Clara Teich
Pressereferentin
Für ihre wegweisenden Arbeiten in der Krebsmedizin und -forschung werden 2026 mit dem Deutschen Krebspreis geehrt:
Der Preis, verliehen von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Onkologie. Er wird jährlich in den Kategorien „Translationale Forschung“, „Klinische Forschung“, „Experimentelle Forschung“ und „Versorgungsforschung“ vergeben.
Der Deutsche Krebspreis 2026 in der Kategorie „Experimentelle Forschung“ geht an zwei Forscher: Professor Marcus Conrad, Helmholtz Munich, und Professor José Pedro Friedmann Angeli, Universität Würzburg. Gemeinsam leisteten sie Pionierarbeit bei der Entdeckung und Charakterisierung der Ferroptose, einer erst in den letzten Jahren intensiver erforschten Form des programmierten Zelltods. Sie wird durch eisenabhängige oxidative Schäden in der Zellmembran ausgelöst. Da viele Tumoren, insbesondere hochaggressive, therapieresistente Tumoren, empfindlich auf diesen Mechanismus reagieren, gilt die Ferroptose als vielversprechender Ansatz für neue Therapien.
Conrad war Vorreiter auf diesem Gebiet: Seine Arbeitsgruppe konnte erstmals zeigen, dass der Verlust des Enzyms Glutathionperoxidase 4 (GPX4) eine neue Form des nicht-apoptotischen Zelltods auslöst: die Ferroptose. Mit dem Eintritt von Friedmann Angeli in die Arbeitsgruppe begann eine langjährige und äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit, die maßgeblich zur Aufklärung der molekularen Grundlagen dieses Zelltodmechanismus beitrug.
Gemeinsam identifizierten sie zentrale Faktoren, die bestimmen, wie empfindlich Tumorzellen gegenüber Ferroptose sind oder wie sie sich davor schützen können.
Aufbauend auf ihren Erkenntnissen haben Conrad und Friedmann Angeli auch gemeinsam Wirkstoffe entwickelt, die diesen Zelltodmechanismus therapeutisch nutzen. Erste präklinische Studien zeigen im Mausmodell bereits, dass die Medikamente das Tumorwachstum hemmen und die Bildung von Metastasen verhindern können. Damit eröffnen ihre Entdeckungen neue Perspektiven für die Behandlung schwer therapierbarer Tumorerkrankungen.
Den Deutschen Krebspreis 2026 in der Kategorie „Klinische Forschung“ erhält Professorin Jessica Hassel, Universitätsklinikum Heidelberg. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für die Entwicklung neuer Therapieprinzipien für Patient*innen mit fortgeschrittenem Hautkrebs und Aderhautmelanomen sowie für eine stärker patientenzentrierte Versorgung in der Dermatoonkologie. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Durchführung von klinischen Studien zum Einsatz innovativer Immuntherapien. So hat Hassel unter anderem dazu beitragen, RNA-Vakzinierungsstrategien, Therapieprinzipien für immunmodulatorische Krebsimpfstoffe und für den bispezifischen Wirkstoff Tebentafusp zu entwickeln. Darüber hinaus untersucht Hassel auch translationale Fragestellungen, die Forschungsergebnisse schneller in die klinische Praxis überführen sollen. So etablierte sie beispielsweise neue Liquid-Biopsy-Methoden für das Therapiemonitoring sowie verbesserte bildgebungsbasierte Kriterien zur Beurteilung des Therapieansprechens.
Ein besonderes Anliegen von Hassel ist zudem die Stärkung der Patient*innen in schwierigen medizinischen Entscheidungsprozessen. Im PEF-Immun-Projekt entwickelte sie evidenzbasierte Entscheidungshilfen für Menschen mit Hautkrebs, die Betroffene dabei unterstützen, gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzt*innen informierte Therapieentscheidungen zu treffen. Diese Angebote stehen Patient*innen nun zur Verfügung und stärken die patientenzentrierte Versorgung in der Dermatoonkologie.
