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Therapie chronischer Leukämien

Zur Behandlung chronischer Leukämien (CML und CLL) werden ebenfalls Zytostatika ("Chemotherapien") eingesetzt. Im Gegensatz zur Therapie akuter Leukämien setzt die Therapie der chronischen Formen jedoch auf eine weniger aggressive, dafür häufig wiederholte Dauerbehandlung. Oft werden die Medikamente als Tabletten verabreicht. Die notwendigen Kontrollen können überwiegend vom Hausarzt durchgeführt werden. Die chemotherapeutische Behandlung wird durch den Einsatz weiterer Medikamente ergänzt oder – phasenweise – ersetzt. Eine vollständige Heilung mit Beseitigung sämtlicher Leukämiezellen ist durch diese Behandlung bisher nicht möglich, allerdings können die Symptome der Leukämieerkrankung gemildert werden.

Behandlungsmethoden der chronischen myeloischen Leukämie (CML)

Medikamente, Quelle: © seen - fotolia.com
Quelle: © seen - fotolia.com

Eine definitive Heilung der chronisch myeloischen Leukämie ist wahrscheinlich nur durch eine Stammzelltransplantation möglich. Da es sich hierbei allerdings um einen risikoreichen Eingriff handelt, kommt diese Behandlungsform nur bei einem Teil der Patienten in Frage.

Die Standardtherapie für die CML ist eine Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern. In der ersten Phase der Erkrankung stehen mit Imatinib, Nilotinib und Dasatinib drei Wirkstoffe zur Verfügung. Diese Wirkstoffe aus der Gruppe der zielgerichteten Therapien hemmen ein Enzym, eine so genannte Tyrosinkinase, die nur von Leukämiezellen gebildet wird. Imatinib, Nilotinib oder Dasatinib können die Erkrankung bei einem großen Teil der Patienten lange Jahre aufhalten. Da diese Medikamente gezielt gegen Blutkrebszellen wirkt, verursachen sie verhältnismäßig wenige Nebenwirkungen im Vergleich zur Chemotherapie. Trotzdem bedarf es aufgrund von spezifischen Nebenwirkungen und der Notwendigkeit einer engmaschigen Kontrolle des Ansprechens auf die Therapie regelmäßige Kontrollen von Blutbild und ggf. auch des Knochenmarks. Die Therapie mit Tyrosinkinasehemmern erfolgt in der Regel lebenslang. Weitere Untersuchungen müssen noch zeigen ob bei einem Teil der Patienten das Medikament nach einer mehrjährigen Einnahme wieder abgesetzt werden kann ohne das es zum Rückfall der Erkrankung kommt. Der Patient darf auf keinen Fall das Medikament absetzen ohne dies vorher mit seinem Arzt abzusprechen.

Als weitere Behandlungsverfahren stehen die Chemotherapie und die Interferontherapie zur Verfügung. Interferone sind Botenstoffe, mit denen sich die körpereigenen Abwehrzellen untereinander verständigen. Sie können das Wachstum bösartiger Zellen hemmen. Weder die Chemotherapie, noch die Interferontherapie erreichen ähnlich gute Ergebnisse wie die Therapien mit Tyrosinkinasehemmern.

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Behandlungsmethoden der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL)

Patienten, die an chronischen lymphatischer Leukämie (CLL) erkrankt sind, fühlen sich häufig über lange Zeiträume völlig wohl, Krankheitszeichen fehlen. Aufgrund des langsamen Fortschreitens dieser Krankheit ist es durchaus möglich, dass der Patient anfangs noch gar nicht behandelt wird ("Watch and Wait"-Strategie). 

Eine Behandlung wird erst dann notwendig, wenn sich die Blutwerte verschlechtern oder krankheitsbedingte Beschwerden auftreten. Der Allgemeinzustand, die Vorerkrankungen und die Nierenfunktion bestimmen die Auswahl der passenden Therapie. Jüngere Patienten und Patienten ohne Vorerkrankungen bekommen standardmäßig eine Chemoimmuntherapie bestehend aus dem CD20-Antikörper Rituximab, Fludarabin und Cyclophosphamid (FCR). Diese Therapie ist allerdings sehr belastend für die Nieren und darum nur für Patienten mit guter Nierenfunktion zulässig.
Für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kommt eine Kombination aus den Wirkstoffen Bendamustin und Rituximab in Frage. Weitere etwas weniger nebenwirkungsintensive Wirkstoffe, die bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen eingesetzt werden sind die Antikörper Obinutuzumab und Ofatumumab.
Bei manchen Patienten können im Verlauf der Erkrankung bestimmte genetische Veränderungen in den entarteten Blutzellen festgestellt werden. Solche Veränderungen beeinflussen den Wirkmechanismus der Standard-Chemoimmuntherapie FCR. Deshalb bekommen solche Patienten eine Therapie mit den Tyrosinkinaseinhibitoren Ibrutinib oder Idealisib auf die sie besser ansprechen.

