Chronische Erschöpfung nach Hodenkrebs

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Noch viele Jahre, nachdem die Krankheit längst überstanden ist, können Hodenkrebspatienten unter Fatiguebeschwerden leiden. Sportlich aktiv zu sein kann helfen.

Das chronische Erschöpfungssyndrom, Fatigue genannt, ist eine häufige Folge von Krebserkrankungen und ihren Therapien. Auch vor Patienten mit Hodenkrebs macht es nicht Halt. Wissenschaftler berichteten in der Fachzeitschrift Annals of Oncology über steigende Zahlen noch viele Jahre, nachdem die Krankheit längst ausgestanden ist.

Die Forscher stützten sich auf die Daten von 812 Patienten mit Hodenkrebs, die zwischen 1980 und 1994 behandelt worden waren. Die Patienten wurden zwölf und 19 Jahre nach der Therapie noch einmal zu ihrem aktuellen Befinden befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Häufigkeit chronischer Fatigue von der ersten bis zur zweiten Befragung von 15 auf 27 Prozent zugenommen hatte. Ein besonders hohes Risiko, in diesem Zeitraum Fatiguebeschwerden zu entwickeln, hatten Patienten mit Nervenstörungen (Neuropathie), Raynaud-Syndrom oder niedrigen Testosteronwerten, die als Folge der Krebstherapie auftraten. Auch Depressionen und Angstzustände verstärkten das Fatigue-Risiko, während sportliche Aktivitäten offenbar davor schützten.

Von der Zunahme der Häufigkeit chronischer Fatigue noch so viele Jahre nach der Hodenkrebserkrankung zeigten sich die Studienautoren überrascht. Da sich in der Studie bestimmte Risikofaktoren herauskristallisierten, könnten besonders gefährdete Patienten womöglich rechtzeitig erkannt werden. So sollten beispielsweise Angststörungen und Depression ausreichend behandelt werden. Sportliche Aktivitäten könnten offenbar eine vorbeugende Wirkung erzielen.

 

Quelle:

Sprauten, M. et al.: Chronic fatigue in 812 testicular cancer survivors during long-term follow up: increasing prevalence and risk factors. Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 11. August 2015, doi: 10.1093/annonc/mdv328

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 29.05.2017 16:54