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Multiples Myelom: Herausforderungen in der Behandlung besser meistern

Prof. Einsele - Quelle: privat
Prof. Einsele - Quelle: privat

Ein umfassenderes Verständnis für die Vorgänge im Körper und Therapien, die immer gezielter in den Krankheitsmechanismus eingreifen, haben die Behandlung von Krebserkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. [1,2] Im Interview erläutert Prof. Dr. med. Hermann Einsele, Direktor der Med. Klinik und Poliklinik II der Universitätsklinik Würzburg, die Bedeutung neuer Therapieansätze für die Behandlung des multiplen Myeloms.

Was ist ein multiples Myelom und wie verläuft die Erkrankung?

Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, bei der eine Gruppe der weißen Blutzellen im Knochenmark betroffen ist. Diese Zellen werden Plasmazellen genannt. Sie helfen bei der Abwehr von Infektionen, indem sie Antikörper herstellen. Entarten diese Zellen und vermehren sich schnell im Knochenmark, können sie die gesunden, blutbildenden Zellen verdrängen und zu Blutarmut, Gerinnungsstörungen und einer Schwächung des Immunsystems führen. Auch Veränderungen des Knochenstoffwechsels sind möglich, wodurch die Gefahr von Knochenbrüchen steigt. [2,3] Typisch für die Erkrankung ist es, dass es trotz Ansprechen auf eine Behandlung immer wieder zu Rückfällen kommt. [4]

Welche Patienten sind am häufigsten betroffen?

Die Erkrankung ist selten, zugleich aber mit jährlich mehr als 6.000 neuen Fällen die dritthäufigste Art von Blutkrebs in Deutschland. Betroffen sind vor allem ältere Menschen im siebten Lebensjahrzehnt, aber auch jüngere Patienten erkranken daran. Die Ursachen für die Entstehung des multiplen Myeloms sind weitgehend unbekannt, eine gewisse familiäre Häufung wurde beobachtet. [5]

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Das multiple Myelom ist bisher nicht heilbar. Die Symptome, beispielsweise starke Müdigkeit, Schmerzen im Rücken, den Rippen oder in den Armen und Beinen oder Infektanfälligkeit [2], sowie das Fortschreiten der Erkrankung können aber durch verschiedene Therapieverfahren beeinflusst werden. [1] Mögliche Therapieformen sind eine normale oder eine hochdosierte Chemotherapie, letztere mit anschließender Stammzelltransplantation. Auch verschiedene immunmodulierende oder auch den Zellstoffwechsel beeinflussende Medikamente, sogenannte Proteasominhibitoren, werden eingesetzt. Lokal wird zudem die Strahlentherapie angewandt, um die Tumorzellen zu zerstören. Begleitende Therapiemaßnahmen helfen, Beschwerden zum Beispiel aufgrund von Knochenschädigungen zu lindern. Außerdem werden laufend neue Substanzen erforscht. [3]

Welche Faktoren sollten bei der Therapieentscheidung mit einfließen?

Für die Therapieentscheidung ist es wichtig, dass die Patienten den Krankheitsverlauf verstehen: Auch wenn ein Patient auf die Therapie anspricht, sind Rückfälle leider normal. Das ist körperlich und seelisch belastend und kann zu mangelnder Therapietreue führen. [7] Darüber hinaus muss der Patient über den Nutzen, wie Lebensverlängerung oder Verbesserung der Lebensqualität, und die möglichen Nebenwirkungen der einzelnen Therapieoptionen informiert werden. [4,6]

Was ist für die Lebensqualität der Patienten besonders wichtig?

Medizinischer Fortschritt ist wichtig für unsere Krebspatienten: Neue Medikamente mit guter Verträglichkeit und besserer Wirkung verändern kontinuierlich die Therapiemöglichkeiten. [4,7] Ein neuer Therapieansatz ist beispielsweise eine selektive und irreversible Proteasom-Hemmung. [7] Aktuelle Behandlungsempfehlungen sehen vor, solche neuen Therapieoptionen bei der Therapiewahl zu berücksichtigen. Prinzipiell zielt die Therapie darauf ab, die Erkrankung bestmöglich zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patienten positiv zu beeinflussen. [2]

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Literatur
[1] Jakubowiak, A. (2012). "Management strategies for relapsed/refractory multiple myeloma: current clinical perspectives." Seminars in Hematology 49 (Suppl 1): S16-S32
[2] Leitlinie Multiples Myelom der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie - DGHO (2013) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@view/html/index.html (letzter Zugriff im Oktober 2015)
[3] Basisinformationen für Patienten der Deutschen Krebsgesellschaft http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom-morbus-kahler/multiples-myelom-basis-infos.html (letzter Zugriff im Oktober 2015)
[4] Durie BGM, et al. Leukemia 2006; 20: 1467-1473
[5] Krebs in Deutschland 2009/2010., 9. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg). Berlin, 2013
[6] Patientenhandbuch Multiples Myelom, Universitätsklinikum Heidelberg, 2014
[7] Kubiczkova L et al. J Cell Mol Med 2014; 18: 947-961

 


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Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 11.12.2015

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Aktualisiert am: 28.04.2017 12:09