Die Behandlung der CLL erfolgt über viele Jahre hinweg ambulant bei regelmäßiger Kontrolle durch den behandelnden Arzt. Oft lassen sich jahrelange beschwerdefreie Zeiten erreichen. Eine vollständige Heilung ist durch diese Behandlung allerdings nicht möglich.

Bei jungen bzw. fitten Patienten kann eine Hochdosischemotherapie mit anschließender Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation möglicherweise zu einer Heilung führen.

Menschen mit CLL sind häufig aufgrund ihrer schlechten Immunabwehr stark infektionsgefährdet und müssen deshalb oft Antibiotika einnehmen. Manchmal erhalten Sie zusätzlich eine Behandlung mit Abwehrstoffen, so genannten Immunglobulinen.


Fitness ist entscheidend für die Therapiewahl
Bei älteren Patienten mit einen biologischen Alter von über 60 Jahren ist es wichtig bei der Therapieentscheidung die Gesamtsituation des Patienten zur beurteilen. Wie ist der körperliche Allgemeinzustand des Patienten? Hat er oder sie bereits Vorerkrankung durch die eine intensive Chemotherapie noch belastender ist? Das gleiche gilt für Patienten, die einen Rückfall erleiden. Für die meisten Patienten bedeutet ein Rezidiv (zurückgekehrte Erkrankung) weitere anstrengende, kraftraubende Therapien.
Ältere Patienten ohne Vorerkrankungen können dem gleichen Therapieschema folgen, wie jüngere Patienten. Aber Patienten in hohem Alter mit mehreren Vorerkrankungen kann durch eine weniger intensive Erhaltungs- oder Palliativtherapie viel Lebensqualität gegeben und unnötige Therapie erspart bleiben. Deshalb sollte gemeinsam mit dem Arzt und unter Betrachtung aller Therapiemöglichkeiten die beste Therapie für den Erkrankten ausgesucht werden.

Das Ziel einer Therapie sollte immer die Verbesserung und Erhaltung der Lebensqualität sein, denn Lebensqualität ist kostbar und darf nicht einfach verloren gehen.

 

(vm/red)


Quellen:
[1] Michl Marlies: Basics Hämatologie, Urban und Fischer Verlag 2010
[2] Crysandt, M; Brümmendorf, T.H, Aktuelle Therapiekonzepte der CML, S2/2016 Onkologie heute
[3] Seiler, T., Wendtner, C.-M., CLL Update 2016, S2/2016 Onkologie heute

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 21.03.2017

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Aktualisiert am: 18.10.2017 10:31


