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Diagnose und Therapie von neuroendokrinen Tumoren

Diagnose

Der Verdacht auf einen neuroendokrinen Tumor entsteht durch eine vermehrte Bildung von Hormonen und den damit verbundenen Symptomen. Manche Abbauprodukte der jeweils gebildeten Hormone lassen sich im Blut oder Urin als Nachweis der überschüssigen Hormonbildung finden. Außerdem kann bei ca. 80-90% aller Patienten mit einem neuroendokrinen Tumor der Tumormarker Chromogranin A (CgA) vermehrt im Blut nachgewiesen werden. Die Konzentration des Markers im Blut korreliert scheinbar mit der Tumormasse und kann daher wichtig für die weitere Prognose sein. Allerdings gibt es auch einige andere Ursachen für einen erhöhten CgA Wert, zum Beispiel Leberfunktionsstörungen und chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Dies muss bei der Diagnose unbedingt berücksichtigt werden.

Bildgebende Verfahren

Um mehr über die Lage, Größe und Ausbreitung eines neuroendokrinen Tumors zu erfahren, nutzen Ärzte verschiedene bildgebende Verfahren. Meistens wird ein Ultraschall des Bauchraumes gemacht. Handelt es sich bei dem Tumor um einen neuroendokrinen Tumor der Bauchspeicheldrüse, so ist für eine genauere Diagnostik ein endoskopischer Ultraschall sinnvoll. Dabei wird ein Schlauch, der mit einem Ultraschallkopf versehen ist, durch Mund und Speiseröhre in den Magen eingeführt. So kann der Ultraschall durch die Magenwand erfolgen. Er erzeugt ein wesentlich genaueres Bild der Bauchspeicheldrüse.

Weitere Bildgebende Verfahren, die bei der Diagnose genutzt werden, sind die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Computertomographie (CT). Oft weisen neuroendokrine Tumoren und deren Metastasen eine erhöhte Anzahl von Somatostatinrezeptoren auf der Zelloberfläche auf. Diese Eigenschaft wird genutzt um zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um einen neuroendokrinen Tumor handelt. Denn bei einer sogenannten PET CT können dem Patienten Somatostatin-ähnliche Stoffe verbreicht werden, die mit einem leicht radioaktiven-Stoff markiert sind. Diese Stoffe wandern durch das Blut zum Tumor und können an die Somatostazinrezeptoren im Tumorgewebe binden. Da das Tumorgewebe über mehr Somatostatinrezeptoren verfügt als das umliegende Gewebe, bindet an Tumorzellen eine größere Menge des markierten Stoffes. Dies ist in der CT sehr deutlich erkennbar und gibt Aufschluss über die Art, die Lage und die Ausbreitung des Tumors. Außerdem bindet der radioaktiv-markierte Stoff auch an eventuelle Metastasen, die auch in der CT zu sehen sind.

Therapie

Für die Therapie von neuroendokrinen Tumoren gibt es verschiedene Möglichkeiten. Da diese Tumoren sehr langsam wachsen und erst spät Metastasen bilden ist die erste Wahl der Therapie die Operation. Weiterhin können diese Tumoren mit einer Reihe von zielgerichteten Therapien oder der Chemotherapie behandelt werden. Bei der Wahl der Therapie muss berücksichtigt werden wieweit die Erkrankung fortgeschritten ist und in welchem Organ (Dünndarm, Dickdarm, Bauchspeicheldrüse) der ursprüngliche Tumor gewachsen ist.

Operation

Zum Zeitpunkt der Diagnose sind viele neuroendokrine Tumore noch relativ klein und haben auch aufgrund ihres langsamen Wachstums auch noch keine Metastasen gebildet. Daher ist eine Operation in den meisten Fällen die erste Wahl der Therapie. Nach einer erfolgreichen Operation ist in der Regel keine weitere zielgerichtete oder Chemotherapie notwendig. Auch bei einer fortgeschrittenen Erkrankung profitieren Patienten meistens von einer Operation, denn die Verkleinerung des Tumors und das Entfernen der Metastasen hilft bei der Symptomkontrolle. Die Entfernung des Gewebes reduziert die übermäßige Ausschüttung von Hormonen die durch den Tumor produziert werden.

Zielgerichtete Therapien

Es gibt mittlerweile zwei Ansätze für zielgerichtete Therapien bei neuroendokrinen Tumoren: Tyrosinkinase-Inhibitoren, die auch bei anderen Krebsarten eingesetzt werden um das Tumorwachstum zu hemmen und Somatostatin-ähnliche Stoffe. Somatostastin selbst ist ein Eiweiß, das von Drüsen im Magen-Darmtrakt abgesondert wird. Es hemmt die Hormonproduktion und verlangsamt das Zellwachstum. Die Somatostatin-ähnlichen Stoffe, auch Somatostatinanaloga genannt, ahmen die Wirkung von Somatostatin einfach nach und sind daher eine gute Therapieoption.

