Wenn nicht-kleinzelliger Lungenkrebs weit fortgeschritten ist

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Die US-amerikanische Leitlinie für die Therapie von Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs wurde aktualisiert. Die neuen Immuntherapien fanden Eingang in die Empfehlungen.

Auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen drei Jahre überarbeitete ein US-amerikanisches Expertenteam die Leitlinie der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) zur systemischen Behandlung von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium IV. Die aktualisierte Leitlinie wurde in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.

Im fortgeschrittenen Stadium IV hat sich Lungenkrebs bereits in andere Organe ausgebreitet und Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, gebildet. Eine Operation kann dann keine Heilung mehr bringen, weshalb systemische, also im ganzen Körper wirkende Therapien gefragt sind, mit deren Hilfe das weitere Tumorwachstum verzögert werden kann. In den vergangenen Jahren konnten einige neuartige Therapien entwickelt werden, die nun in die Leitlinien als Empfehlung Eingang gefunden haben.

Wird bei Patienten ein metastasierter Tumor diagnostiziert, sollte demnach künftig im ersten Therapieschritt der PD1-Blocker Pembrolizumab eingesetzt werden. Dieser Antikörper Pembrolizumab bindet sich an den sogenannten PD-1-Rezeptor auf den T-Zellen des Immunsystems, blockiert die Wirkung des vom Tumorgewebe hergestellten Eiweißes (Proteins) PD-L1 und aktiviert dadurch die Immunabwehr gegen den Krebs. Wirkstoffe wie Pembrolizumab werden deshalb auch Immuncheckpointblocker genannt, weil sie wichtige Schaltstellen für den Tumor blockieren, wodurch das Immunsystem angekurbelt wird. Bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, bei denen vermehrt PD-L1 gebildet wird, wirkt die Therapie mit Pembrolizumab besser als eine Chemotherapie, bei gleichzeitig weniger Nebenwirkungen. Den Patienten, in deren Tumorgewebe nur wenig PD-L1 gebildet wird, soll nach den aktuellen Empfehlungen weiterhin eine Standardchemotherapie angeboten werden.

Eine Immuncheckpointblockertherapie mit PD1-Blockern wird auch empfohlen, wenn Patienten auf eine erste Chemotherapie nicht oder nicht mehr ausreichend ansprechen oder einen Rückfall erleben und ihr Tumor vermehrt PD-L1 bildet. Für diesen Fall stehen neben Pembrolizumab noch die PD1-Blocker Nivolumab oder Atezolizumab zur Verfügung. Bei unbekannter und nur geringer Bildung von PD-L1 können Nivolumab oder Atezolizumab trotzdem als Therapien versucht werden. Wenn Patienten jedoch bereits erfolglos mit einer Immuncheckpointblockertherapie behandelt worden sind, kommt in der Zweitbehandlung eine Standardchemotherapie in Frage. Ist bei einem Patienten eine Immuntherapie nach einer ersten Chemotherapie nicht möglich, wird eine weitere Chemotherapie mit Docetaxel oder – bei Patienten mit einem Nicht-Plattenepithelkarzinom – Pemetrexed empfohlen.

Auch die zielgerichteten Therapien haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Ein Angriffspunkt ist dabei nach wie vor der sogenannte epidermale Wachstumsfaktorrezeptor, abgekürzt EGFR, auf der Oberfläche der Krebszellen. An ihn bindet sich der epidermale Wachstumsfaktor EGF, der über eine Signalkette Wachstumssignale auslöst. Wenn bei Patienten im Tumorgewebe eine bestimmte Veränderung (Mutation) bezüglich EGFR vorkommt, können sie mit EGFR-Hemmern behandelt werden, die an der Bindungsstelle von EGF andocken und das Wachstumssignal unterbinden. Bei Patienten mit anderen Genveränderungen im Krebsgewebe, etwa bei ROS1- oder ALK-positiven Tumoren, kann Crizotinib eingesetzt werden.

In ihrer aktualisierten Leitlinie weisen die Forscher darauf hin, dass auch weiterhin intensive Anstrengungen zur Entwicklung neuartiger Therapien für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs unternommen werden und sich weitere Wirkstoffe in der Testung befinden. 

 

Quelle:

Hanna, N. et al.: Systemic Therapy for Stage IV Non–Small-Cell Lung Cancer: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Update. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 14. August 2017, DOI: https://doi.org/10.1200/JCO.2017.74.6065

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.09.2017 22:05