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Brustkrebs: Weitere Therapieformen

Supportive und komplementäre Therapie

Die Behandlung von Krebserkrankungen ist nur dann effizient und sinnvoll, wenn gleichzeitig sogenannte supportive Maßnahmen prophylaktisch und therapeutisch eingesetzt werden. Die Behandlung von therapie- oder tumorbedingten Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, ferner die Schmerztherapie bei tumor- oder metastasenbedingten Schmerzen, Ernährungsumstellung und Hilfe bei psychischen und sozialen Problemen stellen eine wichtige Ergänzung zur direkten Behandlung der Tumorerkrankung dar. Zur Supportivtherapie gehört im engeren Sinne auch die gezielte Behandlung einzelner Metastasen bei fortgeschrittenem Brustkrebs. 

Die zusätzliche – nicht alternative! – Behandlung mit pflanzlichen Präparaten kann eine Krebstherapie wirksam unterstützen und Nebenwirkungen lindern. Wichtig ist, mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt den sinnvollen Einsatz solcher komplementären Therapien zu beraten, da auch naturheilkundliche Präparate die Wirkung von Antihormon-, Chemo- oder zielgerichteter Therapie abschwächen bzw. deren Nebenwirkungen verstärken können (s. Infokasten „Wegweiser Zusatztherapien“).

Alternative und experimentelle Therapien

Patientinnen und Patienten finden heute ein unüberschaubares Angebot experimenteller und alternativer Methoden. Ob Mistel- oder Thymuspräparate, ob Eigenurin- oder Eigenbluttherapie, ob Homöopathie oder extreme Diäten: Zu bewerten, ob es sich um wirksame Therapien oder um Scharlatanerie handelt, ist nicht immer einfach. 

Oft wird durch die Ablehnung schulmedizinischer Therapien und das Herumprobieren mit sanfteren, „alternativen“ Methoden wichtige Zeit verloren, so dass ein ursprünglich heilbarer Krebs metastasiert und damit zur unheilbaren Erkrankung wird. Jedoch gibt es auch immer wieder neue Behandlungsansätze, die nur noch nicht etabliert sind und sich noch im experimentellen Stadium befinden (wie z. B. Hyperthermie), die in Zukunft aber durchaus Bedeutung erlangen könnten. 

Auch hier gilt: die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt sollte vor dem Beginn einer alternativen oder experimentellen Therapie informiert werden. Sie bzw. er kann den Nutzen der Methoden ins Verhältnis setzen zu möglichen Risiken und nicht zuletzt zu den oft hohen Kosten.

Wegweiser Zusatztherapien

Folgende Zusatztherapien können i.d.R. verwendet werden, ohne dass mit Nachteilen zu rechnen ist:

  • Hypnose vor Operationen zur Reduktion von Ängsten, Schmerz und Übelkeit,
  • Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) zur Verbesserung des Lebensqualität und Reduktion von Stress und Depression,
  • körperliches Training und Sport,
  • Yoga zur Verbesserung des Lebensqualität, Reduktion von Stress, Angst und Depression und Verbesserung von Müdigkeit (Fatigue-Syndrom),
  • ggf. Extrakte der Mistel (wobei ein möglicher Einfluss auf eine laufende Tumortherapie nicht ausgeschlossen ist),
  • Akupunktur bei Übelkeit und Erbrechen oder Müdigkeit (Fatigue-Syndrom).

Die folgenden Zusatztherapien werden nicht empfohlen, da sie nachteilige Wirkungen haben können:

  • Selen-, Zink-, Magnesium-, Jod-Präparate,
  • hochdosierte Vitamine A, C und E (Betacarotin) v. a. bei Strahlen- und Chemotherapie,
  • Papain (aus Papaya-Schale bzw. -kernen), Trypsin, Chymotrypsin, Lektine,
  • Thymus- und Milzpeptide,
  • Sauerstoff- und Ozon-Therapie,
  • Johanniskraut (während antihormoneller oder Chemo-/Antikörpertherapie),
  • Folsäure (bei Chemotherapie mit 5-Fluorouracil).

Frauen mit hormonsensiblem Brustkrebs sollten zudem keine hochdosierten Substanzen mit (potenziell) hormoneller Wirkung einsetzen:

  • Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden,
  • Phytoöstrogene (Soja, Rotklee, Dong quai/Chinesische Angelika, Salbei),
  • Mariendistel, Ginseng, Hopfenpräparate, Grünteeextrakt, Zitrusflavoide.

(pp)

Quellen:
[1] AGO Empfehlungen „Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer”, Stand März 2015
http://www.ago-online.de/de/fuer-mediziner/leitlinienempfehlungen/mamma/
[2] AGO Patientenratgeber Brustkrebs zu den AGO-Empfehlungen 2015
[3] Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Krebsinformationsdienst: Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte.http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs
[4] Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 3.0, Aktualisierung 2012 (Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften), online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf
[5] Patientenleitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften, online unter http://www.krebshilfe.de/wir-informieren/material-fuer-betroffene/patientenleitlinien.html
- Patientenleitlinie „Brustkrebs. Die Ersterkrankung und DCIS – Eine Leitlinie für Patientinnen“, Stand 2010
- Patientenleitlinie „Brustkrebs II - Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung“, Stand 2011
- Patientenleitlinie „Früherkennung von Brustkrebs. Eine Entscheidungshilfe für Frauen“, Stand 2010

Fachliche Beratung: 
Prof. Dr. Fehm Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Prof. Dr. Scharl Klinikum Amberg
Prof. Dr. Lux Universitätsfrauenklinik Erlangen

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 23.02.2017

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Aktualisiert am: 28.04.2017 17:54