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Hodenkrebs - Erkrankungsverlauf

Hodenkrebs geht meist vom Keimzellgewebe eines Hodens aus, jenem Gewebe also, aus dem die Samenzellen (Spermien) hervorgehen.

Zunächst breitet sich der Tumor innerhalb des Hodens aus. Mit zunehmendem Wachstum kann das Geschwulst jedoch die bindegewebige Kapsel, die das Organ umgibt, durchbrechen und in benachbartes Gewebe hineinwachsen. Nebenhoden und Samenstrang können davon betroffen sein. Durch den Befall von Lymphgefäßen in der Umgebung gelangen Krebszellen mit dem Lymphstrom in die Lymphknoten, die sich entlang der Bauchschlagader (Aorta) im hinteren Bauchraum befinden. Gelangen Tumorzellen in die Blutbahn, so können sie über den Blutkreislauf auch jedes andere Körperorgan befallen. Dort können sie sich ansiedeln und erneut vermehren; es entstehen Tochtergeschwülste (Metastasen). Metastasen bilden sich beim Hodenkrebs besonders häufig in der Lunge.

Stadien beim Hodenkrebs

Die Ausbreitung des Tumors im Körper ist ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der für den Patienten am besten geeigneten Behandlungsmethode. Um den Tumor genauer zu charakterisieren, wird er daher – je nach Ausdehnung – in verschiedene Stadien unterteilt. Die Einteilung erfolgt nach drei maßgeblichen Gesichtspunkten:

  • die Ausdehnung des Tumors im Hoden (T)
  • die Beteiligung der Lymphknoten (N)
  • das Vorhandensein von Organ-Metastasen (M)

 

Man verwendet deshalb auch den Begriff TNM-Klassifikation.
T betrifft die Ausdehnung des Tumors im Bereich des Hodens und wird entsprechend in die Stadien T1-4 eingeteilt. N betrifft die Lymphknotenstationen im hinteren Bauchraum, wobei nach Größe N1 (bis 2 cm), N2 (2 bis 5 cm) und N3 (über 5 cm) unterschieden wird. M bezeichnet Organmetastasen. T1 N0 M0 würde in diesem Fall also bedeuten, dass es sich um einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und Metastasen handelt.

Für die fortgeschrittenen Tumoren existiert eine weitere Stadieneinteilung, die IGCCCG-Klassifikation. Hier werden auch die Tumormarker AFP, Beta-HCG und LDH berücksichtigt.
Die Tumoren werden dabei in drei Prognosegruppen unterteilt, die sich hinsichtlich der Therapie unterscheiden.

Ein weiteres, sehr wichtiges Kriterium für die Behandlungsplanung ist die Art des Tumors, an der der Patient erkrankt ist. Die Tumorart wird durch die feingewebliche (histologische) Untersuchung des bei der Operation entfernten Hodens bestimmt. Man unterscheidet Seminome und Nicht-Seminome.

Das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung und die Bestimmung der Tumorausbreitung helfen dem Arzt bei der Planung der Behandlungsschritte.

Krankheitsrückfall (Rezidiv)

Bei weit fortgeschrittenen Hodentumoren kann es nach der Krebsbehandlung im Laufe der folgenden Jahre zu einem Rückfall kommen (Rezidiv). In fünf Prozent der Fälle kann sich im anderen Hoden auch ein Tumor entwickeln (Zweittumor). Rückfälle sind bei Hodenkrebs jedoch relativ selten; sie treten vor allem in den ersten zwei bis drei Jahren nach Abschluss der Behandlung auf sind jedoch auch nach 10 und mehr Jahren noch möglich.

 

(yia/red)

Quellen:
[1] P. Albers, S. Krege, C. Bokemeyer et al.: Hodentumoren, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008 
[2] Lorch, Anja; Albers, Peter;Beyer, Jörg et al.: Onkopedia-Leitlinie "Keimzelltumoren des Mannes". Stand: September 2016. Online unter https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/keimzelltumoren-des-mannes/@@view/html/index.html


Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Mark Schrader
Chefarzt der Klinik für Urologie und Leiter Prostatazentrum, HELIOS Klinikum Berlin-Buch

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 25.04.2017

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Aktualisiert am: 23.06.2017 11:26