Warum Metastasen?

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Tumorzellen klammern sich auf ihrer Wanderung durch die Blutgefäße an der Gefäßwand fest – wenn sie die richtige „Nase“ dafür haben.

Warum lösen sich Krebszellen nach und nach aus ihrem ursprünglichen Zellverband, treten in Blut- und Lymphgefäße ein und lagern sich mit Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, in anderen Organen wieder an? Die Rätsel um die Metastasierung bösartiger Tumoren zu lösen, könnte in der Zukunft zur Entwicklung neuer Medikamente führen, die diese Prozesse und damit die fatalen Folgen, die Krebs haben kann, verhindern. Einen Beitrag dazu leistet eine neue Studie von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums, die zeigt, dass nicht allein die Anzahl der im Blut „wandernden“ Krebszellen für die Metastasierungswahrscheinlichkeit verantwortlich ist, sondern vielmehr deren Eigenschaften (Fachzeitschrift Nature).

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Patienten mit einer hohen Zahl im Blut zirkulierender Tumorzellen mitunter nur wenige oder gar keine Metastasen aufweisen, während sich umgekehrt bei manchen Patienten mit vielen Metastasen nur wenige zirkulierende Tumorzellen finden lassen. Dies legt den Schluss nahe, dass weitere Faktoren für die Bildung von Tochtergeschwülsten hinzukommen müssen. Bei molekularen Untersuchungen wurden die Forscher fündig: Weisen die zirkulierenden Tumorzellen eine bestimmte Polarität auf, die sich in ihrer äußeren Gestalt als eine Art „Nase“ sichtbar macht, steigt das Risiko für eine Metastasierung. Die Krebszellen docken über ihre Nase an der inneren Schicht der Blutgefäße, der sogenannten Endothelschicht, an. Der Pol, also die „Zellnase“, verlagert sich daraufhin an die der Andockstelle gegenüberliegende Seite und die Krebszellen schieben sich durch die Endothelschicht hindurch. So gelangen die Krebszellen in ein anderes Organ und setzen sich dort fest.

Wenn die Forscher die Polarisierung zirkulierender Zellen in Zellkulturen und bei Mäusen blockierten, konnten sich diese nicht mehr an der Gefäßwand anheften. Dies könne womöglich in Zukunft therapeutisch ausgenutzt werden, um einer Metastasierung von Krebszellen vorzubeugen, so die Forscher.

 

Quellen:

Lorentzen, A et al. Single cell polarity in liquid phase facilitates tumour metastasis. Nature Communications 2018, 9:887, doi:10.1038/s41467-018-03139-6

Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg vom 28. Februar 2018

 

(kvk)

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    Aktualisiert am: 20.05.2018 21:36