virusinfektion und der Entstehung von Krebs nachweisen konnte, bekam für diese bahnbrechende Entdeckung den Nobelpreis für Medizin.

Die Impfung bietet erstmals die Chance, Infektionen mit HPV vom Typ 16 und 18 zu verhindern, die für etwa 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Aktuell erkranken in Deutschland ca. 4.660 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1.500 versterben an dieser Erkrankung. [1] „Würden alle Mädchen rechtzeitig geimpft, könnte die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle noch drastischer sinken“, unterstreicht der Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen Prof. Matthias W. Beckmann.

Wie gefährlich ist eine HPV-Infektion?

Nicht jede Infektion mit genitalen HPV-Typen löst Krebsvorstufen aus. Die meisten Infektionen werden durch das Immunsystem frühzeitig erkannt und bekämpft. In bis zu 20% der Fälle kann es jedoch zu langwierigen Infektionen kommen, die wiederum zu Krebsvorstufen und schließlich zu Krebs führen können. [15] Die Übertragung der Viren erfolgt hauptsächlich über Sexualkontakt, aber auch eine Ansteckung durch Schmierinfektionen im Genitalbereich kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Das Infektionsrisiko steigt mit der Zahl der Sexualkontakte und der Sexualpartner. [2]

Jüngere Menschen haben ein erhöhtes Ansteckungsrisiko

Rund 80% der sexuell aktiven Frauen infizieren sich Schätzungen zufolge im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die Zahl der Neuinfektionen ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen am höchsten, da sie die sexuell besonders aktiven Gruppen darstellen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Neuinfektionsrate ab. [2] „In Deutschland entwickeln etwa 30 bis 40 Prozent aller jungen Menschen bis zu einem Alter von 25 Jahren zu irgendeinem Zeitpunkt eine HPV-Infektion“, so Prof. Beckmann.  Eine US-Studie bei 18- bis 25-jährigen Frauen ergab eine Häufigkeit von Infektionen mit sogenannten Hochrisiko-HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, von etwa 20%. Ähnliche Ergebnisse erbrachte eine Studie in Deutschland. Die Häufigkeit von Hochrisiko-HPV-Infektionen bei 26-jährigen Frauen lag hier bei 23%, in der Gruppe der 30-39-Jährigen jedoch nur noch bei 6,2%. [2]

Ungeimpft kann man sich immer wieder infizieren. Auch Kondome bieten keinen effektiven Schutz vor einer HPV-Infektion. „Das Kondom verringert zwar die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung, stellt aber keinen wirklichen Schutz dar. Denn auch eine Übertragung beispielsweise über die Schamhaare oder die Haut kann nicht ausgeschlossen werden, da die Viren resistent gegen Austrocknung sind“, sagt Prof. Peter Hillemanns, ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover.

In Deutschland stehen derzeit zwei Impfstoffe gegen HPV zur Verfügung

Derzeit sind in Deutschland mit Gardasil® und Cervarix® zwei HPV-Impfstoffe zugelassen. Beide richten sich gegen die HPV-Typen 16 und 18 (bivalent – zweifach), einer (Gardasil®) zusätzlich gegen HPV 6 und 11 (tetravalent – vierfach). HPV 6 und 11 können andere genitale Erkrankungen, wie z.B. Genitalwarzen (auch Feigwarzen, Kondylome), auslösen, wogegen die Vierfachimpfung zusätzlich schützt. Bis zu 90 Prozent dieser Fälle können durch die Impfung verhindert werden. [2,3,4]

Ab dem Alter von 9 Jahren soll geimpft werden

Mutter und Tochter, Quelle: © Gina Sanders - fotolia.com
Quelle: © Gina Sanders - fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen von neun bis 14 Jahren. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahre (d.h. dem Tag vor dem 18. Geburtstag) sollen versäumte HPV Impfungen nachgeholt werden. [3,4]

