Schlechter Schlaf: Keine Seltenheit bei Krebspatienten

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Durch eine gründliche Anamnese lassen sich in vielen Fällen Ursachen für die Schlafstörungen identifizieren. Das ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Unter Patienten mit einer bösartigen Tumorerkrankung sind Schlafstörungen weit verbreitet. Darüber berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Im Fokus Onkologie. Wenn sich im Gespräch mit dem Arzt herausfinden lässt, um welche Art der Schlafstörung es sich handelt und welche Ursachen dahinterstecken, kann in vielen Fällen geholfen werden.

Guter erholsamer Nachtschlaf ist eine Voraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden – das gilt für Gesunde wie Kranke gleichermaßen. Die Ursachen für gestörten Nachtschlaf sind vielfältig: hormonelle Störungen, Schmerzen, Atmungsstörungen können ebenso dazu beitragen wie die Einnahme bestimmter Medikamente, Genussmittel oder psychische Probleme, etwa depressive Symptome, Stress und starke psychosoziale Belastung. Bei Krebspatienten kommen oft mehrere Faktoren zusammen, die sie nicht ausreichend und erholsam schlafen lassen.

Während in der Allgemeinbevölkerung Schätzungen zufolge rund ein Drittel unter Schlafstörungen leidet, sind es unter Krebspatienten anfangs ein Drittel, 18 Monate nach der Krebsdiagnose noch immer knapp 40 Prozent. Nur durch eine gezielte und gründliche Anamnese kann der Arzt herausfinden, welche Ursachen zu den Schlafstörungen beitragen: Sind es beispielsweise Schmerzen, die dem Patienten den Schmerz rauben, bestimmte Medikamente oder Ängste? Die Abklärung der Ursachen kann helfen, die Schlafqualität durch geeignete Maßnahmen wieder zu verbessern. In der Therapie spielen in erster Linie verhaltensmedizinische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze eine Rolle, etwa Veränderungen der Schlafhygiene, Schlafrestriktion, Stimuluskontrolle, Entspannungstechniken und kognitive Bewältigungsstrategien. Schmerzen infolge des Tumors sollten ausreichend behandelt werden. Auch andere Symptome der Krebserkrankung wie Husten oder Atemstörungen können in vielen Fällen gut behandelt werden. Zudem ist der Einsatz Melatonin-enthaltender Medikamente, sogenannter Chronotherapeutika, möglich. Sie fördern das Schlafen, indem sie den Melatoninspiegel erhöhen.

Neue Erkenntnisse zur Bedeutung des Umgangs mit Licht für guten Schlaf, die in den letzten zehn Jahren gewonnen wurden, fanden inzwischen Eingang in die verhaltensmedizinische Behandlung von Schlafstörungen. So führt Lichtmangel zwischen 8 und 16 Uhr (durch dauerhaften Aufenthalt in Innenräumen) und Lichtüberschuss zwischen 21 Uhr und dem Zubettgehen (langes Aufbleiben bei Lampenlicht, Fernseher, Smartphonebenutzung) nachweislich zu schlechterem Schlaf. Oft kann es deshalb schon helfen, einige Gewohnheiten umzustellen.

 

Quelle:

Strik, H. et al.: Oft unterschätzt. Schlafstörungen bei Krebspatienten. Im Fokus Onkologie 2016, 19(12):45-48

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.09.2017 16:40