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Zweitlinientherapie mit Ramucirumab: Bekannt beim fortgeschrittenen Magenkarzinom* und neu beim metastasierten kolorektalen Karzinom+

Die Wirksamkeit von Ramucirumab (CYRAMZA®) in Kombinationstherapie konnte sowohl beim fortgeschrittenen Magenkarzinom als auch beim metastasierten Kolonkarzinom nachgewiesen werden. In beiden Indikationen wurde mit der Kombination von Ramucirumab mit der jeweiligen Basistherapie gegenüber der Basistherapie alleine eine signifikante Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens erreicht. Beim fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs mit Tumorprogress nach vorausgegangener Platin- oder Fluoropyrimidin-haltiger Chemotherapie ist die Zweitlinientherapie mit dem monoklonalen Antikörper in Kombination mit Chemotherapie bekannt. Seit Anfang dieses Jahres steht der Wirkstoff in Kombination mit FOLFIRI auch für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom zur Verfügung, bei denen es nach oder während einer Therapie mit Bevacizumab, Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin zum Tumorprogress gekommen ist. Darüber hinaus ist Ramucirumab in Kombination mit Docetaxel zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit Tumorprogress nach platinhaltiger Chemotherapie zugelassen. Prof. Thomas Seufferlein, Ulm, und Prof. Anke Reinacher-Schick, Bochum, erläutern in Video-Statements den Stellenwert von Ramucirumab beim Magen- und beim Kolonkarzinom in der klinischen Praxis.

Magenkarzinom: Ramucirumab erweitert limitierte Optionen in der Zweitlinie

Da Karzinome des Magens und des gastroösophagealen Übergangs (GEJ) häufig erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium diagnostiziert werden, haben betroffene Patienten meist eine schlechte Prognose. Die absoluten 5-Jahresüberlebensraten liegen bei etwa 27% [1]. Wenn die Therapieoptionen in der Erstlinie ausgereizt waren, beschränkte sich die Folgebehandlung – abhängig vom Allgemeinzustand – bis in jüngerer Vergangenheit auf Chemotherapie oder Best Supportive Care (BSC).

Durch die Zulassung von Ramucirumab konnte in dieser Situation ein wichtiger Fortschritt erreicht werden. Seit mehr als anderthalb Jahren wird der antiangiogenetische Wirkstoff bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des GEJ mit Tumorprogress nach vorausgegangener Platin- und Fluoropyrimidin-haltiger Chemotherapie in der klinischen Praxis eingesetzt. Ramucirumab kann sowohl in Kombination mit Paclitaxel als auch als Monotherapie gegeben werden (bei Patienten, die für eine Therapie mit Paclitaxel nicht geeignet sind).

Grundlage für die Zulassung waren die Ergebnissen der großen randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studien REGARD und RAINBOW, die beide für Ramucirumab in Kombination mit der jeweiligen Basistherapie beim primären Endpunkt Gesamtüberleben einen signifikanten Vorteil gegenüber der jeweiligen Basistherapie nachweisen konnten [2,3].

RAINBOW: Ramucirumab in Kombination mit Paclitaxel

Die RAINBOW-Studie (n=665), an der auch deutsche Zentren beteiligt waren, prüfte Ramucirumab in Kombination mit Paclitaxel vs. Placebo plus Paclitaxel. Eingeschlossen waren Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Magens oder GEJ-Tumor, die unter oder nach einer Erstlinientherapie mit einer platinhaltigen Chemotherapie plus Fluoropyrimidin mit oder ohne Anthrazyklin einen Progress erlitten hatten [3].

Mit der Ramucirumab-haltigen Kombination wurde im Vergleich zum Kontrollarm nicht nur eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens erreicht (9,6 vs. 7,4 Monate; HR 0,807; p=0,017), sondern auch des progressionsfreien Überlebens (4,4 vs. 2,9 Monate; HR 0,635; p<0,0001). Zudem war die Gesamtansprechrate (komplette plus partielle Remissionen) unter der Kombination Ramucirumab plus Paclitaxel höher als unter Paclitaxel allein (28% vs. 17%; p=0,0001). Die Krankheitskontrollrate (komplette und partielle Remission und Krankheitsstabilisierung) lag bei 80% vs. 64% (p<0,0001).

Zu den unerwünschten Ereignissen ≥ CTC-Grad 3, die im Ramucirumab-Arm häufiger auftraten als im Kontrollarm, gehörten Neutropenie (41% vs. 19%), Leukopenie (18% vs. 7%), Hypertonie (14% vs. 2%) und Fatigue (12% vs. 5%). [3]

 

Prof. Thomas Seufferlein: wichtigste Studiendaten zu Ramucirumab + Paclitaxel beim Magenkarzinom*

* Anders als im Video ausgeführt, sind in der RAINBOW-Studie im Vergleichsarm (Placebo+Paclitaxel) für das Gesamtüberleben (OS) 7,4 Monate erreicht worden.

