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Neue Therapiemöglichkeiten beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom

Patienten fragen – Experten antworten

Prof. Miller
Quelle: © dkg-web.gmbh

Da das Wachstum von Prostatakrebs hormonabhängig ist, erhalten Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom in der Regel eine antihormonelle Therapie. Die sogenannte chemische Kastration verliert mit der Zeit jedoch ihre Wirksamkeit. Für dieses Stadium der Erkrankung, das kastrationsresistente Prostatakarzinom, hat es in den letzten Jahren erhebliche medizinische Fortschritte gegeben. Prof. Miller, Prostatakrebs-Experte an der Charité Berlin, beantwortet häufige Patientenfragen zu den neuen Medikamenten.

Mein Prostatakrebs ist fortgeschritten und die Hormontherapie (eine medikamentöse Kastration) wirkt nicht mehr. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es nun und was kann ich erwarten?

Wenn die medikamentöse Kastration beim Prostatakarzinom nicht mehr wirkt, spricht man vom kastrationsresistenten Erkrankungsstadium. Bis vor wenigen Jahren gab es für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom fast nur noch die Möglichkeit einer Chemotherapie. Seitdem hat sich aber viel getan und heute stehen einige neue Medikamente zur Verfügung, die effektiv das Fortschreiten der Erkrankung verzögern, das Leben verlängern und gleichzeitig weniger Nebenwirkungen haben als eine Chemotherapie. Dazu zählen neue hormonelle Ansätze, eine Immuntherapie und ein radioaktives Präparat. Welche der verschiedenen Möglichkeiten für Sie optimal ist, können Sie zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt abwägen. Wie lange eine solche Therapie anschlägt, ist von Patient zu Patient verschieden.

Ich habe gehört, dass man auch nach Versagen der medikamentösen Kastration weitere Hormontherapien erhalten kann. Gibt es dafür eine bestimmte Reihenfolge? Ab wann sollte ich eine Chemotherapie erhalten?

Von den Arzneimittelbehörden wurden in den letzten Jahren neue Hormontherapien für die Behandlung von Prostatakarzinompatienten zugelassen, deren Krebs trotz einer medikamentösen Kastration weiter fortgeschritten ist. Je nach Präparat können sie vor oder nach einer Chemotherapie eingesetzt werden. Welche Reihenfolge dabei optimal ist, kann man heute noch nicht genau sagen, da noch keine aussagekräftigen Studien zu dieser Frage vorliegen.
Entsprechend dem aktuellen Zulassungsstatus wird derzeit als erste Behandlung beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom am häufigsten eine hormonelle Therapie mit Abirateron eingesetzt, gefolgt von einer Docetaxel-Chemotherapie und anschließend einer Enzalutamid-Hormontherapie oder einer Cabazitaxel-Chemotherapie. Eine Therapie mit dem radioaktiven Wirkstoff Radium-223-Dichlorid kann vor oder nach der Chemotherapie mit Docetaxel bei Patienten mit Knochenmetastasen eingesetzt werden, die Symptome (meist Schmerzen) haben und bei denen keine Leber- oder Lungenmetastasen bekannt sind.

In welchen Fällen macht beim kastrationsresistenten Prostatakrebs eine Chemotherapie Sinn?

Eine Chemotherapie geht mit stärkeren Nebenwirkungen einher als hormonelle Therapien. Daher wird sie in der Regel erst dann eingesetzt, wenn alle hormonellen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Bei der Entscheidung über die Art der Therapie muss auch bedacht werden, dass Patienten, bei denen viszerale Metastasen (z. B. in Leber oder Lunge) vorlagen, von der Studie ausgeschlossen waren, in der die Wirksamkeit von Abirateron vor einer Chemotherapie geprüft wurde. Daher liegen für diese Situation keine Daten zur Wirksamkeit vor. In der Chemotherapie-Studie mit Docetaxel dagegen hatten ca. 30 % der Patienten viszerale Metastasen.
Derzeit existieren keine Anhaltspunkte, mit deren Hilfe man vorhersagen könnte, welche Patienten am meisten von einer Chemotherapie profitieren. Bei ca. 30 % der Patienten können durch die Chemotherapie mit Docetaxel Schmerzen effektiv reduziert werden.

Sind Sie Enzalutamid-Patient?
Ein Merkblatt mit detaillierten Fragen und Antworten zu Enzalutamid steht für Sie zum Download zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt.

 

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Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 02.07.2014

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Aktualisiert am: 26.07.2017 13:34