Am 18. Februar 1900 wird in Berlin das Comité für Krebssammelforschung gegründet, die Vorläuferin der Deutschen Krebsgesellschaft. Im Fokus stehen Sammelforschung, Massenbeobachtung und Statistik und somit die heutige Idee der Krebsregister. Es ist der Anfang der organisierten Krebsforschung in Deutschland. Mitbegründer und erster Vorsitzender ist der Geheime Medizinalrath Dr. Ernst von Leyden, Professor für Innere Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität und Direktor der I. Medizinischen Klinik der Charité. 1903 erscheint die erste „Zeitschrift für Krebsforschung“ – heute unter dem Namen Journal of Cancer Research and Clinical Oncology bekannt. Dieses Journal ist weltweit das älteste Fachorgan für Onkologie.
125 Jahre gemeinsame Krebsforschung
Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine unübersichtliche Zahl an Publikationen und die unterschiedlichsten Theorien zur Entstehung tumoröser Erkrankungen. Unter anderem dachte man, Krebs sei eine Folge von Infektionen mit Mikroorganismen und damit der Tuberkulose vergleichbar. Die wissenschaftliche Analyse des Krebsgeschehens in jener Zeit stützte sich weitgehend auf die Beobachtung von Einzelfällen.
Das 20. Jahrhundert brachte ein Umdenken hin zur Epidemiologie und Statistik. Aus diesem Grund wurde eine Institution zur einheitlichen und systematischen Krebsforschung und -bekämpfung notwendig. In der Bildergalerie erfahren Sie einiges über die wechselvolle Geschichte der Deutschen Krebsgesellschaft vom Gründungsjahr 1900 bis jetzt.
1900
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1918
Aus bescheidenen Mitteln finanziert das Comité für Krebssammelforschung zwischen 1900 und 1918 große und kleine Sammelforschungen, stellt Krebsschriften zusammen, baut eine wissenschaftliche Bibliothek auf, fördert Forschungsprojekte sowie Publikationen und vergibt kleine Forschungsstipendien. Unterstützt durch die Politik finden für Patientinnen und Patienten Aufklärungskampagnen statt. Ärzte erhalten Weiterbildungsunterlagen zur Krebsfrüherkennung. 1911 benennt sich die Gesellschaft in Deutsches Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten (DZK) um.
1918
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1933
Die Zeit von 1918 bis 1933 ist geprägt von Finanzierungsengpässen: Der Haushaltsetat für der Gesellschaft wird reduziert, Zuschüsse anderer Institutionen und private Spenden bleiben aus, die Hyperinflation grassiert. Trotzdem geht die Arbeit weiter: Das Deutsche Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten widmet sich neben bestehenden Aufgaben nun auch vermehrt der Ursachenforschung für berufsbedingte Krebserkrankungen. Es beteiligt sich an vielen Maßnahmen zur öffentlichen Aufklärung und Förderung der Frühdiagnostik.
1933
Auf Anordnung werden nach der nationalsozialistischen Machtergreifung marxistische und jüdische Mitglieder entlassen und zwangsemeritiert, darunter auch der Leiter des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten Ferdinand Blumenthal. Sein Schicksal steht stellvertretend für eine Vielzahl jüdischer Forscher. Die Gesellschaft wird aufgelöst und durch den Wissenschaftlichen Ausschuß ersetzt, der bald im Reichsausschuß für Krebsbekämpfung (RAK) aufgeht. Vermögen, Rechte und Pflichten der Gesellschaft gehen auf den RAK über.
1945
Nach Ende des 2. Weltkriegs lösen die Alliierten den Reichsausschuss für Krebsbekämpfung auf. Doch die Sterblichkeit an Krebs ist hoch, es besteht Bedarf an systematischen Maßnahmen zur Krebsbekämpfung. In Berlin-Buch nimmt auf Betreiben der sowjetischen Militäradministration bereits 1947 das Institut für Medizin und Biologie die systematische Krebsforschung und Krebsbehandlung wieder auf. In Westdeutschland bilden sich erste Strukturen zur Krebsbekämpfung vor allem auf regionaler Ebene, zunächst ohne Vernetzung oder gar die Leitfunktion einer Einrichtung.
1951
Aus den westdeutschen Landesverbänden gründet sich am 16. März 1951 der Deutsche Zentralausschuß für Krebsbekämpfung und Krebsforschung (DZA) – die heutige Deutsche Krebsgesellschaft. Die Tätigkeiten der Landesverbände sollen gebündelt, jedoch nicht vom DZA bestimmt werden. Diese Politik gilt bis heute. 1952 erkennt die Bundesregierung den DZA als Dachorganisation an. Das macht den Weg frei für eine Mitgliedschaft in der Union for International Cancer Control (UICC) und die Einbindung in die internationale Forschungsszene. Seit 1951 findet zweijährlich der Deutsche Krebskongress statt. Er ist damit der älteste onkologische Fachkongress in Deutschland.