Im Alter von neun bis 13 (Impfstoff Gardasil®) bzw. neun bis 14 Jahren (Impfstoff Cervarix®) ist ein 2-Dosen Impfschema mit einem Impfabstand von 6 Monaten zugelassen. Falls der Abstand von 6 Monaten zwischen der ersten und zweiten Impfstoffdosis unterschritten wurde, sowie im Falle von Nachholimpfungen bei Mädchen über 13 (Impfstoff Gardasil®) bzw. 14 (Cervarix®) Jahren ist eine dritte Impfstoffdosis erforderlich. [3,4] Frauenärzte, Hausärzte oder auch Kinderärzte dürfen die Impfung durchführen. Ein sicherer Schutz besteht erst nach Erhalt aller Einzeldosen. Die Kosten für Mädchen der Altersgruppe neun bis einschließlich 17 Jahre werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen finanzieren die Impfung darüber hinaus bis zum Alter von 26 Jahren. [2]

Je früher, desto besser

„Wichtig ist, dass die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt“, wie Prof. Beckmann betont. Die Impfung ist eine vorbeugende Maßnahme. Sie wirkt nicht, wenn bereits eine Infektion mit HPV 16 und 18 besteht, bzw. verliert an Effektivität, wenn bereits eine Infektion mit einem der beiden Impfstoff-HPV-Typen (HPV16 oder 18) erfolgt ist. Die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Infektion steigt auch schon mit dem ersten Geschlechtsverkehr  deutlich an [4]. Studienergebnissen zur Jugendsexualität in Deutschland zufolge nimmt der Anteil der Mädchen, die ihren ersten Geschlechtsverkehr hatten, nach dem 14. Geburtstag kontinuierlich zu. [5] Demgegenüber wurden viele Mädchen in den vergangenen Jahren aber erst zwischen 15 und 17 Jahren geimpft. [4,6]

Mit der 2014 neu ausgesprochenen Empfehlung, Mädchen bereits im Alter zwischen neun und 14 zu impfen, statt wie vorab im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, trägt die Ständige Impfkommission STIKO in Deutschland diesen Ergebnissen Rechnung. „Ebenso für eine möglichst frühe Impfung spricht, dass junge Mädchen aus immunologischen Gründen nur zweimal geimpft werden müssen, um einen vollständigen Impfschutz zu erlangen“, ergänzt Prof. Beckmann. In Studien ließen sich für zehn- bis 14-jährige Mädchen nach HPV-Impfung höhere Antikörper-Antworten nachweisen als bei älteren Jugendlichen und Frauen. [4,7]

Die Impfung ist effektiv und sicher

Die derzeitigen Impfstoffe sind gut verträglich. Beide Impfstoffe enthalten gentechnisch hergestellte „leere“ Virushüllen. Diese virusähnlichen Partikel täuschen dem Immunsystem ein echtes Virus nur vor. Da sie keinerlei virales Erbmaterial enthalten, kommt es weder zu einer Virusvermehrung noch zu einer Virusinfektion. Teilweise enthalten sie Inhaltsstoffe, die das Immunsystem anregen sollen. Es kann zu den üblichen Impfnebenwirkungen wie Rötung, Schmerz und Schwellung im Bereich der Einstichstelle kommen. In seltenen Fällen treten weitere Nebenwirkungen auf. [2,14,15]

„Die HPV-Impfstoffe sind bislang mehr als 150 Millionen Mal geimpft worden. Es gibt mittlerweile so viele Daten weltweit, die zeigen, dass die HPV-Impfung so sicher ist wie jede andere Impfung auch“, unterstreicht Prof. Hillemanns.

