Vulvakrebs mit Befall des Wächterlymphknotens

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Wenn es sich um kleinste Metastasen im Wächterlymphknoten handelt, reicht womöglich eine Strahlentherapie für die Lymphknoten in der Leistengegend aus.

Bei Patientinnen mit Vulvakrebs, die kleinste Metastasen im Wächterlymphknoten (auch: Sentinellymphknoten) aufweisen, kann offenbar anstelle einer operativen Entfernung der Leistenlymphknoten auch eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Einer Studie in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology zufolge schmälert das die Überlebensaussichten offenbar nicht.

An der Phase II-Studie nahmen 1.535 Patientinnen mit Vulvakrebs im Frühstadium teil. Ihr Tumor war kleiner als 4 cm, und sie wiesen in der klinischen Untersuchung keine Anzeichen dafür auf, dass Lymphknoten beteiligt sein könnten. Bei allen wurde der Tumor operativ entfernt, dabei wurde auch Gewebe aus dem Wächterlymphknoten entnommen (Biopsie). Beim Wächter- oder Sentinellymphknoten handelt es sich um die Lymphknotenregion, die dem Tumor am nächsten liegt. Wenn sich in der Studie bei der Sentinellymphknotenbiopsie herausstellte, dass sich Metastasen im Lymphknoten befanden, sollte eine Strahlentherapie in der Leistengegend angestrebt werden.

Ein Fünftel der Studienteilnehmerinnen wies tatsächlich einen Befall der Sentinellymphknoten auf. Handelte es sich dabei um größere Metastasen, wurden die Lymphknoten in der Leistengegend standardgemäß durch eine Operation entfernt. Bei Mikrometastasen jedoch, die höchstens 2 mm groß waren, blieb es bei einer Bestrahlung der Leistenlymphknoten.

Bei den 126 Patientinnen, die Mikrometastasen im Sentinellymphknoten aufwiesen und eine Strahlentherapie der Leistenlymphknoten erhielten, kam es nur bei 1,6% im Laufe von zwei Jahren zu einem Rückfall der Erkrankung. Bei den Patientinnen, die Makrometastasen im Sentinellymphknoten aufwiesen, war die Rückfallquote höher – sie profitierten allerdings davon, wenn sie eine Operation der Leistenlymphknoten erhielten anstelle einer Bestrahlung. Die Komplikationsrate war nach der Strahlentherapie grundsätzlich niedriger als nach der Operation.

Damit, so die Studienautoren, habe sich gezeigt, dass bei Patientinnen mit Mikrometastasen im Sentinellymphknoten bei frühem Vulvakrebs eine Strahlentherapie der Leistenlymphknoten ausreichen könnte. Bei größeren Metastasen jedoch sei die Operation zu empfehlen, um das Rückfallrisiko und damit die Überlebensaussichten zu verbessern.

 

Quelle:

Oonk MHM et al. Radiotherapy Versus Inguinofemoral Lymphadenectomy as Treatment for Vulvar Cancer Patients With Micrometastases in the Sentinel Node: Results of GROINSS-V II. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 25. August 2021, DOI https://doi.org/10.1200/JCO.21.00006

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 20.09.2021 18:04