 

Bei neuroendokrinen Tumoren des Darms
Zurzeit sind mit Lanreotid und Ocreotid-Lar zwei Wirkstoffe für die Behandlung von neuroendokrinen Tumoren im Darm zugelassen. In manchen Fällen werden die Wirkstoffe auch mit Interferon-alpha kombiniert. Auch Interferon-alpha hemmt die Ausschüttung von Hormonen ebenso wie das Tumorwachstum. Eine alleinige Therapie mit Interferon-alpha wird heute wegen der starken Nebenwirkungen kaum noch verabreicht.
Eine weitere zielgerichtete Therapieoption sind Tyrosinkinase-Inhibitoren. Für neuroendokrine Tumoren des Darms ist der Wirkstoff Everolimus zugelassen. Er hemmt das Enzym mTOR, welches unter anderem das Zellwachstum reguliert.

Bei neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
Die Therapie mit Somatostatin-ähnlichen Stoffen ist auch bei neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse sehr effektiv. Sie wird unter anderem zur Symptomkontrolle bei funktionellen Tumoren eingesetzt und hilft gegen die hormonell ausgelösten Beschwerden wie Durchfall und Hautausschlag. Außerdem können sie auch zur Stabilisierung des Tumorwachstums eingesetzt werden. Zurzeit sind mit Lanreotid und Ocreotid-LAR zwei Somatostatinanaloga für die Behandlung von neuroendokrinen Tumoren des Pankreas zugelassen.
Für die Behandlung von neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse sind zwei weitere zielgerichtete Wirkstoffe aus dem Bereich der Tyrosinkinaseinhibitoren zugelassen. Einer der Wirkstoffe heißt Everolimus und hemmt das Zellwachstum, indem er die Tyrosinkinase mTOR blockiert. Damit unterbindet der Wirkstoff die Signalübertragung in der Zelle, die das Zellwachstum stimuliert. Sunitinib, ein weiterer Tyrosinkinaseinhibitor, funktioniert ähnlich und blockiert mehrere Tyrosinkinasen, die andernfalls die Zellteilung und damit auch das Tumorwachstum anregen.

Chemotherapie

Unter Chemotherapie versteht man die Behandlung mit Medikamenten die zytotoxische oder zytostatische Eigenschaften haben. Das bedeutet diese Wirkstoffe zerstören die Tumorzellen oder hindern den Tumor am Wachsen. Sie werden dem Patienten in der Regel intravenös (über eine Infusion) zugeführt oder in Tablettenform eingenommen.

Bei neuroendokrinen Tumoren des Darms
Die Chemotherapie führt bei neuroendokrinen Tumoren des Dünndarms leider auch in Kombination mit anderen Therapien nicht zu gewünschten Erfolgen. Deshalb werden solche Tumore besser mit zielgerichteten Wirkstoffen behandelt. Neuroendokrine Karzinome, also bösartige Tumore, behandelt man in der Regel mit einer Kombination aus Cisplatin und Etoposid.

Bei neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
Neuroendokrine Tumoren der Bauchspeicheldrüse sprechen gut auf eine Chemotherapie an. Sie werden mit Streptozotocin, Temozolomid, 5-FU, oder Capecitabin behandelt. Doch auch hier muss berücksichtigt werden wie schnell der Tumor wächst. Für langsam wachsende Tumore eignet sich eine Therapie mit Streptozotocin und 5-FU. Schnell wachsende Tumore sollten mit einer Kombination aus Etoposid und Cisplatin behandelt werden. In 30-50% der Fälle stabilisiert sich mit einer solchen Therapie das Tumorwachstum.

Prognose

Für die Prognose entscheidend ist, ob der Tumor schon Tochtergeschwülste gebildet hat oder nicht. Liegen noch keine Metastasen vor, kann der Patient in vielen Fällen durch eine Operation vollständig kuriert werden. Bestehen schon Tochtergeschwülste, kommen die oben erwähnten verschiedenen anderen Therapieverfahren in Betracht. Eine gezielte Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung um Jahre verzögern.

(vm)

 

Quellen:

[1] Heeg S., Brass V., Therapie gastroenteropankreatischer neuroendokriner Neoplasien, Onkologie heute 02/2015, S. 20- 22

[2] Noe S., Neu B., Gastroenteropankreatische neuroendokrine Neoplasien (GEP-NEN) – Leitliniengerechte medikamentöse Therapie, Der Gastroenterologe, DOI 10.1007/s11377-015-0013-0, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

Weitere Basisinformationen zu neuroendokrine Tumoren:

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Aktualisiert am: 20.09.2017 14:52