Clara Teich
Pressereferentin
| Pressemitteilung
Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG) im Bundesrat warnen Deutsche Krebshilfe, Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsches Krebsforschungszentrum vor erheblichen Risiken für die Qualität der onkologischen Versorgung in Deutschland. Erweiterte Ausnahmeregelungen und verlängerte Übergangsfristen würden die notwendige Konzentration komplexer Krebsbehandlungen in spezialisierten Strukturen ausbremsen. Vor diesem Hintergrund raten sie Krebspatient*innen, sich gezielt für eine Behandlung in zertifizierten Krebszentren und Comprehensive Cancer Centern (CCC) zu entscheiden.
Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, betont: „Krebspatientinnen und -patienten brauchen die Verlässlichkeit einer hohen Qualität in der Therapie – und die bekommen sie dort, wo Behandlung nach klaren Qualitätsvorgaben erfolgt: in zertifizierten Krebszentren und Comprehensive Cancer Centern. Wenn die Politik zulässt, dass komplexe Krebstherapien weiterhin auch außerhalb solcher Strukturen erbracht werden, wird Qualität zur Option statt zum Maßstab. Das darf nicht sein. Patientinnen und Patienten müssen sich bewusst machen: Der Behandlungsort beeinflusst maßgeblich ihre Chancen auf Heilung.“
Professor Dr. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, ergänzt: „Die Evidenz ist eindeutig: Eine Erstbehandlung in zertifizierten Krebszentren verbessert die Überlebenschancen von Krebsbetroffenen – und entlastet zugleich finanziell das Gesundheitssystem. Studien wie WiZen zeigen, dass Qualität und Wirtschaftlichkeit hier Hand in Hand gehen. Wenn nun Ausnahmen von Qualitätsvorgaben ausgeweitet werden und Krebsbehandlungen auch weiterhin in nicht spezialisierten Kliniken stattfinden können, konterkariert das die eigentlichen Ziele der Reform. Eine Krankenhausreform, die Behandlungsqualität relativiert, wird ihrem Anspruch nicht gerecht – und gefährdet eine moderne, effiziente und qualitativ hohe Krebsversorgung in Deutschland.“
Auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums, Professor Dr. Michael Baumann, mahnt den drohenden Qualitätsverlust der onkologischen Versorgung an: „Wir wissen aus der Forschung sehr genau, welche Faktoren die Prognose von Krebspatientinnen und -patienten verbessern: Erfahrung, hohe Fallzahlen, interdisziplinäre Teams und strukturierte Qualitätssicherung. Diese Prinzipien müssen die Grundlage der Versorgung sein. Eine Reform, die zu viele Ausnahmen zulässt, verwässert evidenzbasierte Standards und zementiert bestehende Qualitätsunterschiede. Ziel muss es sein, Spitzenmedizin konsequent in die Fläche zu bringen – nicht, sie zu relativieren.“
Die Krebspatientin Tatjana Loose, die 2015 wegen eines Bauchspeicheldrüsenkarzinoms behandelt wurde, betont die Bedeutung spezialisierter Kliniken: „Bei einer so komplexen und aggressiven Tumorerkrankung ist es entscheidend, dass verschiedene wichtige Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten. Ich wurde damals glücklicherweise in einem zertifizierten Zentrum behandelt – sozusagen der TÜV der Krebsmedizin. Dort war gewährleistet, dass alle beteiligten Fachbereiche Erfahrung mit Pankreaskarzinomen haben und die Behandlung abgestimmt erfolgt, wie bei einem funktionierenden Uhrwerk, in dem alle Zahnräder ineinandergreifen müssen. Aus meiner Sicht sollten Betroffene sich daher bewusst für ein zertifiziertes Zentrum oder CCC entscheiden und nicht automatisch das nächstgelegene Krankenhaus wählen.“
Derzeit wird etwa die Hälfte der Krebspatientinnen und -patienten in Deutschland nicht in zertifizierten Zentren behandelt. Gleichzeitig belegen Studien, dass eine Behandlung in solchen Zentren mit besseren Überlebenschancen und effizienterer Versorgung verbunden ist.
Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. Die rund 8.500 Einzelmitglieder in 25 Arbeitsgemeinschaften, die 16 Landeskrebsgesellschaften und 32 Fördermitglieder sind in der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen tätig. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten Qualitätsstandards, ist Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans und Partnerin der „Nationalen Dekade gegen Krebs“.
Die Deutsche Krebshilfe wurde am 25. September 1974 von Dr. Mildred Scheel gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Krebserkrankungen in all ihren Erscheinungsformen zu bekämpfen. Unter dem Motto „Helfen. Forschen. Informieren.“ fördert die Stiftung Deutsche Krebshilfe Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nachsorge und psychosozialen Versorgung, einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Ihre Aufgaben erstrecken sich darüber hinaus auf forschungs- und gesundheitspolitische Aktivitäten. Sie ist ebenfalls Mitinitiator des Nationalen Krebsplans sowie Partner der „Nationalen Dekade gegen Krebs“. Die Deutsche Krebshilfe ist der größte private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung – unter anderem der Krebsforschung – in Deutschland. Sie finanziert ihre gesamten Aktivitäten ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen der Bevölkerung.
Clara Teich
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