1970
Im Dezember 1970 erfolgt die endgültige Namensänderung in Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG). Und: Die Gesellschaft richtet sich neu aus – angestoßen von einer neuen Generation von Forscherinnen und Forschern, zu der auch Carl Gottfried Schmidt gehört. Unter seiner Präsidentschaft formt sich die Deutsche Krebsgesellschaft zu einer modernen, aktiven, motivierten interdisziplinären Organisation mit klaren Aufgaben und Zielen. Die Satzungsänderung von 1972 ist dafür das Fundament und weist zugleich den Weg, der bis heute beschritten wird: in der Struktur (Landeskrebsgesellschaften, Sektionen und Arbeitsgemeinschaften), in der Interdisziplinarität, in den Aufgaben (Leitlinien und Zentrenbildung) sowie in der politischen Arbeit.
2000
Die Qualitätssicherung onkologischer Leistungen ist ein Hauptanliegen der Deutschen Krebsgesellschaft. Das Informationszentrum für Standards in der Onkologie, das Studienhaus Onkologie und das Clearing House stehen in den 1990er Jahren stellvertretend dafür. In den 2000er Jahren trägt die Deutsche Krebsgesellschaft Prinzipien der Qualitätssicherung noch stärker in die onkologische Versorgung: Seit 2003 überprüft und zertifiziert die DKG Einrichtungen der onkologischen Versorgung. Ende 2024 sind – auf freiwilliger Basis – über 2.150 Zentren in Deutschland, aber auch im Ausland zertifiziert. 2008 wird mit weiteren Akteuren das Leitlinienprogramm Onkologie ins Leben gerufen. Es hat das Ziel, in enger Kooperation unabhängig finanzierte, wissenschaftlich begründete und praktikable Leitlinien für die Onkologie zu entwickeln.
2008
Höhepunkt in der politischen Gremienarbeit in den 2000er Jahren ist der Nationale Krebsplan. Er wird 2008 vom Bundesministerium für Gesundheit gestartet; Mitinitiatoren sind die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT). An der Umsetzung des Nationalen Krebsplans ist die DKG in vielen Gremien und Arbeitsgruppen sowie in Kooperation mit vielen Akteuren beteiligt. Das Ziel: Die Versorgung der Patientinnen und Patienten soll weiter verbessert, die Früherkennung gestärkt und die Zusammenarbeit aller Akteure gefördert werden. Mit Erfolg: Im April 2013 tritt das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz in Kraft.
2012
Erste gemeinsame Aktivitäten von Deutscher Krebsgesellschaft und Deutscher Krebshilfe gibt es bereits in den 1980er Jahren. In den 2000er Jahren intensiviert sich die Kooperation in allen Bereichen und mündet 2012 in einen Grundlagenvertrag über die projektbezogene Zusammenarbeit. So wird beispielsweise gemeinsam der Informationsdienst Infonetz Krebs aufgebaut. Seit 2014 sind beide Gesellschaften gleichberechtigte Ausrichter des Deutschen Krebskongresses. Dieser Schulterschluss ist eine neue Etappe in der langen Tradition von Forschergeist und Engagement der Krebsgesellschaft für eine bessere Krebsversorgung.
2025
Heute ist die DKG eine gewichtige Stimme in der onkologischen Versorgung und die größte onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. Die DKG engagiert sich unter dem Motto Wissen aus erster Hand für eine Krebsversorgung auf Basis evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und hoher Qualitätsstandards. Die zertifizierten Zentren der DKG gibt es seit mehr als 20 Jahren. Mit einer Studie konnte gezeigt werden, dass eine Erstbehandlung dort mit besseren Überlebensraten und weniger Spätfolgen einhergeht. Auch das Leitlinienprogramm Onkologie hat die Arbeit kontinuierlich ausgeweitet – mittlerweile gibt es 35 S3-Leitlinien. Neben den bestehenden Aufgaben an der Schnittstelle von Forschung und Versorgung bringt sich die Organisation auch in den gesundheitspolitischen Diskurs ein. Die DKG repräsentiert zudem die Bundesrepublik Deutschland in internationalen Organisationen, wie der Union for International Cancer Control (UICC), der Association of European Cancer Leagues (ECL) oder der Europäischen Union. Im Jahr 2025 feierte die DKG ihr 125-jähriges Bestehen.
Publikationen über die DKG und über Onkologiegeschichte
Die Geschichte der Deutschen Krebsgesellschaft
Isabel Atzl, Roland Helms
Herausgeber: Deutsche Krebsgesellschaft, 2012
150 Seiten
29,50 Euro [D]
ISBN 978-3-86371-023-1
Erinnerungsort Krebsbaracke
Peter Voswinckel
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 2014
190 Seien, 211 Illustrationen
kostenfrei
ISBN 978-3-9816354-2-3
Das verschüttete Antlitz des Generalsekretärs
Peter Voswinckel
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 2015
169 Seiten
kostenfrei
ISBN 978-3-9816354-8-5
Verwässerung und Verleugnung einer Gründungsgeschichte der Onkologie
Peter Voswinckel
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 2019
138 Seiten
kostenfrei
ISBN 978-3-9818079-8-1