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Vorteil durch frühzeitigen Einsatz von Nintedanib + Docetaxel nach Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Adenokarzinoms der Lunge – insbesondere für Patienten mit aggressivem Krankheitsverlauf

Mit dem 3-fach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitor Nintedanib* (Vargatef®) steht für Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) und Adenokarzinom-Histologie nach fast einem Jahrzehnt des Stillstands eine Zweitlinientherapie zur Verfügung, die eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens gezeigt hat. In der Zulassungsstudie LUME-Lung 1 verbesserte Nintedanib in Kombination mit Docetaxel das Gesamtüberleben signifikant auf über ein Jahr in der genannten Patientenpopulation im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie. [1] Auf einem Symposium beim Deutschen Krebskongress (DKK) 2016 bekräftigten Prof. Christian Grohé, Berlin, und Prof. Eckart Laack, Hamburg, den aktuellen Stellenwert von Nintedanib + Docetaxel in der NSCLC-Zweitlinientherapie beim fortgeschrittenen Adenokarzinom der Lunge und hoben zugleich das Potential der Substanz bei aggressiven Krankheitsverläufen hervor.

Im Mittelpunkt des Symposiums unter Leitung von Prof. Martin Reck, Großhansdorf, stand die Frage, welche Kriterien für die Therapieentscheidung beim Lungenkarzinom relevant sind, um den bestmöglichen Therapieerfolg zu erreichen. Ziel ist es herauszufinden, welche Patienten von bestimmten Therapien am meisten profitieren.

Jeder vierte Nintedanib-Patient nach zwei Jahren noch am Leben

In der Zulassungsstudie LUME-Lung 1 (n=1.314) konnte durch die Kombination von Nintedanib mit Docetaxel das Gesamtüberleben (sekundärer Hauptendpunkt, OS) in der präspezifizierten Studienpopulation mit fortgeschrittenem NSCLC und Adenokarzinom-Histologie signifikant von 10,3 auf 12,6 Monate (medianes OS) verlängert werden (HR=0,83; p=0,0359). Nach zwei Jahren war jeder vierte Nintedanib-Patient noch am Leben (25,7% vs. 19,1%). Auch der primäre Studienendpunkt, die Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS), wurde signifikant erreicht. [1]

OS-Vorteil auch bei aggressivem Krankheitsverlauf

Der Überlebensvorteil war konsistent in allen prädefinierten Studienpopulationen der Adenokarzinom-Patienten zu beobachten - sogar bei Adenokarzinom-Patienten mit einem raschen Progress unter einer Erstlinientherapie. So lebten Patienten, deren Erkrankung innerhalb von neun Monaten nach Beginn der Erstlinientherapie fortschritt, mit Nintedanib + Docetaxel signifikant länger als Patienten der Vergleichsgruppe mit Placebo + Docetaxel (10,9 vs. 7,9 Monate; HR=0,75; p=0,0073). Die 2-Jahres-Überlebensrate war bei diesem Patientenkollektiv im Studienarm mit der Kombination Nintedanib + Docetaxel doppelt so hoch wie unter einer Docetaxel-Monotherapie (17,0% vs. 8,5%). Je aggressiver der Krankheitsverlauf war, desto größer war der beobachtete Überlebensvorteil. Dies war besonders deutlich bei Patienten ohne Ansprechen auf die Erstlinientherapie (Abbildung 1). [1,2] Ein aggressiver Krankheitsverlauf kann somit ein wichtiges Leitkriterium bei der Therapiewahl darstellen.

Eine aktuelle Auswertung der LUME-Lung 1-Studie zeigte eine durch die Kombinationstherapie signifikant reduzierte Tumorwachstumsrate im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie. Zudem blieb die Tumorlast der Patienten durch die Nintedanib-Kombinationstherapie im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie für bis zu 4 Monate stabil. [3] Die Ergebnisse belegen das Potential der Nintedanib-Kombinationstherapie, eine frühzeitige Tumorkontrolle durch Stabilisierung der Tumorlast erreichen zu können.

Abbildung 1

Abb. 1: Gesamtüberleben bei NSCLC-Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge und Zweitlinientherapie mit Nintedanib + Docetaxel vs. Placebo + Docetaxel – aggressive Krankheitsverläufe; mod. nach [1, 2].

