Was Blutplättchen mit Leberkrebs zu tun haben

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Offenbar spielen Blutplättchen eine entscheidende Schlüsselrolle bei der Entstehung von Fettleberentzündung und Leberkrebs.

Eine nicht-alkoholische Fettleberentzündung kann der Ausgangspunkt für die Entstehung von Leberkrebs sein. Maßgeblichen Anteil daran haben offenbar die Blutplättchen, die sogenannten Thrombozyten, die normalerweise eine Rolle bei der Blutgerinnung spielen. Das berichteten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg in der Fachzeitschrift Nature Medicine.

Erkrankungen an nicht-alkoholischer Fettleber sind in den westlichen Industrieländern weit verbreitet. Dabei lagert sich verstärkt Fett in den Leberzellen ein. Nach und nach kann sich daraus eine chronische Entzündung entwickeln. In der Folge verändern sich die Leberzellen und verlieren ihre Funktion, die Leber baut sich bindegewebig um, eine Leberzirrhose entsteht, auf deren Boden sich Leberkrebs entwickeln kann.

Für die Entstehung der Entzündung sind Immunzellen verantwortlich, die in die Leber einwandern. An dieser Einwanderung sind offenbar Blutplättchen beteiligt, wie die Wissenschaftler in der aktuellen Studie herausfanden. Die Forscher fanden beispielsweise heraus, dass bei Mäusen, die mit einer fettreichen Kost ernährt wurden, vermehrt Blutplättchen in der Leber zu finden sind. Wurde die Zahl der eingewanderten Blutplättchen durch Medikamente wieder reduziert, nahm auch die Zahl der entzündungsvermittelnden Immunzellen in der Leber ab. Die so behandelten Mäuse nahmen zwar infolge der fettreichen Kost zu und wurden schließlich übergewichtig, aber sie bekamen keine Fettleber und keinen Leberkrebs mehr.

Für die Prozesse ist es offenbar nötig, dass die eingewanderten Blutplättchen an den Zellen der Leber andocken. Hierfür ist unter anderem ein sogenanntes Glykoprotein GPIbα verantwortlich, das sich auf der Oberfläche der Blutplättchen befindet. Wenn in der Studie GPIbα durch Antikörper blockiert wurde, wurden weniger entzündungsvermittelnde Immunzellen angelockt, die Leberentzündung schwächte sich ab.

Womöglich, so das Fazit der Studienautoren, ließen sich aus diesen Erkenntnissen neue Therapieoptionen ableiten. Würden zum Beispiel Patienten mit einer Fettleber mit Blutverdünnern behandelt, die die Blutgerinnung behindern, kann der Fettanteil in der Leber reduziert werden, wodurch sich das Risiko für Leberkrebs senken lässt.

 

Quelle:

Malehmir M et al. Platelet GPIbα is a mediator and potential interventional target for NASH and subsequent liver cancer. Nature Medicine, Onlinevorabveröffentlichung am 1. April 2019, DOI: 10.1038/s41591-019-0405-7

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 17.08.2019 15:49