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Nahrungsergänzung bei Krebs: Nutzen oder Schaden?

Viele Krebspatienten fragen sich, inwieweit sie mit gesunder Ernährung oder Nachrungsergänzungsmitteln ihre Erkrankung beeinflussen oder die Therapie unterstützen können. Im Vordergrund stehen dabei oft Vitamine und Spurenelemente. Doch was ist in dieser Situation wirklich hilfreich? Wie wirken sich Vitamine auf die Behandlung aus? Kann ein Zuviel schaden? Gesunde Menschen beschäftigt vor allem die Frage, ob sich durch eine tägliche Extraportion Vitamine das eigene Krebsrisiko senken lässt.

Im Verlauf einer Krebserkrankung kann es zu einer Unterversorgung mit Vitaminen und Mikronährstoffen kommen. Vor allem bei älteren Krebspatienten ist zudem oftmals bereits vor der Diagnose der Ernährungszustand nicht gut.

Wen betrifft die Nährstoffunterversorgung?

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Eine schlechte Vitamin- und Nährstoffbilanz kann bei Krebspatienten verschiedene Ursachen haben: Durch Nebenwirkungen der Therapie wie Übelkeit, Erbrechen oder Schleimhautentzündungen ist die Nahrungsaufnahme erschwert. In manchen Fällen verhindert der Tumor selbst – durch seine Lage oder einen stimulierenden Einfluss auf den Stoffwechsel – eine ausreichende Versorgung. Besonders häufig wird ein Mangel bei Leukämien und anderen hämatologischen Tumoren festgestellt, insbesondere nach einer Stammzelltransplantation. Aber auch Patienten, deren Magen-Darm-Trakt vom Tumor betroffen ist, haben häufig Schwierigkeiten mit normaler Kost und können viele wichtige Nahrungsbestandteile nicht resorbieren.

Was Patienten tun können

Krebspatienten sollten auf eine ausgewogene Ernährung achten, die sowohl Obst und Gemüse als auch Milchprodukte, Eier, mageres Fleisch und Fisch enthält. Für viele Patienten reicht dies aus – zumindest eine Zeit lang. Je nach Art der Erkrankung kann es jedoch ratsam sein, frühzeitig die Vitamin- und Nährstoffspeicher des Körpers aufzufüllen, um Organismus und Immunsystem zu wappnen. Geeignet sind Präparate aus der Apotheke, die eine ausbalancierte Mischung an Nährstoffen enthalten.

Stellt der Arzt eine Unterversorgung oder gar einen Mangel fest, kann er gezielt gegensteuern. Dabei fällt es Patienten oft leichter, statt drei Pfund Äpfeln eine entsprechende Vitamin-C-Tablette zu sich zu nehmen. Aber Vorsicht: Greifen Sie nicht in Eigenregie zu Einzelpräparaten, insbesondere wenn diese höher dosiert sind. Ein erfahrener Onkologe wird einen Mangel zunächst diagnostizieren und geeignete Präparate verschreiben.

Können Vitamine die Krebstherapie beeinflussen?

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Dieses Thema wird unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Differenziert werden muss zwischen natürlichen Lebensmitteln, freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln und hochdosierten Präparaten. Lebensmittel beeinflussen eine Chemo- oder Strahlentherapie in der Regel nicht. Aber es gibt auch Ausnahmen: Studien zufolge können Grapefruits bzw. Pampelmusen die Wirkung von Zytostatika abschwächen. Eine größere Menge Orangensaft am Tag der Bestrahlung kann Nebenwirkungen an Haut und Schleimhaut verstärken.