Erfahrungen zum Therapiemanagement aus der klinischen Praxis

Trotz Kombination einer weiteren Substanz mit Docetaxel blieb die Lebensqualität im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie erhalten. [4] Gerade bei Patienten in der fortgeschrittenen Therapielinie ist das ein wichtiges Ergebnis, weil die Lebensqualität schon durch die Vortherapie oder die fortgeschrittene Erkrankung selbst eingeschränkt sein kann. Unter der Kombination von Nintedanib + Docetaxel war die Inzidenz der typischen hämatologischen Docetaxel-Nebenwirkungen vergleichbar zur Docetaxel-Monotherapie. Die Häufigkeit klassenspezifischer Nebenwirkungen antiangiogener Substanzen wie Blutungen oder Thrombosen war unter Nintedanib + Docetaxel ebenfalls vergleichbar zur Docetaxel-Monotherapie. [1] Auch die Rate der Therapieabbrüche in beiden Therapiearmen war vergleichbar (20,9% vs. 17,7%), und 78% der Patienten erhielten Nintedanib in der Standarddosierung von 2x200mg ohne Dosisreduktion. Die Erfahrungen nach einem Jahr Einsatz von Nintedanib + Docetaxel in der klinischen Praxis zeigen, dass Nebenwirkungen durch adäquates und proaktives Therapiemanagement handhabbar sind. Leberenzym-Erhöhungen treten in der Regel transient und reversibel auf. Gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhoe sind insgesamt gut handhabbar, da mittlerweile genügend Erfahrungen hinsichtlich des proaktiven Therapiemanagements vorliegen.

Fazit zum Stellenwert der Kombinationstherapie Nintedanib + Docetaxel

Von der Kombinationstherapie Nintedanib + Docetaxel können Chemotherapie-fähige Patienten in der Zweitlinie profitieren, das schließt auch Patienten ein, die durch aggressives Tumorwachstum ganz erheblich früh belastet sind. Die Experten sahen - im Kontext aktueller Entwicklungen in der NSCLC-Therapie - den Stellenwert der Kombination Nintedanib + Docetaxel in der Zweitlinientherapie des NSCLC bestätigt. Dies spiegelt sich auch in den aktuellen Empfehlungen der DGHO wider. [5] 
Die im Rahmen des Symposiums diskutierten Daten erweitern die möglichen Entscheidungskriterien für eine Zweitlinientherapie mit Nintedanib + Docetaxel - dazu zählen das Nicht-Ansprechen auf eine Erstlinientherapie, ein Progress innerhalb von 9 Monaten nach Beginn der Erstlinientherapie sowie die Möglichkeit einer frühzeitigen Tumorkontrolle.

 


*Nintedanib ist in der Europäischen Union unter dem Markennamen Vargatef® in Kombination mit Docetaxel zugelassen zur Therapie von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem, metastasiertem oder lokal rezidiviertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit Adenokarzinom-Histologie nach Erstlinien-Chemotherapie.


(cu) 


Quellen:
[1] Reck M et al. Docetaxel plus nintedanib versus docetaxel plus placebo in patients with previously treated non-small-cell lung cancer (LUME-Lung 1): a phase 3, double-blind, randomised controlled trial. Lancet Oncol 2014;15:143–155.
[2] Mellemgaard A et al. Analysis of overall survival in adenocarcinoma NSCLC patients receiving 2nd line combination treatment with nintedanib (BIBF-1120) + docetaxel in the LUME-Lung 1 trial: a randomised, double-blind, placebo-controlled phase 3 study. European Cancer Congress 2013; abstr. 3409.
[3] Reck M, et al. Tumour Growth over Time in Patients with Advanced Non-small Cell Lung Cancer Treated with Nintedanib plus Docetaxel or Placebo plus Docetaxel: Analysis of Data from the LUME-Lung 1 Study. Presented at European Cancer Congress, 25-29 September 2015, Vienna, Austria.
[4] Novello S et al. Analysis of patient-reported outcomes from the LUME-Lung 1 trial: a randomised, double-blind, placebo-controlled, Phase III study of second-line nintedanib in patients with advanced non-small cell lung cancer. Eur J Cancer 2015;51(3):317-326.
[5] Griesinger F et al. Onkopedia-Leitlinie Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Stand: Februar 2016. Unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@view/html/index.html [Zugriff: Februar 2016]

 

 
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Letzte inhaltliche Aktualisierung: 15.04.2016

Aktualisiert am: 27.06.2017 17:13