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Brustkrebs - Operation

Wie wird Brustkrebs operiert?

Ärzte operieren
Quelle: Beerkoff © Fotolia

Eine Operation ist zur Therapie von bösartigen Brusttumoren auch heute noch unentbehrlich. Doch während die Diagnose Brustkrebs bis in die 80er Jahre für die betroffenen Frauen meist die radikale Entfernung der Brust bedeutete, kann heute oft schonender operiert und die Brust erhalten werden.

Meist schließt sich die Operation direkt an die Diagnose an. Mitunter gehen ihr jedoch auch eine Chemo-, Antihormon- oder Antikörpertherapie voran, um den Tumor zu verkleinern. Ziel der Operation ist es, alle Tumorzellen aus der Brust zu entfernen. Dazu wird sicherheitshalber auch etwas von dem umgebenden gesunden Gewebe mit entnommen. In der anschließenden feingeweblichen Untersuchung werden die Schnittränder daraufhin untersucht, ob sie Tumorzellen enthalten. Wenn nicht, kann davon ausgegangen werden, dass der Tumor vollständig entfernt wurde.

Brusterhaltende Operation

Brusterhaltende Operationen bergen für die Patientinnen kein höheres Rückfallrisiko als die radikale Brustentfernung, wenn der Tumor mit einem „Sicherheitsrand“ von mindestens einem Millimeter gesundem Gewebe entfernt werden kann und die Brust im Anschluss nachbestrahlt wird.
Ob brusterhaltend operiert werden kann, hängt von der individuellen Beschaffenheit des Tumors ab:

  • Der Tumor darf im Verhältnis zur Brust nicht zu groß und muss örtlich begrenzt sein.
  • Brusthaut und Brustwandmuskulatur dürfen i. d. R. nicht betroffen sein.
  • Es dürfen keine weiteren Tumoren in der Brust vorhanden sein, die weit auseinander liegen.
  • Es dürfen keine zusätzlichen ausgedehnten Brustkrebsvorstufen vorhanden sein.

Brustentfernung – Mastektomie

Nur bei wenigen Patientinnen muss die gesamte Brust entfernt werden: Brustdrüse, Haut und Hüllschicht des Brustmuskels (Faszie). Eine solche Mastektomie wird notwendig, wenn:

  • der Tumor zu groß ist,
  • an mehreren, voneinander entfernten Stellen Tumoren wachsen,
  • die Brusthaut betroffen ist,
  • Brustkrebsvorstufen in der gesamten Brust vorhanden sind,
  • bei einer vorangegangenen Operation der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte und eine Nachoperation unter Erhalt der Brust nicht möglich ist oder
  • wenn eine Strahlentherapie nicht möglich oder nicht gewünscht ist (z.B. bei sehr hohem Alter).

Während früher auch die Brustmuskulatur entfernt wurde, wird heute eine schonendere Form der Mastektomie angewendet, bei der diese Muskeln erhalten bleiben. So fällt der Brustkorb nicht ein und der Brustansatz behält seine runde Kontur.

Insbesondere vor Mastektomien, aber auch bei größeren brusterhaltenden Eingriffen sollten sich Patientinnen bereits vor der Operation über die verschiedenen Möglichkeiten der Brustrekonstruktion informieren, denn schon während des Eingriffs können erste Maßnahmen für einen Wiederaufbau der Brust erfolgen.

Entfernung der Lymphknoten

Wenn Brustkrebszellen metastasieren, d.h. wenn sie sich von der Brust aus im Körper ausbreiten, geschieht dies meist über das Lymphsystem. Die Lymphbahnen aus der Brust münden in die Lymphknoten der Achselhöhle. Während früher diese Lymphknoten bei der Operation immer mitentfernt wurden („Axilladissektion“), ist es mittlerweile Standard, nur die sogenannten Wächter-Lymphknoten („Sentinel“) – die ersten, die auf der Lymphbahn zwischen Brust und Achselhöhle liegen – zu entfernen.

Werden bei der anschließenden feingeweblichen Untersuchung der Sentinels keine Krebszellen gefunden, kann man davon ausgehen, dass der Tumor noch nicht gestreut hat und sich somit weder in anderen Lymphknoten noch an anderen Körperstellen Metastasen befinden. Stellt sich während oder nach der Operation heraus, dass mehr als zwei Wächterlymphknoten befallen sind, müssen im Regelfall mindestens zehn Lymphknoten entfernt werden. Bei weniger als drei betroffenen Lymphknoten kann jedoch auf eine weitere Entfernung verzichtet werden, wenn nach der Operation bestrahlt und medikamentös weiterbehandelt wird. Nur in wenigen Fällen ( große, tastbare oder in der Bildgebung auffällige Lymphknoten-Metastasen) müssen ggfs. mehr als zehn Lymphknoten entnommen werden.