Lang anhaltender Impfschutz wahrscheinlich

Ob der Impfschutz lebenslänglich besteht bzw. ob und ggf. wann eine Auffrischung sinnvoll ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen. „Dazu laufen Langzeitbeobachtungen, die mit entsprechendem Vorlauf -  also vor Einführung der Impfung - gestartet sind“, so Prof. Hillemanns. Bisherige Daten lassen aber erahnen, dass der Impfschutz einen längeren Zeitraum anhält. [2,15]

Bisherige Erfahrungen zeugen von einem hohen Nutzen der Impfung

Tochter, Mutter, Großmutter, Quelle: © auremar - fotolia.com
Quelle: © auremar - fotolia.com

Ein Impfschutzprogramm ist langfristig angelegt. Um den Erfolg beurteilen zu können, muss man die Entwicklung über einen langen Zeitraum betrachten. Aber schon jetzt zeigt sich eine klare Tendenz: In verschiedenen großen Studien, die weltweit durchgeführt worden sind, ließen sich ein Rückgang der Häufigkeit von HPV-Infektionen sowie ein Rückgang der Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs nach Einführung der HPV-Impfung nachweisen. [2]
Dabei hängt der Erfolg direkt mit der Impfrate zusammen, wie sich in Australien zeigt: Hier werden inzwischen fast 90% der jungen Mädchen im Rahmen eines Schulimpfprogramms immunisiert.[8] In einer Nachbeobachtungszeit von drei Jahren, gerechnet von der Einführung der Impfung an, ließen sich dort bei jungen Frauen fast 40% weniger Neuerkrankungen an Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs beobachten.[9] Genitalwarzen, gegen deren Erreger HPV 6 und 11 sich der verfügbare Vierfachimpfstoff zusätzlich richtet, nahmen in der Gruppe der geimpften Frauen im Vergleich zu anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen innerhalb von vier Jahren um 90% ab. [2]

Niedrige HPV-Impfrate in Deutschland

In Deutschland fallen die Impfraten deutlich niedriger aus. Nur knapp 40% der 14- bis 17-jährigen Mädchen in Deutschland sind vollständig gegen HPV-geimpft. [10] Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit eher auf den hinteren Rängen. „Das muss mehr sein“, fordert auch Prof. Beckmann im Interview.[14] Angesichts des großen Potenzials der Impfung sei die Impfmüdigkeit in Deutschland unverständlich, so der Experte.

Trotz unbefriedigender Impfraten lassen sich auch in Deutschland bereits erste mögliche Effekte der Impfung ausmachen. Eine Studie lieferte Hinweise, dass Infektionen mit HPV 16 und 18 bei geimpften Frauen deutlich seltener auftreten. [4,11] Auch war die Zahl der Neuerkrankungen an Genitalwarzen bei den 15- bis 19-jährigen Mädchen und jungen Frauen zwischen 2007, dem Jahr der Einführung der Impfung in Deutschland, und 2008 um 23% gesunken. [2,12]

Mehr krebsbedingte Todesfälle und Risiken könnten verhindert werden

Gesteigerte Impfraten könnten diese Ergebnisse noch deutlich verbessern und viele Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs, aber auch risikobehaftete Operationen am Muttermund zur Entfernung von Krebsvorstufen verhindern. Die HPV-Impfung scheint zudem vor seltenen Krebsarten wie Scheiden-, Schamlippen- oder Peniskrebs sowie Analkrebs bzw. deren Vorstufen zu schützen, die ebenfalls mit HPV 16 und 18 im Zusammenhang stehen. [2]

Ein Ersatz für die regelmäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen durch Frauenärztin oder -arzt ist die Impfung allerdings nicht, da die aktuell verfügbaren Impfstoffe nur gegen die HPV Typen 16 und 18 schützen und ca. 20 bis 30% der Fälle von Gebärmutterhalskrebs von anderen HPV-Typen ausgelöst werden. [2,8]

Neuer Impfstoff könnte den Impferfolg noch verbessern

Seit Dezember 2014 ist in den USA ein neuer nonovalenter (neunfacher) HPV-Impfstoff zugelassen, der sich anders als die bisherigen Impfstoffe nicht nur gegen zwei (HPV 16, 18), sondern gegen fünf weitere für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs relevante HPV-Typen (HPV 31, 33, 45, 52 und 58) und wiederum zwei für Genitalwarzen verantwortliche Typen (HPV 6, 11) richtet. [13] „Durch die bisherige HPV-Impfung wird die Wahrscheinlichkeit von Gebärmutterhalskrebs um 70 Prozent verringert und mit der neunfachen Impfung um 90 Prozent“, unterstreicht Prof. Hillemanns. Hillemanns und seine Kollegen rechnen damit, dass es etwa Anfang 2016 zur Zulassung des neuen Impfstoffs auch in Deutschland kommt. [14,15] Bis dahin bleibt es wichtig, rechtzeitig mit den bisherigen Impfstoffen zu impfen. [8]

Wer sollte noch geimpft werden?

