Wie hoch das Magenkrebsrisiko ist

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Wissenschaftler errechneten, wie hoch das Risiko für Magenkrebs bei bestimmten Veränderungen der Magenschleimhaut ist

Werden bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) Veränderungen der Schleimhaut festgestellt, ist Vorsicht geboten: Unter Umständen kann dies ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs bedeuten. Für die Entwicklung von Magenkrebs aus zunächst gutartigen Schleimhautentzündungen über Krebsvorstufen gibt es eine Klassifizierung, die sogenannte Correa’s Kaskade. Schwedische Wissenschaftler berechneten jetzt anhand einer großen Datensammlung, wie hoch das Risiko für Magenkrebs auf den jeweiligen Stufen dieser Kaskade ist. Sie veröffentlichten ihren Bericht in der Fachzeitschrift BMJ.

Die schrittweise Entwicklung von Magenkrebs hat ihren Ausgangspunkt oftmals in einer chronischen Magenschleimhautentzündung (Gastritis) noch ohne Zellveränderungen, die durch eine Infektion mit Helicobacter pylori ausgelöst wird. Im weiteren Verlauf bilden sich die entzündeten Schleimhautzellen zurück (atrophische Gastritis). Als Reaktion darauf werden das Zellwachstum und die Zellvermehrung übermäßig angeregt (intestinale Metaplasie). Schließlich verändern sich die Zellen dysplastisch und können entarten.

Das verwendete Register enthielt die Daten von mehr als 405.000 Patienten, denen bei einer Magenspiegelung Gewebeproben entnommen worden waren. Die Wissenschaftler ermittelten, bei welchen Veränderungsgraden der Schleimhaut später jeweils wie viele Fälle von Magenkrebs auftraten. Patienten mit leichten Schleimhautveränderungen erkrankten etwa doppelt so häufig an Magenkrebs wie Patienten mit normaler Magenschleimhaut. Ein sehr viel höheres Risiko hatten Patienten, die stärkere Entzündungen und Schleimhautveränderungen aufwiesen. Bei Dysplasien beispielsweise war das Risiko gegenüber normaler Magenschleimhaut um das Elffache erhöht.

Die Forscher gossen ihre Erkenntnisse in konkrete Zahlen: Ca. einer von 256 Patienten mit normaler Schleimhaut, einer von 85 mit Magenschleimhautentzündung (Gastritis), einer von 50 mit atrophischer Gastritis, einer von 39 mit intestinaler Metaplasie und einer von 19 mit Dysplasie wird demnach innerhalb von 20 Jahren Magenkrebs entwickeln. Entsprechend intensiv sollte die Betreuung von Patienten nach einem Magenspiegelungsbefund sein.

 

Quelle:

Song, H. et al.: Incidence of gastric cancer among patients with gastric precancerous lesions: observational cohort study in a low risk Western population. BMJ 2015, 351:h3867

 

(kvk)

 

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Aktualisiert am: 20.07.2017 16:54