Den Deutschen Krebspreis 2026 in der Kategorie „Translationale Forschung“ erhalten Professor David Capper, Charité – Universitätsmedizin Berlin und Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) Berlin, und Professor Felix Sahm, Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg sowie Universitätsklinikum Heidelberg und Deutsches Krebsforschungszentrum, für ihre wegweisenden Beiträge zur molekularen Diagnostik von Hirntumoren. Ihre Arbeiten haben die Klassifizierung und Risikoabschätzung von Gehirntumoren grundlegend verändert und bilden heute die Basis für moderne, zielgerichtete Therapiekonzepte.
Capper hat die genomweite epigenetische Diagnostik für Gliome, glioneuronale Tumoren und weitere ZNS-Tumoren etabliert und ein Klassifikationssystem entwickelt, das routinemäßig in der Diagnostik eingesetzt werden kann. Auf Basis dieser Methodik konnten Tumoren präziser definiert werden.
Sahm hat durch die kombinierte Analyse von Tumor- und Immunzellen die individuelle Risikoabschätzung mittels Epigenetik entwickelt. Dadurch fällt die Verlaufsvorhersage insbesondere bei Meningeomen erheblich genauer aus. Die Arbeiten eröffnen zudem durch beschleunigte Datenerhebung Wege für eine intra-operative Klassifikation.
Capper und Sahm nutzten gemeinsam moderne Machine-Learning-Verfahren und konnten zahlreiche neue Entitäten identifizieren sowie Grundlagen für spezifischere Therapieansätze schaffen. Die dadurch entstandene diagnostische Ressource ist heute im klinischen Alltag für die Einordnung und Beurteilung dieser Tumoren unverzichtbar. Ihre Erkenntnisse haben in internationalen Leitlinien und der WHO-Klassifikation Eingang gefunden.
Die Arbeiten von Sahm und Capper haben damit nicht nur die Neuroonkologie, sondern auch die molekulare Diagnostik anderer Tumorarten nachhaltig geprägt und eröffnen neue Möglichkeiten für individualisierte Therapien.
Den Deutschen Krebspreis 2026 in der Kategorie „Versorgungsforschung“ erhält Professor Jochen Schmitt, TU Dresden. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Versorgung von Patient*innen systematisch verbessert werden kann, insbesondere auch in der Onkologie. Unter seiner Leitung wurde die WiZen-Studie durchgeführt, die auf Basis von GKV-Abrechnungs- und Krebsregisterdaten zeigen konnte, dass Patient*innen in zertifizierten Zentren einen Überlebensvorteil haben. Die Ergebnisse dieser Studie liefern wichtige Erkenntnisse zur Qualität von Krebsbehandlungen in zertifizierten Zentren gegenüber anderen Kliniken und geben Patient*innen somit eine Orientierung bei der Klinikwahl. Mit seinen Forschungsarbeiten zeigt Schmitt, wie Versorgungsforschung unmittelbar die Praxis verbessern kann: von der Entwicklung neuer Versorgungsmodelle über die methodische Grundlagenarbeit bis hin zur Erprobung neuer evidenzbasierter Versorgungsformen für Patient*innen. Damit hat er die Versorgungsforschung in Deutschland entscheidend geprägt.
Der Deutsche Krebspreis wird seit 1986 jährlich für hervorragende Arbeiten im deutschsprachigen Raum verliehen:
Jede Kategorie ist mit 7.500 Euro dotiert. Stifter des Deutschen Krebspreises sind die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebsstiftung.
Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. Die rund 8.500 Einzelmitglieder in 25 Arbeitsgemeinschaften, die 16 Landeskrebsgesellschaften und 32 Fördermitglieder sind in der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen tätig. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten Qualitätsstandards, ist Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans und Partnerin der „Nationalen Dekade gegen Krebs“.
Die Deutsche Krebsstiftung ist eine Stiftung der Deutschen Krebsgesellschaft und setzt sich für die Krebsprävention und die Belange derer ein, die mit Krebs leben. Die Mitglieder im Vorstand und Kuratorium der Deutschen Krebsstiftung sind Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Forschung und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Wir bieten Aktionen und Infos für alle, die vor der Aufgabe stehen, die Krankheit Krebs in ihren Alltag zu integrieren. Darüber hinaus fördern wir Aufklärungsmaßnahmen, zum Beispiel zur wirkungsvollen Krebsprävention.
Clara Teich
Pressereferentin
Angelina Gromes
Pressereferentin
Dr. Katrin Mugele
Pressekontakt
Deutsche Krebsstiftung