Erhaltene Lebensqualität

Zudem wurden mittels der Fragebögen EORTC QLQ-C30 und EQ-5D auch patientenbezogene Daten zur Lebensqualität (QoL) erhoben. Bei guter Compliance (Rücklaufquote nach 36 Wochen: 70%) zeigte die Auswertung, dass die QoL im Kombinationsarm bei 14 von 15 Symptomen länger erhalten blieb als unter der alleinigen Chemotherapie. Die Scores für Gesamtgesundheit, physische und Rollenfunktion, Schmerzen, Fatigue und Appetitverlust blieben bei einem höheren Anteil an Patienten im Ramucirumab-Arm stabil oder verbessert im Vergleich mit Paclitaxel alleine. [4]

 

Prof. Thomas Seufferlein zum Einsatz von Ramucirumab in Kombination mit Paclitaxel in der klinischen Praxis

Kolonkarzinom: Antiangiogenetische Therapie mit anderem Wirksansatz

Seit Januar 2016 erweitert Ramucirumab in Kombination mit FOLFIRI (Irinotecan, Folinsäure und 5-Fluorouracil) das Therapiespektrum für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) und einem Tumorprogress während oder nach vorausgegangener Therapie mit Bevacizumab,Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin .

In der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie RAISE (n = 1.072) wurde eine Zweitlinientherapie mit Ramucirumab plus FOLFIRI mit Placebo plus FOLFIRI bei mCRC-Patienten in gutem Allgemeinzustand mit einer Progression während oder innerhalb von sechs Monaten nach Erstlinientherapie verglichen (Um in die Studie aufgenommen zu werden, mussten die Patienten als Bestandteil ihrer Chemotherapie-haltigen Erstlinientherapie mindestens zwei Dosen Bevacizumab erhalten haben. Zusätzlich mussten die Patienten in der Erstlinientherapie mindestens einen Zyklus mit Bevacizumab, Oxaliplatin und einem Flouropyrimidin im gleichen Zyklus erhalten haben.). Beim primären Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich mit 13,3 vs. 11,7 Monaten eine signifikante Überlegenheit von Ramucirumab und FOLFIRI im Vergleich zu FOLFIRI allein (HR=0,84; p=0,0219). [5]

Häufigste unerwünschte Ereignisse von Grad ≥ 3 waren Neutropenie (38% vs. 24%), Hypertonie (12% vs. 3%), Diarrhoe (11% vs. 9%) und Fatigue (12% vs. 8%). [5]

Wirkmechanismus

Ramucirumab ist ein humaner, monoklonaler Immunglobulin-Antikörper. Im Gegensatz zu anderen antiangiogenetischen Wirkstoffen, die an den Vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) binden und dadurch dessen Andocken an den Rezeptor verhindern, bindet Ramucirumab an den VEGF-Rezeptor 2 selbst. Der Antikörper Ramucirumab richtet sich spezifisch gegen die extrazelluläre Domäne des VEGFR-2, der eine zentrale Rolle bei der Tumorangiogenese spielt. [6,7] Über die Inhibition des VEGFR-2 hemmt Ramucirumab die Neubildung von Blutgefäßen und damit die Blutversorgung des Tumors.

 

Prof. Anke Reinacher-Schick zu Ramucirumab beim metastasierten CRC

 

Fazit

Ramucirumab ist eine bekannte Therapieoption in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms. Darüber hinaus erweitert der monoklonale Antikörper das Therapiespektrum in der Zweitlinientherapie des mCRC. In beiden Indikationen konnte gezeigt werden, dass Ramucirumab das Gesamtüberleben der betroffenen Patienten verlängerte. Die Wirksamkeit von Ramucirumab beruht vermutlich auf der spezifischen Blockade des VEGF-Rezeptors 2. Nach Experteneinschätzung und klinischer Erfahrung sind die Nebenwirkungen von Ramucirumab in der klinischen Praxis in der Regel gut zu behandeln.

 

(as)

*fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs mit Tumorprogress nach vorausgegangener Platin- und Fluoropyrimidin-haltiger Chemotherapie
+metastasierten Kolorektalkarzinom mit Tumorprogress während oder nach vorausgegangener Therapie mit Bevacizumab, Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin

Quellen

[1] Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe. Robert Koch-Institut 2015, S. 34-35
[2] Fuchs CS et al. Ramucirumab monotherapy for previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (REGARD): an international, randomised, multicentre, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet. 2014 Jan 4;383(9911):31-9
[3] Wilke H et al. Ramucirumab plus paclitaxel versus placebo plus paclitaxel in patients with previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (RAINBOW): a double-blind, randomised phase 3 trial. Lancet Oncol. 2014 Oct;15(11):1224-35
[4] Al-Batran SE et al. Quality-of-life and performance status results from the phase III RAINBOW study of ramucirumab plus paclitaxel versus placebo plus paclitaxel in patients with previously treated gastric or gastroesophageal junction adenocarcinoma. Ann Oncol. 2016 Apr;27(4):673-9
[5] Tabernero J et al. Ramucirumab versus placebo in combination with second-line FOLFIRI in patients with metastatic colorectal carcinoma that progressed during or after first-line therapy with bevacizumab, oxaliplatin, and a fluoropyrimidine (RAISE): a randomised, double-blind, multicentre, phase 3 study. Lancet Oncol. 2015 May;16(5):499-508
[6] Olsson AK et al. VEGF receptor signalling - in control of vascular function. Nat Rev Mol Cell Biol. 2006;7(5):359-71
[7] Spratlin J. Ramucirumab (IMC-1121B): Monoclonal antibody inhibition of vascular endothelial growth factor receptor-2. Curr Oncol Rep. 2011;13(2):97-102.

 

 
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Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 26.08.2016

Aktualisiert am: 18.10.2017 10:31