Zielgerichtete Therapie bei akuter myeloischer Leukämie

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Wenn eine bestimmte Genveränderung in den Krebszellen vorliegt, kann eine Therapie mit einem Multikinasehemmer neben der Standardchemotherapie Überlebensvorteile bringen.

Wenn bei einer akuten myeloischen Leukämie (AML) eine Veränderung im sogenannten FLT3-Gen (FMS-bezogene-Tyrosinkinase 3-Gen) vorliegt, ist die Prognose ungünstiger. Wird in der Behandlung zur Standardchemotherapie ein zielgerichteter Wirkstoff, der Multikinasehemmer Midostaurin, hinzugefügt, verbessern sich die Aussichten der Betroffenen. Dies geht aus den Ergebnissen einer klinischen Phase 3-Studie hervor, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden.

Knapp ein Drittel der erwachsenen Patienten mit AML weisen eine Veränderung im FLT3-Gen auf. In der aktuellen Studie wurden 3.277 Patienten im Alter von 18 bis 59 Jahren daraufhin untersucht. Sie hatten erst kurz zuvor die Diagnose AML erhalten und waren noch nicht dagegen behandelt worden, mit Ausnahme von Notfalltherapien gegen akute Krankheitsbeschwerden. 717 Patienten wurden schließlich in die Studientherapie eingeschlossen: Alle erhielten die Standardchemotherapie, bestehend aus einer Einleitungstherapie mit Daunorubicin und Cytarabin, gefolgt von einer Konsolidierungstherapie mit hochdosiertem Cytarabin. 360 Patienten erhielten zudem den Multikinasehemmer Midostaurin, 357 erhielten ein Scheinmedikament (Placebo).

Die zusätzliche Therapie mit Midostaurin zahlte sich aus, das Gesamtüberleben und das krankheitsfreie Überleben waren signifikant länger als in der Placebogruppe. So war in der Placebogruppe nach rund 26 Monaten die Hälfte der Patienten verstorben, in der Midostauringruppe war dies erst nach rund 75 Monaten der Fall. Nach vier Jahren waren in der Placebogruppe noch 44,3 Prozent der Patienten am Leben, in der Midostauringruppe 51,4 Prozent. Der Vorteil durch die zusätzliche Behandlung war auch nachweisbar, wenn nur die Patienten berücksichtigt wurden, die sich noch einer Stammzelltransplantation unterzogen.

Den Multikinasehemmer Midostaurin der Standardchemotherapie hinzuzufügen, kann bei erwachsenen Patienten mit neu diagnostizierter AML mit FLT3-Mutation die Überlebensaussichten signifikant verbessern, so die Bewertung der Studienautoren. In weiteren Studien müsse geklärt werden, ob auch ältere Patienten und Patienten ohne FLT3-Mutation von der zusätzlichen Therapie profitieren.

 

Quelle:

Stone, R. M. et al.: Midostaurin plus Chemotherapy for Acute Myeloid Leukemia with a FLT3 Mutation. New England Journal of Medicine, Onlinevorabveröffentlichung am 23. Juni 2017, DOI: 10.1056/NEJMoa1614359

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 15.12.2017 13:24