Mit Monopräparaten, die nur aus einem Vitamin oder Mikronährstoff bestehen, sollte man während einer Chemo- oder Strahlentherapie vorsichtig sein. Dies gilt insbesondere für Produkte, die hochdosiert sind und ein Vielfaches der Konzentration enthalten, die sich über normale Ernährung im Körper anreichert. Antioxidantien wie Vitamin C, E oder Beta-Carotin machen beispielsweise genau den Effekt zunichte, den man mit Chemo- oder Strahlentherapie erreichen möchte. Um das Risiko einer unerwünschten Abschwächung oder Verstärkung der Krebstherapie zu vermeiden, sollten Sie jegliche Nahrungsergänzung mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen.

Mit Vitaminen Krebs heilen?

Es gibt keinerlei evidenzbasierte Belege für Heilerfolge mit Vitaminen. Feiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel gelten innerhalb der EU als Lebensmittel und unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz. Sie dürfen deshalb per Definitionem – zumindest in der empfohlenen Dosierung –keine therapeutische Wirkung haben, da sie sonst durch eine entsprechende Gesundheitsbehörde zugelassen werden müssten.

Prävention: Können Vitamine & Co. das Krebsrisiko senken?

Studien zur Krebsprävention kommen zu unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Ergebnissen. Dabei geht es vor allem um die Vitamine C, E und Beta-Carotin sowie Selen. Nicht zuletzt aufgrund des individuellen Lebensstils der Studienteilnehmer sind Ernährungsstudien schwer auszuwerten. Vor allem Meta-Analysen, die häufig ganz unterschiedlich konzipierte Studien mit Gesunden und Kranken aus verschiedenen Kulturkreisen und Altersgruppen zusammenfassen, lassen nur bedingt allgemeingültige Aussagen zu. Oftmals weichen Dosierung und Behandlungsdauer der einzelnen Studien so stark voneinander ab, dass eine gemeinsame statistische Auswertung das Ergebnis verzerrt. Die Frage, inwieweit Vitamine und Mikronährstoffe das Krebsrisiko beeinflussen, wird deshalb nicht nur in der Fachwelt kontrovers diskutiert.

Immer wieder geben wissenschaftliche Studien Hinweise darauf, dass Vitamin-C-reiche Ernährung bei der Krebsprävention eine Rolle spielen könnte, insbesondere bei Lungenkrebs. Für Vitamin E sind die Ergebnisse nicht eindeutig: Während einige Studien ergaben, dass eine gute Vitamin-E-Versorgung zumindest Raucher und ehemalige Raucher ein Stück weit vor Prostatakrebs schützen kann, zeigten andere Arbeiten diesen Effekt nicht. Auch Beta-Carotin kann helfen, das Krebsrisiko zu senken – sofern man es über Obst und Gemüse zu sich nimmt. Sehr hohe Dosierungen des früher als „Raucher-Vitamin“ propagierten Beta-Carotins führten in Studien zu einem Anstieg des Lungenkrebsrisikos. Insbesondere bei starken Rauchern wurden im Zusammenhang mit der langfristigen Einnahme hochdosierter Beta-Carotin-Präparate mehr Lungenkrebsfälle beobachtet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat deshalb eine Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel eingeführt, die zwei oder mehr Milligramm Beta-Carotin enthalten. Raucher dürfen demnach Präparate mit > 20mg Beta-Carotin nicht einnehmen.

Wie können Gesunde vorbeugen?

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Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, sollte sich ausgewogen ernähren und einen gesunden Lebensstil pflegen. Dazu gehört ein abwechslungsreicher Speiseplan genauso wie regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und möglichst wenig Alkohol, Zigaretten und Stress. Insbesondere Menschen, die sich nicht abwechslungsreich ernähren (können) oder aus anderen Gründen einen höheren Bedarf haben, z.B. Raucher, sollten aktiv werden. Der Hausarzt kann mit entsprechenden Blutanalysen mögliche Versorgungslücken aufdecken. Wer bereits gut versorgt ist, wird sein Krebsrisiko durch Nahrungsergänzung vermutlich nicht weiter senken.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 29.01.2015

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Aktualisiert am: 28.04.2017 17:54