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Karzinoide, neuroendrokriner Tumor

Karzinoide („Krebsähnliche“) sind seltene Tumoren, die aus hormonbildenden Zellen entstehen und meist selbst Hormone, Überträger- oder Botenstoffe produzieren. Ausgangspunkt sind sog. neuroendokrine Zellen, die aus dem Nervensystem stammen und Überträgerstoffe, Botenstoffe oder Hormone ausschütten. Die Gesamtheit dieser Zellen fallen unter das als APUD bezeichnete System (Amine-Precurser-Uptake and Decarboxylation). Deshalb werden Karzinoide teilweise auch als APUDome oder neuroendokrine Karzinome bezeichnet.

Hormonbildende Zellen bzw. neuroendokrine Zellen finden sich verteilt im gesamten Körper. Deshalb können prinzipiell an allen Orten im Körper Karzinoide entstehen. Sie treten allerdings zu 90% dort auf, wo sich die meisten neuroendokrinen Zellen befinden, nämlich im Magen–Darm-Trakt und in der Bauchspeicheldrüse. Deshalb werden sie nach der Häufigkeit ihres Auftretens auch Gastro-Entero-Pankreatische-Tumoren genannt. In 10% der Fälle treten Karzinoide in anderen Organen wie in der Lunge oder dem Thymus auf.

Beschwerden entstehen durch die vom Tumor freigesetzten Hormone, durch die unter dem wachsenden Tumor zunehmende Verdrängung anderer Organe oder durch Tochtergeschwülste. Bei der Diagnose der Karzinoide werden Ultraschall, RöntgenComputertomographie und Magnetresonanztomographie verwendet. Karzinoide werden meist operiert. Haben sich bereits Tochtergeschwülste gebildet, kommt als weiteres Verfahren die Chemotherapie in Betracht. Bei rechtzeitiger Diagnose kann ein Karzinoid vollständig geheilt werden.

Häufigkeit

Karzinoide sind selten. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 400-800 Menschen an einem Karzinoid, das ergibt etwa 0,5 bis 1 Neuerkrankungsfälle pro 100.000 Einwohner und Jahr. Zum Vergleich: An Brustkrebs erkranken allein in Deutschland jährlich mehr als 71.700 Frauen, an Dickdarmkrebs jeweils rund 30.000-35.000 Männer und Frauen.

Karzinoide treten überwiegend im höheren Lebensalter auf. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Ursache und Risikofaktoren

Bisher sind kaum Ursachen für die Entstehung von Karzinoiden bekannt. Ein Grund dafür ist das seltene Auftreten dieser Tumorart, denn dies erschwert die Erforschung des Tumors und seiner Hintergründe.

Symptome

Karzinoide werden häufig erst spät entdeckt, da sie zunächst keine Beschwerden verursachen. Etwa die Hälfte dieser Tumoren produziert keine Hormone, die Symptome hervorrufen oder durch Laboruntersuchungen erkennbar würden. Körperliche Anzeichen treten meist erst dann auf, wenn das Karzinoid durch seine Größe benachbarte Bereiche und Organe verdrängt. Im Bauchraum können z.B. Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Gelbsucht Anzeichen für ein Karzinoid sein. Im Bereich der Lunge können sich die Tumoren durch Atemnot und Hustenanfälle bemerkbar machen.

Hormonproduzierende Karzinoide verursachen Symptome, deren Art von den abgesonderten Hormone abhängt.

Die folgende Liste gibt eine Auswahl von Karzinoiden, den Hormonen, die sie produzieren, sowie den daraus entstehenden Symptome wieder.

Karzinoid

Hormon/Botenstoff

Symptome

Insulinom

Insulin

Die übermäßige Insulinproduktion führt zur Unterzuckerung.

Glukagonom

Glukagon

 

VIPom

VIP (vasoaktives, 

intestinales Polypeptid)

V.a. Durchfälle und vermehrter Harndrang (auch Verner-Morrison Syndrom genannt)

Gastrinom

Gastrin

Durch einen erhöhten Säuregehalt im Magen und Dünndarm kommt es zu Sodbrennen und Magen-Darmgeschwüren (Zollinger-Ellison-Syndrom).

Appendix-Karzinoid

Serotonin

Serotonin ist ein Überträgerstoff des Nervensystems. Insbesondere dann, wenn diese Tumoren bereits Tochtergeschwülste gebildet haben, kommt es zum so genannten Karzinoid-Syndrom. Hierbei handelt es sich eine anfallsartig auftretende Rötung des Gesichts (Flush), oftmals gepaart mit Herzrasen, Schweißausbrüchen, Atembeschwerden, krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfällen.

(red)

Quellen:
[1] A. Matzdorff, S. Frick: Neuroendokrine Tumoren, in: W. Dornoff, F.-G. Hagemann, J. Preiß, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie 2010: Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2010/2011, Zuckschwerdt Verlag 2010, S. 196-199
[2] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
[3] Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2007/2008. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2012 

Weitere Basisinformationen zum Karzinoid:

Aktualisiert am: 28.04.2017 17:54