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Therapie chronischer Leukämien Zur Behandlung chronischer Leukämien (CML und CLL) werden ebenfalls Zytostatika (\"Chemotherapien\") eingesetzt. Im Gegensatz zur Therapie akuter Leukämien setzt die Therapie der chronischen Formen jedoch auf eine weniger aggressive, dafür häufig wiederholte Dauerbehandlung. Oft werden die Medikamente als Tabletten verabreicht. Die notwendigen Kontrollen können überwiegend vom Hausarzt durchgeführt werden. Die chemotherapeutische Behandlung wird durch den Einsatz weiterer Medikamente ergänzt oder – phasenweise – ersetzt. Eine vollständige Heilung mit Beseitigung sämtlicher Leukämiezellen ist durch diese Behandlung bisher nicht möglich, allerdings können die Symptome der Leukämieerkrankung gemildert werden. Behandlungsmethoden der chronischen myeloischen Leukämie (CML) Quelle: © seen - fotolia.com Eine definitive Heilung der chronisch myeloischen Leukämie ist wahrscheinlich nur durch eine Stammzelltransplantation möglich. Da es sich hierbei allerdings um einen risikoreichen Eingriff handelt, kommt diese Behandlungsform nur bei einem Teil der Patienten in Frage. Die Standardtherapie für die CML ist eine Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern. In der ersten Phase der Erkrankung stehen mit Imatinib, Nilotinib und Dasatinib drei Wirkstoffe zur Verfügung. Diese Wirkstoffe aus der Gruppe der zielgerichteten Therapien hemmen ein Enzym, eine so genannte Tyrosinkinase, die nur von Leukämiezellen gebildet wird. Imatinib, Nilotinib oder Dasatinib können die Erkrankung bei einem großen Teil der Patienten lange Jahre aufhalten. Da diese Medikamente gezielt gegen Blutkrebszellen wirkt, verursachen sie verhältnismäßig wenige Nebenwirkungen im Vergleich zur Chemotherapie. Trotzdem bedarf es aufgrund von spezifischen Nebenwirkungen und der Notwendigkeit einer engmaschigen Kontrolle des Ansprechens auf die Therapie regelmäßige Kontrollen von Blutbild und ggf. auch des Knochenmarks. Die Therapie mit Tyrosinkinasehemmern erfolgt in der Regel lebenslang. Weitere Untersuchungen müssen noch zeigen ob bei einem Teil der Patienten das Medikament nach einer mehrjährigen Einnahme wieder abgesetzt werden kann ohne das es zum Rückfall der Erkrankung kommt. Der Patient darf auf keinen Fall das Medikament absetzen ohne dies vorher mit seinem Arzt abzusprechen. Als weitere Behandlungsverfahren stehen die Chemotherapie und die Interferontherapie zur Verfügung. Interferone sind Botenstoffe, mit denen sich die körpereigenen Abwehrzellen untereinander verständigen. Sie können das Wachstum bösartiger Zellen hemmen. Weder die Chemotherapie, noch die Interferontherapie erreichen ähnlich gute Ergebnisse wie die Therapien mit Tyrosinkinasehemmern. Bleiben Sie auf dem Laufenden! Möchten Sie mehr wissen über Früherkennung, Symptome, Diagnose und Therapie von Krebs? Mit unserem Newsletter zu Neuerungen bei den wichtigsten Krebsarten bleiben Sie immer auf dem Laufenden. 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Für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kommt eine Kombination aus den Wirkstoffen Bendamustin und Rituximab in Frage. Weitere etwas weniger nebenwirkungsintensive Wirkstoffe, die bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen eingesetzt werden sind die Antikörper Obinutuzumab und Ofatumumab. Bei manchen Patienten können im Verlauf der Erkrankung bestimmte genetische Veränderungen in den entarteten Blutzellen festgestellt werden. Solche Veränderungen beeinflussen den Wirkmechanismus der Standard-Chemoimmuntherapie FCR. Deshalb bekommen solche Patienten eine Therapie mit den Tyrosinkinaseinhibitoren Ibrutinib oder Idealisib auf die sie besser ansprechen. Die Behandlung der CLL erfolgt über viele Jahre hinweg ambulant bei regelmäßiger Kontrolle durch den behandelnden Arzt. Oft lassen sich jahrelange beschwerdefreie Zeiten erreichen. Eine vollständige Heilung ist durch diese Behandlung allerdings nicht möglich. Bei jungen bzw. fitten Patienten kann eine Hochdosischemotherapie mit anschließender Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation möglicherweise zu einer Heilung führen. Menschen mit CLL sind häufig aufgrund ihrer schlechten Immunabwehr stark infektionsgefährdet und müssen deshalb oft Antibiotika einnehmen. Manchmal erhalten Sie zusätzlich eine Behandlung mit Abwehrstoffen, so genannten Immunglobulinen. Fitness ist entscheidend für die Therapiewahl Bei älteren Patienten mit einen biologischen Alter von über 60 Jahren ist es wichtig bei der Therapieentscheidung die Gesamtsituation des Patienten zur beurteilen. Wie ist der körperliche Allgemeinzustand des Patienten? Hat er oder sie bereits Vorerkrankung durch die eine intensive Chemotherapie noch belastender ist? Das gleiche gilt für Patienten, die einen Rückfall erleiden. Für die meisten Patienten bedeutet ein Rezidiv (zurückgekehrte Erkrankung) weitere anstrengende, kraftraubende Therapien. Ältere Patienten ohne Vorerkrankungen können dem gleichen Therapieschema folgen, wie jüngere Patienten. Aber Patienten in hohem Alter mit mehreren Vorerkrankungen kann durch eine weniger intensive Erhaltungs- oder Palliativtherapie viel Lebensqualität gegeben und unnötige Therapie erspart bleiben. Deshalb sollte gemeinsam mit dem Arzt und unter Betrachtung aller Therapiemöglichkeiten die beste Therapie für den Erkrankten ausgesucht werden. Das Ziel einer Therapie sollte immer die Verbesserung und Erhaltung der Lebensqualität sein, denn Lebensqualität ist kostbar und darf nicht einfach verloren gehen. (vm/red) Quellen: [1] Michl Marlies: Basics Hämatologie, Urban und Fischer Verlag 2010 [2] Crysandt, M; Brümmendorf, T.H, Aktuelle Therapiekonzepte der CML, S2/2016 Onkologie heute [3] Seiler, T., Wendtner, C.-M., CLL Update 2016, S2/2016 Onkologie heute Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 21.03.2017 Weitere Basisinformationen zu Leukämie: Quelle: © ineula - fotolia.com Therapie akuter Leukämien Akute Leukämien, wie die akute myeloische Leukämie (AML) sowie die akute lymphatische Leukämie (ALL) erfordern eine sofortige und sehr intensive chemotherapeutische Behandlung, die genau geplant werden muss. Weiterlesen Therapie akuter Leukämien Themen: Leukämie Hämatologische Onkologie Tumoren im Kindesalter Chemotherapie Strahlentherapie Quelle: © Natalia Bratslavsky - fotolia.com Leben mit Leukämie Leukämie diagnostiziert zu bekommen, kann Ängste und Unsicherheit auslösen. Auch nach der Krankheit fällt vielen die Rückkehr in den Alltag schwer. 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