Wenn zielgerichtete Therapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs nicht in Frage kommt

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Bei fortgeschrittenen Tumoren ohne sogenannte Treibermutationen kann in der Ersttherapie eine Kombination aus Immun-, Chemo- und Angiogenesehemmertherapie womöglich Überlebensvorteile bringen.

Patienten mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) können offenbar von einer Kombinationstherapie profitieren: Eine Immuncheckpointhemmertherapie mit einem PD1-Blocker, eine Chemotherapie mit zwei Zytostatika und ein Angiogenesehemmer verbesserten in einer Phase III-Studie die Überlebensaussichten. Das geht aus den Ergebnissen der Studie hervor, die in der Fachzeitschrift Annals of Oncology veröffentlicht wurden.

Für die Studie wurden zwischen 2017 und 2019 550 Patienten mit neu diagnostiziertem nicht-kleinzelligem Nicht-Plattenepithel-Lungenkrebs im Stadium IIIB oder IV oder einem Rückfall bei einer schon früher erkannten und behandelten Erkrankung an NSCLC gewonnen. Die Tumoren wiesen keine sogenannten Treibermutationen auf, die eine zielgerichtete Therapie mit beispielsweise einem EGFR- oder ALK-Hemmer erlaubt hätten. Die Teilnehmer erhielten eine Chemotherapie plus einen Angiogenesehemmer kombiniert mit entweder einem PD1-Blocker oder einem Scheinmedikament (Placebo). Dieser ersten Therapie, die maximal sechs Zyklen lang durchgeführt wurde, schloss sich eine Therapie mit dem PD1-Blocker oder Placebo plus dem Angiogenesehemmer an – so lange, bis die Krankheit weiter voranschritt oder zu starke Nebenwirkungen auftraten. 

In der geplanten Zwischenanalyse nach gut 14 Monaten wiesen die Patienten, bei denen zusätzlich die Immuntherapie angewandt worden war, ein signifikant längeres Überleben, ohne dass die Krankheit weiter vorangeschritten wäre, auf. Dies betraf alle Patienten, unabhängig davon, ob der Tumor viel oder wenig PD-L1, den Liganden von PD1, ausgebildet hatte. Auch die Rate des objektiven Ansprechens war unter der zusätzlichen Immuntherapie höher. Die Häufigkeit schwerwiegender Nebenwirkungen Grad 3 oder 4 war in beiden Therapiegruppen vergleichbar.

Damit, so die Studienautoren, konnte laut Zwischenanalyse bei Patienten mit fortgeschrittenem Nicht-Plattenepithel-NSCLC ohne besondere Mutationen durch die Kombination der Chemo-Angiogenesehemmertherapie mit einer PD1-Blockade ein langes Überleben, ohne dass der Tumor weiter voranschritt, erzielt werden. Die Kombination könnte sich womöglich als neue Option für diese Patientengruppe in der Ersttherapie eignen.

 

Quelle:

Sugawara S et al. Nivolumab with carboplatin, paclitaxel, and bevacizumab for first-line treatment of advanced nonsquamous non-small-cell lung cancer. Annals of Oncology 2021, 32(9):1137-47

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 26.10.2021 15:59