Wenn geplant ist, der Operation eine medikamentöse Therapie voranzustellen, können die Sentinel-Lymphknoten bereits vor Beginn der geplanten neoadjuvanten Behandlung entnommen und untersucht werden, weil die systemische Therapie die richtige Beurteilung der Lymphknoten erschwert.

Operation bei metastasiertem Brustkrebs

Da bei Vorhandensein von Fernmetastasen die Erkrankung nicht mehr heilbar ist, wurde in der Vergangenheit häufig auf die Operation des Tumors verzichtet und stattdessen ausschließlich auf systemische Therapien zurückgegriffen. Mittlerweile mehren sich jedoch die Hinweise, dass auch bei metastasiertem Brustkrebs die Entfernung des Tumors von Vorteil sein und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern könnte. Die wissenschaftliche Lage dazu ist aber noch nicht eindeutig. Weitere Studien müssen abgewartet werden, um dies zu klären.

Folgen der Operation

Wie bei allen Operationen kann es in seltenen Fällen zu Wundheilungsstörungen und/ oder Infektionen kommen. Meist verheilt die Wunde jedoch innerhalb von etwa drei Wochen.
Weil bei der Operation auch Haut entfernt wird, kann es danach vorübergehend zu Spannungsgefühlen kommen, bis die verbliebene Haut sich gedehnt hat. Nach brusterhaltenden Operationen empfiehlt es sich mitunter, die operierte Brust mit einem speziellen Büstenhalter bzw. Sport-BH zu stützen.

Frauen mit großer Brust, bei denen eine Mastektomie erfolgt ist, neigen nach der Operation zu Fehlhaltungen wegen der unterschiedlichen Gewichtsverteilung. Diese kann zu Verspannungen und Schmerzen im Schulterbereich führen. Darum empfiehlt sich hier allein schon aus orthopädischen Gründen das Tragen einer externen Prothese, d.h. eine Einlage im BH.

Wenn sich nach einer brusterhaltenden Operation ein sichtbarer Größenunterschied eingestellt hat oder wenn während einer Mastektomie noch keine kosmetischen Schritte unternommen wurden, kann nach Abschluss der Chemotherapie und/oder Bestrahlung - eine Brustrekonstruktion erfolgen.

Auch die Entfernung der Achsellymphknoten kann nachträglich Beschwerden verursachen. Weil dabei kleine Nerven durchtrennt werden, kann in seltenen Fällen die Beweglichkeit der Schulter und des Armes beeinträchtigt sein.

Außerdem können – mitunter erst Jahre später – Lymphödeme auftreten: Durch die Unterbrechung der Abflusswege staut sich die Lymphflüssigkeit und der Arm schwillt an und schmerzt. Behandelt wird das Lymphödem beispielsweise durch Hochlagern und Wickeln, durch das Tragen eines Armstrumpfes oder durch die manuelle Lymphdrainage, eine spezielle Massagetechnik.
Wurden nur die Wächterlymphknoten entfernt, sind diese Nebenwirkungen geringer und Lymphödeme seltener.

 

(pp)

Quellen:
[1] AGO Empfehlungen „Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer”, Stand März 2013
http://www.ago-online.de/de/fuer-mediziner/leitlinienempfehlungen/mamma/
[2] AGO Patientenratgeber Brustkrebs zu den AGO-Empfehlungen 2013
http://www.ago-online.de/de/fuer-patienten/patientenratgeber
[3] Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Krebsinformationsdienst: Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte.http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs
[4] Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 3.0, Aktualisierung 2012 (Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften), online unterhttp://www.krebsgesellschaft.de/wub_llevidenzbasiert,120884.html
[5] Patientenleitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften, online unterhttp://www.krebsgesellschaft.de/wub_broschueren_brustkrebs,117182.html
- Patientenleitlinie „Brustkrebs. Die Ersterkrankung und DCIS – Eine Leitlinie für Patientinnen“, Stand 2010
- Patientenleitlinie „Brustkrebs II - Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung“, Stand 2011
- Patientenleitlinie „Früherkennung von Brustkrebs. Eine Entscheidungshilfe für Frauen“, Stand 2010

Fachliche Beratung: 
Prof. Fehm Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Prof. Scharl Klinikum Amberg
PD Dr. Lux Universitätsfrauenklinik Erlangen

Aktualisiert am: 21.09.2014 23:40