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Morbus Hodgkin - Besonderheiten

Spätfolgen der Morbus Hodgkin-Behandlung

Frauenspezifische Spätfolgen
Strahlen- und Chemotherapie schädigen die Keimzellen der Frau (Eizellen) und beeinträchtigen den Hormonhaushalt und damit die Funktion der Geschlechtsorgane. Die Folge davon können Unfruchtbarkeit und ein vorzeitiges Einsetzen der Wechseljahre (Menopause) sein.

Je nach Intensität der Therapie, aber auch abhängig von Alter und allgemeiner körperlicher Verfassung, können diese Veränderungen vorübergehend oder dauerhaft sein.

In den meisten Fällen treten während und/oder nach einer Chemotherapie Beschwerden auf, die den Wechseljahressymptomen vergleichbar sind: Hitzewellen, Nachtschweiß, Herzjagen, Stimmungsschwankungen, unregelmäßige oder ganz aussetzende Blutungen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Gynäkologen über mögliche Gegenmaßnahmen. Zur Linderung akuter Beschwerden bzw. zur Vorbeugung späterer Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Störungen, Osteoporose) kann eine Behandlung mit Hormonen ratsam sein.

Um bei einer Strahlentherapie im Bereich des Beckens die Strahlendosis auf die Geschlechtsorgane möglichst gering zu halten, ist es möglich, die Eierstöcke vor der Behandlung operativ zu verlegen –entweder hinter die Gebärmutter oder seitlich nach außen, d.h. aus dem Bestrahlungsfeld hinaus. Junge Patientinnen entwickeln mit Hilfe dieser Maßnahme zu einem hohen Prozentsatz (über 90 Prozent) wieder einen geregelten Menstruationszyklus; bei Patientinnen über 30 Jahren ist der Prozentsatz wesentlich geringer. Eine weitere schützende Maßnahme besteht darin, die Eierstöcke mit Bleiplatten abzudecken.

Da beim Morbus Hodgkin die Gefahr eines Krankheitsrückfalls in den ersten zwei Jahren am höchsten ist, empfehlen die Ärzte, während dieses Zeitraums eine Schwangerschaft zu verhüten.

Bei Frauen, die sich im Rahmen einer Blutstammzell- (Knochenmark-)transplantation einer Ganzkörperbestrahlung unterziehen müssen, führen die hohen Strahlendosen in über 90 Prozent zu einer dauerhaften Schädigung der Eierstöcke und infolgedessen zu Unfruchtbarkeit.

Bei einer Bestrahlung im Brustbereich steigt das Risiko in den nächsten 30 Jahren an einem Brustkrebs zu erkranken deutlich über das in der Normalbevölkerung vorhandene Risiko an. Über besondere Vorsorgeerkennungsmaßnahmen sprechen Sie bitte mit ihrem behandelnden Onkologen/Gynäkologen.

Männerspezifische Spätfolgen
Chemo- und Strahlentherapie können in unterschiedlichem Maße die Samenproduktion und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Das Ausmaß der Schädigung und die Dauer der Erholung sind von der verabreichten Medikamenten- bzw. Strahlendosis abhängig. Diesem Umstand wird in den Behandlungsstudien der Gesellschaft für pädiatrische Hämatologie und Onkologie Rechnung getragen, in dem insbesondere angestrebt wird, auf die Gabe von Procarbazin zu verzichten.

Um die Strahlendosis auf die Geschlechtsorgane möglichst gering zu halten, werden die Hoden während der Bestrahlung durch eine Bleikapsel geschützt. Eine Strahlenbeschädigung ist dennoch nicht gänzlich zu vermeiden, da Strahlen auch innerhalb des Körpers gestreut werden (Streustrahlung).

Während der gesamten Behandlung und der folgenden zwei Jahre sollten Sie durch entsprechende Empfängnisverhütung eine Schwangerschaft bei Ihrer Partnerin verhindern, da das Fehlbildungsrisiko für das Ungeborene hoch ist.

Ist im Rahmen einer Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation eine Ganzkörperbestrahlung notwendig, so kommt es infolge der hohen Strahlendosis meist zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit.

Männer, die mit einer therapiebedingten Unfruchtbarkeit rechnen müssen, können bei Kinderwunsch vor Beginn der Behandlung Sperma einfrieren lassen (Sperma-Kryokonservierung). Sprechen Sie Ihren Arzt auf diese Möglichkeit an!

Da für die Anlage eines Spermadepots bestimmte Mindestqualitäten des Spermas erfüllt sein müssen, ist vor Beginn der Behandlung eine Spermauntersuchung (Spermiogramm) erforderlich. Bei Lymphompatienten ist die Samenbildung häufig schon vor Beginn der Therapie eingeschränkt. Bitte beachten Sie, dass die Kosten für die Kryokonservierung in der Regel nicht von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse getragen wird.

Über Ihr persönliches Risiko einer behandlungsbedingten Unfruchtbarkeit wird Ihr Arzt Sie informieren.

Sekundäre Leukämien und Tumoren
Da Chemo- und Strahlentherapie nicht nur auf die Tumorzellen, sondern auch auf normale Zellen erbgutschädigend wirken, kann es nach einer zunächst erfolgreichen Lymphombehandlung zu so genannten Zweittumoren kommen.

Die Chemotherapie steigert vor allem das Risiko für die Entwicklung einer akuten Leukämie oder eines Non-Hodgkin-Lymphoms. Diese Erkrankungen treten typischerweise in den ersten zehn Jahren nach der Morbus Hodgkin-Behandlung auf. Andere, so genannte solide Tumoren, wie z.B. Brustkrebs, Lungenkrebs (besonders bei Rauchern), Hautkrebs oder Magenkrebs, kommen vor allem nach Strahlentherapie vor. Das Risiko für diese Krebserkrankung nimmt mit dem zeitlichen Abstand zur Morbus Hodgkin-Behandlung kontinuierlich zu. Untersuchungen der American Late effect Study group zeigen, dass das Risiko für ein solches Sekundärmalignom bei Patienten 30 Jahre nach einer Bestrahlungsbehandlung bei ca. 25% und damit 18,5 fach über den der Normalbevölkerung liegt.

Trotz dieser zweifellos bedeutsamen Risiken sollten Sie jedoch nicht vergessen, dass der unmittelbare Nutzen der Lymphomtherapie ganz klar die möglichen späteren Folgeerscheinungen übertrifft.

(yia/red)

Quellen:
[1] V. Diehl, A. Jostings, S. Schmitz: Hodgkin-Lymphom, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008 
[2] Christine Mauz-Körholz et. al.: Procarbazine-Free OEPA-COPDAC Chemotherapy in Boys and Standard OPPA-COPP in Girls Have Comparable Effectiveness in Pediatric Hodgkin’s Lymphoma: The GPOH-HD-2002 Study, Journal of Clinical Oncology 28:3680-3686, August 2010 
[3] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Fachliche Beratung: 
Prof. Dr. Dieter Körholz, 
Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Halle (Saale)
Prof. Dr. med. Christine Mauz-Körholz, 
Studienzentrale der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.01.2014

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Aktualisiert am: 28.04.2017 12:09