Pressearchiv 2017

 

Forschung zur optimalen Versorgung von Krebspatienten stärken

Dr. Christoph Kowalski, Deutsche Krebsgesellschaft

Seit Juni 2017 hat die Fachgruppe Onkologie im Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) zwei neue Sprecher: Dr. Christoph Kowalski aus dem Bereich Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft, Berlin, und Dr. Elisabeth Inwald, Gynäkologin an der Universitätsklinik Regensburg. Im Interview erklärt Dr. Kowalski die Arbeit der Gruppe und welche onkologischen Themen der Deutsche Kongress für Versorgungsforschung vom 4.-6. Oktober in Berlin bieten wird.

Herr Kowalski, wie setzt sich Ihre Fachgruppe zusammen?
Im Rahmen des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung gibt es Arbeitsgruppen und Fachgruppen. Die Arbeitsgruppen befassen sich mit Querschnittthemen wie z.B. Qualitäts- und Patientensicherheitsforschung, Gesundheitskompetenz oder auch organisationsbezogener Versorgungsforschung. Bei den Fachgruppen geht es dagegen eher um krankheitsspezifische Aspekte der Versorgungsforschung, zum Beispielim Bereich der Kinder- und Jugend- oder der Palliativmedizin. Unsere Fachgruppesetzt sich gezielt mit der onkologischen Versorgung auseinander.Sie besteht derzeit aus etwa 30 Experten.

Unterscheidet sich die Versorgungsforschung in der Onkologie denn grundsätzlich von der Versorgungsforschung bei anderen Erkrankungen?
Wir brauchen in der Tat zunächst eine Standortbestimmung: Was zeichnet Versorgungsforschung in der Onkologie im Besonderen aus? Ziel unserer Gruppe ist es, ein Memorandum zu erstellen, auf dem die weitere Arbeit dann aufbaut. Bei unserem ersten Treffen haben wir dafür eine grobe Gliederung vereinbart, die das weitere Vorgehen bestimmt.

Was heißt das konkret?
Wir müssen uns zunächst mit der Frage auseinandersetzen, wie sich onkologische Patienten von Patienten mit Diabetes oder Rheuma unterscheiden. Dabei arbeiten wir eng mit Patientenvertretern zusammen, zum Beispiel mit der Frauenselbsthilfe nach Krebs und dem Bundesverband der Prostatakrebsselbsthilfe. Außerdem werden wir uns mit den Themen der Zukunft beschäftigen: Welche Herausforderungen kommen auf die Onkologie in den nächsten Jahren zu?

Und natürlich geht es auch um die spezifischen Methoden, die für eine onkologische Versorgungsforschung benötigt werden. Am Memorandum arbeiten dann die 30 Mitglieder der Fachgruppe und weitere Personen, die ihre Bereitschaft zum Mitmachen signalisiert haben. Das sind persönliche Mitglieder des DNVF, aber auch Delegierte der Fachgesellschaften, die ihrerseits Mitglieder des DNVF sind und eben Vertreter der Patientenorganisationen.

Sie sprechen von Herausforderungen der Zukunft. Woran denken Sie?
Nehmen Sie zum Beispiel die steigenden Prävalenzen und Inzidenzen der Krebserkrankungen angesichts einer Bevölkerung, die immer älter wird, oder die hohen Therapie- und sozialen Folgekosten bei Krebs. Bei medizinischen Innovationen wissen wir häufig nicht so genau, wie sie sich im Versorgungsalltag im Vergleich zu den etablierten Standards bewähren. Hier fehlt oft eine strukturierte Datenerhebung, die uns hilft, diese Erkenntnislücke zu schließen. Und auch bei der Frage nach den Versorgungsstrukturen gibt es offene Punkte, etwa wie wir es schaffen, dass Krebspatienten in ländlichen Gebieten nicht im Nachteil sind, was den Zugang zu einer hohen Versorgungsqualität angeht.

Was kann das Memorandum bewirken?
Ziel ist es, die Verbindung zwischen Versorgungsforschung und Versorgung zu intensivieren. Beispiele für dafür gibt es derzeit schon im Bereich der Qualitätssicherung. Ich denke da an die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Darmkrebszentren, deren Mitglieder sich regelmäßig treffen, um ihre Qualitätsdaten zu diskutieren und herauszufinden, was an den Zentren mit sehr guten Qualitätsdaten besser läuft. Das ist im Kern Versorgungsforschung und von solchen Dialogen brauchen wir mehr, nicht nur mit Ärzten, sondern auch mit gesundheitspolitischen Entscheidern und Kassen.

Wo sehen Sie persönlich in der onkologischen Versorgung den größten Forschungsbedarf?
Ich glaube, wir müssen bei der Frage nach der Abbildung von Qualität deutlich mehr tun. Wer sich als Verbraucher für einen neuen Kühlschrank oder ein Elektrogerät interessiert, kann auf jede Menge Verbrauchertests zurückgreifen. Bei einer solch elementaren Frage wie der nach der Qualität der Leistungen im Gesundheitswesen herrscht dagegen vergleichsweise wenig Transparenz. Dass die Leistungserbringer oft selbst nicht wissen, wo sie mit der Qualität der von ihnen angebotenen Leistungen stehen, ist kontraproduktiv. Wer die Qualität der eigenen Krankenversorgung nicht kennt, kann auch nichts verbessern.

Welche onkologischen Themen werden auf dem kommenden Deutschen Kongress für Versorgungsforschung laufen?
Am ersten Kongresstag wird es in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft eine Sitzung zur Qualität in der onkologischen Versorgung geben. Die Veranstaltung endet mit einer Podiumsdiskussion mit Vertretern des Gemeinsamen Bundesausschusses und des IQTIG. Ebenfalls am ersten Kongresstag ist eine Sitzung zur Patientenzentrierten Versorgung geplant, unter anderem zur partizipativen Entscheidungsfindung bei Krebspatienten. In der Sitzung „Konzepte und Anwendungen der Registerforschung“ am zweiten Kongresstag geht es um die klinischen Krebsregister. Der Kongressbesuch lohnt sich auf alle Fälle!

Mehr Infos zum Deutschen Kongress für Versorgungsforschung vom 4. bis 6. Oktober 2017 in Berlin: www.dkvf2017.de