Jugendliche,Quelle: © Moritz Wussow - fotolia.com
Quelle: © Moritz Wussow - fotolia.com

Die bislang vorliegenden Daten lassen auch eine Impfung von Jungen ab 9 Jahren sowie von Frauen nach dem ersten Geschlechtsverkehr, bereits durchgemachter HPV-Infektion oder im Rahmen der Behandlung HPV-bedingter Krebsvorstufen sinnvoll erscheinen. [2] Die Impfung der Jungen beispielsweise bietet auch für die Mädchen einen besseren Schutz. „Die Jungen übertragen HPV. Wenn wir die Infektion ausrotten wollen, müssen wir Jungen und Mädchen impfen“, betont Beckmann, der sich ganz klar für eine Impfung von Jungen ausspricht. Die Kosten der Impfung (150 Euro pro erforderlicher Einzeldosis) müssen in diesen Fällen derzeit jedoch in der Regel selbst getragen werden. [14,15] Mehr zu diesen Empfehlungen und den Möglichkeiten der Kostenübernahme erfahren Sie hier.

Quellen:

[1] Robert-Koch-Institut / Zentrum für Krebsregisterdaten (Hg.): Krebs in Deutschland 2009/2010, 9. Ausgabe, 2013: http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2013/krebs_in_deutschland_2013.pdf

[2] S3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien (2013). http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/082-002l_Impfpr%C3%A4vention_HPV_assoziierter_Neoplasien_2013-12.pdf

[3] RKI: Epidemiologisches Bulletin Nr.34, 25. August 2014

[4] RKI: Epidemiologisches Bulletin Nr. 35, 01. September 2014

[5] BZgA: Jugendsexualität: Repräsentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern, 2010

[6] Wild F. Durchimpfungsrate der HPV-Impfung in Deutschland –
Eine Untersuchung anhand Arzneiverordnungsdaten von Privatversicherten. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie 2012; Abstr. V151 [raus oder noch drin?]

[7] Schwarz TF et al. Four-year follow-up of the immunogenicity and safety of the HPV-16/18 AS04-adjuvanted vaccine when administered to adolescent girls aged 10-14 years. Journal of Adolescent Health 2012; 50:187-94

[8] Hillemanns, P. HPV-Impfung: Was gibt es Neues? ÄP Gynäkologie 2_2014

[9] Brotherton J et al. Early effect of the HPV vaccination programme on cervical abnormalities in Victoria, Australia: an ecological study. Lancet 2011; 377(9738): 2085-2092

[10] Poethko-Müller, C. et al. Impfstatus und Determinanten der Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) bei Mädchen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundesgesundheitsblatt 2014 57:869-877

[11] Deleré Y et al. BMC Infectious Diseases 2014, 14:87: http://www.biomedcentral.com/1471-2334/14/87

[12] Mikolajczyk R. Auswirkungen der HPV-Impfung auf die Inzidenz von anogenitalen
Warzen – eine Auswertung von Abrechnungsdaten einer Krankenkasse. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie 2012; Abstr. V136

[13] FDA News Release: FDA approves Gardasil 9 for prevention of certain cancers caused by five additional types of HPV, 14.12.2014: http://www.fda.gov/NewsEvents/Newsroom/PressAnnouncements/ucm426485.htm

Interviews und Fachberatung:

[14] Prof. Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikumpp Erlangen, Mai 2015

[15] Prof. Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover, Mai 2015

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 12.06.2015

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Aktualisiert am: 27.09.2016 16:39