Nur wenige Leberflecken? Trotzdem genau hinschauen

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Nur wenige Nävi zu haben schützt nicht davor, an einem dicken Melanom mit ungünstigerer Prognose zu erkranken. Im Gegenteil: Oft haben Menschen mit vielen Leberflecken, wenn sie an schwarzem Hautkrebs erkranken, ein noch dünnes Melanom - möglicherweise, weil sie die Haut regelmäßig und gründlicher untersuchen (lassen).

Leberflecken, sogenannte Nävi auf der Haut, sind meist harmlos, können sich aber zu schwarzem Hautkrebs entwickeln und gelten deshalb als bedeutsamer Risikofaktor für Melanome. Jedoch kommt es offenbar entgegen der verbreiteten Annahmen nicht nur darauf an, ob ein Patient viele Nävi aufweist oder nicht. So haben Menschen mit vielen Leberflecken, wenn sie an schwarzem Hautkrebs erkranken, bei der Diagnose häufiger ein eher dünnes Melanom. Menschen mit wenigen Leberflecken dagegen haben ein erhöhtes Risiko, schon bei der Diagnosestellung ein dickes Melanom mit einer ungünstigeren Prognose entwickelt zu haben, wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology berichteten.

Die Forscher bezogen sich auf die Daten von 566 Patienten, die die Hautkrebsdiagnose mindestens drei Monate überlebten. Bei der ersten ärztlichen Visite nach der Diagnose wurde die Anzahl der Nävi ermittelt, ebenso die Zahl sogenannter atypischer Nävi, die sich mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Hautkrebs entwickeln. Die Tumordicke wurde als 2 mm oder weniger (dünne Tumoren) sowie 2,01 mm oder größer (dicke Tumoren) kategorisiert.

Die Patienten waren im Durchschnitt knapp 57 Jahre alt, 39 Prozent von ihnen waren Frauen. Die Mehrheit von ihnen wies wenige Nävi (0-20) auf, bei 13 Prozent kamen viele Nävi (mehr als 50) vor. Bei zwölf der Patienten fanden sich mehr als fünf atypische Nävi. Bei Patienten, die jünger als 60 Jahre waren und viele Nävi (mehr als 50) aufwiesen, waren die Melanome, an denen sie erkrankt waren, meist dünn. Dagegen litten Patienten, die mehr als fünf atypische Nävi aufwiesen, bei der Diagnose bereits häufiger an einem dicken Melanom.

Die meisten Patienten mit einem Melanom haben nur wenige Nävi und kein oder wenige atypische Nävi, so die Zusammenfassung der Studienautoren. Zudem haben jüngere Personen unter 60 Jahren, die viele Nävi an ihrem Körper haben, ein geringeres Risiko für ein dickes Melanom, das mit einer ungünstigeren Prognose einhergeht. Möglicherweise, so eine Interpretation der Autoren, führen viele Leberflecken dazu, dass die Betroffenen ihre Haut selbst häufiger kontrollieren oder vom Hautarzt öfter untersuchen lassen. Doch die Tatsache, dass ein Patient viele Leberflecken hat, solle - so eine Ableitung aus den Ergebnissen - für Hautärzte nicht der einzige Grund dafür sein, bei der Hautkrebsfrüherkennungsuntersuchung genau hinzuschauen.  

 

Quelle:

Geller, A. C. et al.: Total Nevi, Atypical Nevi, and Melanoma Thickness. An Analysis of 566 Patients at 2 US Centers. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 2. März 2016, doi:10.1001/jamadermatol.2016.0027

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 23.05.2017 12:29