Wenn die Neigung für Darmkrebs in der Familie liegt

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Familien mit dem sogenannten Lynch-Syndrom haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs, wie eine aktuelle Studie eindrucksvoll unterstreicht.

Darmkrebs entsteht nicht nur aufgrund äußerer Einwirkungen: Wenn bestimmte genetische, also erbliche Veränderungen (Mutationen) wie beim sogenannten Lynch-Syndrom vorliegen, erhöht sich die Neigung, die Krankheit schon in jungen Lebensjahren zu entwickeln. Doch welchen anderen Krebsrisiken sind die Betroffenen noch ausgesetzt? Dieser Frage gingen Wissenschaftler in einer Studie nach, deren Ergebnisse sie jetzt in der Fachzeitschrift JAMA Oncology veröffentlichten.

Beim Lynch-Syndrom, auch hereditäres nichtpolypöses kolorektales Karzinom (HNPCC) genannt, liegen Veränderungen in den mismatch repair-Genen vor, die für die Reparatur bestimmter DNA-Schäden verantwortlich sind. Solche Schäden im Erbgut von Zellen treten auf, wenn sich die Körperzellen teilen. Funktionieren die mismatch repair-Gene, werden die Schäden repariert und bleiben folgenlos. Gelingt die Reparatur jedoch nicht und häufen sich bestimmte Schäden, können bösartige Tumoren wie Darmkrebs entstehen. Die Mutationen in den mismatch repair-Genen des Lynch-Syndroms können vererbt werden, wodurch das Risiko, im Laufe des Lebens an Darmkrebs zu erkranken, für die Träger der Mutationen hoch ist.

In der aktuellen Studie wurden 202 Familien untersucht, die die Kriterien für das Lynch-Syndrom erfüllten und in denen 443 Fälle von Darmkrebs aufgetreten waren. Das Risiko für die Krankheit war in den Familien bei Verwandten ersten Grades etwa zehnmal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Aber auch andere Krebsarten traten bei den Betroffenen erheblich öfter auf: Gebärmutterkörperkrebs, Magenkrebs, Dünndarmkrebs, Nierenkrebs, Schilddrüsenkrebs, Non-Hodgkin-Lymphome, Harnblasenkrebs und Prostatakrebs. Ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs und Gebärmutterkörperkrebs hatten sogar Verwandte zweiten Grades und Cousinen bzw. Cousins, also Verwandte dritten Grades. 

Die Ergebnisse der Studie zeigen nach Ansicht der Studienautoren die Bedeutsamkeit der Genveränderungen beim Lynch-Syndrom mit den entsprechenden Konsequenzen für die Betroffenen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können helfen, sich entwickelnde Krebserkrankungen frühzeitig zu bemerken und erfolgreich zu behandeln. 

 

Quelle:

Samadder, N. J. et al.: Cancer Risk in Families Fulfilling the Amsterdam Criteria for Lynch Syndrome. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 3. August 2017, doi:10.1001/jamaoncol.2017.0769

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 19.11.2017 23:25