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Ärztliche Zweitmeinung – mehr Sicherheit für schwierige Entscheidungen

Arzt mit Fragezeichen
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„Sie haben Krebs!“ – Wenn die schlimmsten Befürchtungen wahr werden, folgen auf den ersten Schock oft Ratlosigkeit, Zweifel und Verunsicherung: Ist es tatsächlich Krebs? Wie lange kann ich mit der Operation warten? Muss es wirklich eine Chemotherapie sein? Wie kann ich meinen Körper jetzt unterstützen? Im besten Fall erhält ein Patient eine Therapieempfehlung, die der behandelnde Arzt in einer interdisziplinären und interprofessionellen Tumorkonferenz (Tumorboard) beraten hat. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer qualifizierten Erstmeinung.

Die qualifizierte Erstmeinung

Die qualifizierte Erstmeinung kommt zustande unter der Beteiligung aller am Behandlungsprozess beteiligten Fachrichtungen. Ihre gemeinsame Empfehlung berücksichtigt sowohl die Ausbreitung und Aggressivität des Tumors als auch bestehende Vorerkrankungen des Patienten und den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand, wie er in medizinischen Leitlinien zusammengefasst ist. Das soziale Umfeld eines Patienten, seine Vorlieben oder Abneigungen fließen ebenfalls in diese Empfehlung ein. [1] Denn die häusliche Unterstützung durch Angehörige oder eine geeignete Wohnsituation können für den Therapieerfolg wichtig sein. Vor Behandlungsbeginn besprechen Arzt und Patient ausführlich die einzelnen Behandlungsschritte, sodass der Patient eine informierte Entscheidung darüber treffen kann, ob er der vorgeschlagenen Therapie zustimmt oder ob doch eher ein anderer Weg gesucht werden sollte. Generell ist es für Patienten ratsam, zum Gespräch mit dem Arzt eine Vertrauensperson mitzunehmen. Denn einem Betroffenen fällt es in der belastenden Situation verständlicherweise oft schwer, genau hinzuhören und Rückfragen zu stellen.

Zweitmeinung ‒ an wen kann man sich wenden?

Lupe, Quelle: © Taigi - fotolia.com
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Wenn der Patient trotz der zuvor beschriebenen Entscheidungsfindung verunsichert ist, ob die vorgeschlagene Therapie die richtige ist, sollte er seine Zweifel offen mit dem behandelnden Arzt besprechen. Bleiben die Zweifel bestehen, haben Patienten die Möglichkeit, eine fundierte ärztliche Zweitmeinung durch einen unabhängigen Experten („Second Opinion“) einzuholen. [2]

Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Facharzt bieten zum Beispiel die Krankenkassen oder auch die Krebsberatungsstellen. Manche Kassen übernehmen z.B. die Arztsuche, die Zusammenstellung der benötigten Unterlagen und die Terminvereinbarung. Eine qualifizierte ärztliche Zweitmeinung sollte nach den gleichen Kriterien zustande kommen, wie eine qualifizierte Erstmeinung – also im interdisziplinären Rahmen einer Tumorkonferenz. Eine Diagnose durch eine interdisziplinäre und interprofessionell besetzte Tumorkonferenz ist Standard in DKG-zertifizierten Onkologischen Zentren und Organkrebszentren.

Wie läuft die Zweitbefundung ab?

Die Institution bzw. das Tumorboard, das die Zweitmeinung erstellen soll, benötigt zunächst alle Unterlagen, die zur Erstdiagnose geführt haben. Dazu zählen u.a. Laborbefunde, Röntgenbilder sowie eine Zusammenfassung der Diagnose und der geplanten Maßnahmen (Arztbrief). In die sogenannte Patientenakte muss der behandelnde Arzt seinem Patienten Einsicht gewähren. Statt der Originalbefunde darf er allerdings Kopien herausgeben, wofür er eine geringe Gebühr erheben kann. [3] Außerdem sollte dem Zweitmeinungs-Tumorboard die individuelle Situation des Patienten bekannt sein.

Nach eingehender Prüfung der Unterlagen wird das Expertenteam seine Einschätzung der Situation mit dem Patienten besprechen und ihm eine schriftliche Zusammenfassung für den Erstbehandler mitgeben. Weitere Schritte legt dieser dann gemeinsam mit dem Patienten fest. Wenn Erst- und Zweitmeinung voneinander abweichen, ist es von zentraler Bedeutung, dass der Patient nicht weiter verunsichert wird. Bei starken Abweichungen zwischen Erst- und Zweitmeinung sollten die Ärzte miteinander in Kontakt treten und vorab versuchen, eine gemeinsame Empfehlung zu formulieren.

Wer trägt die Kosten?

Stetoskop und Geld, Quelle: © Wolfgang-S - fotolia.com
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Rein rechtlich dürfen Patienten eine Zweitmeinung bei einem weiteren Facharzt einholen. [2] Die Kassen übernehmen hierfür in der Regel die Kosten. Möchte ein Patient allerdings ein interdisziplinäres Ärzteteam zu Rate ziehen, kann es unter Umständen teuer werden. Für privat Versicherte lohnt sich der Blick in den abgeschlossenen Versicherungsvertrag. In jedem Fall ist es ratsam, sich mit der Krankenkasse in Verbindung zu setzen, bevor man aktiv wird.

Bei kostenpflichtigen Angeboten im Internet, die mit einer unkomplizierten Abwicklung per E-Mail, kompetenten Experten und günstigen Preisen werben, ist jedoch Vorsicht geboten – nicht zuletzt, weil hier in der Regel kein persönliches Gespräch stattfindet.

(sm/red)


Quellen:

[1] Qualitätsgesicherte Entscheidung zu Diagnostik und Therapie: Ein Positionspapier der Deutschen Krebsgesellschaft zur Diskussion um die ärztliche Zweitmeinung.
http://www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft/gesundheitspolitik/politische-stellungnahmen.html

[2] Recht auf Zweitmeinung. http://www.tk.de/tk/behandlungen/zweitmeinung/recht-auf-zweitmeinung/213558

[3] Patientenrechte in Deutschland. Leitfaden für Patientinnen/Patienten und Ärztinnen/Ärzte. http://www.bmg.bund.de/uploads/publications/BMG-G-G407-Patientenrechte-Deutschland.pdf

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 27.07.2015

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Aktualisiert am: 22.11.2017 17:14