Wiederholter Pneumothorax als frühes Zeichen für Lungenkrebs?

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In einer Studie zeigt sich ein solcher Zusammenhang, der sich womöglich auf chronische Entzündungsreaktionen zurückführen lässt.

Risikofaktoren für Lungenkrebs sind unter anderem Bronchitis, Asthma, Tuberkulose, Rauchen und Luftverschmutzung – Faktoren, die auch als Risikofaktoren für die Entwicklung eines spontanen Pneumothorax gelten. Nun stellten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Medicine (Baltimore) einen Zusammenhang zwischen Pneumothorax und Lungenkrebs her.

Bei einem Pneumothorax sammelt sich Luft im Brustkorb zwischen dem inneren und äußeren Lungenfell, wo sich normalerweise keine Luft befindet. Dadurch sinkt der betroffene Lungenflügel in sich zusammen, die Betroffenen leiden unter Schwierigkeiten beim Atmen. Ursachen für einen Pneumothorax sind beispielsweise Verletzungen oder Vorerkrankungen der Lunge. Als „spontan“ wird ein Pneumothorax bezeichnet, wenn er ohne vorherige Verletzung oder Vorerkrankung der Lunge auftritt. 

In der aktuellen Studie stützten sich die Forscher auf die Daten aus der bevölkerungsbasierten Taiwan Health Insurance Research Database mit 27.405 Patienten mit Pneumothorax (Durchschnittsalter 38 Jahre) und 109.620 Personen ohne Pneumothorax aus den Jahren 2000 bis 2009. Personen, bei denen ein spontaner Pneumothorax aufgetreten war, hatten ein erhöhtes Risiko, Lungenkrebs zu entwickeln. Wenn andere mögliche Einflussfaktoren wie Lebensalter, Geschlecht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und chronische Lungenerkrankungen berücksichtigt wurden, war das Risiko zweifach erhöht. Mit der Anzahl der spontan auftretenden Pneumothorax-Ereignisse stieg auch das Lungenkrebsrisiko. Die mittlere Zeit, die zwischen dem ersten spontanen Pneumothorax und der Lungenkrebsdiagnose verging, betrug 2,8 Jahre.

Offenbar, so die Schlussfolgerung der Studienautoren, haben insbesondere Personen zwischen 35 und 49 Jahren ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, wenn bei ihnen ein spontaner Pneumothorax auftritt. Kam es mehr als zweimal pro Jahr zu einem spontanen Pneumothorax, war das Lungenkrebsrisiko schon mehr als 30-fach erhöht. Das wiederholte Auftreten eines spontanen Pneumothorax könne also auf die Entwicklung von Lungenkrebs hindeuten. Die Ursache für den Zusammenhang seien womöglich chronische Entzündungen, die durch Rauchen oder Luftverschmutzung ausgelöst werden.

 

Quelle:

Chen C-K et al.: Patients with spontaneous pneumothorax have a higher risk of developing lung cancer. A STROBE-compliant article. Medicine (Baltimore). 2020;99(30):e21411

 

(KvK)

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