Vor bestimmten Krebstherapien: Auf Hepatitis B testen

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Infolge von Krebstherapien kann eine Hepatitis B reaktiviert werden. Deshalb werden in manchen Fällen engmaschige Kontrollen und gegebenenfalls eine antivirale Therapie empfohlen

Hepatitis B-Viren sind tückisch: Auch nach einer scheinbar längst überstandenen Infektion können die Viren unter bestimmten Umständen reaktiviert werden, sodass die Krankheit ausbricht. Die US-amerikanische Krebsgesellschaft ASCO empfiehlt deshalb in einer aktuellen Leitlinie, dass alle Krebspatienten, bei denen eine Stammzelltransplantation oder eine Therapie mit einem CD20-Antikörper geplant ist, auf eine mögliche Infektion mit Hepatitis B getestet werden sollen.

Gescreent werden solle, so die Empfehlung, sowohl auf Hepatitis B-Antigen (HBsAg) als auch auf Hepatitis B-Antikörper (anti-HBc), weil von der Reaktivierung HBsAg-positive/anti-HBc-positive, aber auch HBsAg-negative/anti-HBc-positive Patienten betroffen sein können. Letztere haben eine Infektion mit Hepatitis B-Viren in der Vergangenheit durchgemacht und Antikörper dagegen gebildet. Werden sie nun wegen einer Krebserkrankung mit CD20-Antikörpern behandelt, kann die Krankheit erneut ausbrechen. 

Patienten mit einer chronischen Hepatitis B sollten vor der Krebstherapie eine antivirale Prophylaxe erhalten, um der Reaktivierung der Viren vorzubeugen. Ist die Hepatitis B ausgeheilt, könne eine antivirale Prophylaxe in Erwägung gezogen werden, wenn die zu erwartende Krebstherapie ein hohes Risiko für eine Reaktivierung der Hepatitis B birgt. Die antivirale Therapie, für die verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung stehen, solle bis zu ein Jahr nach Ende der Krebstherapie fortgesetzt werden, um kein Risiko einzugehen. Alternativ könne bei Patienten mit ausgeheilter Hepatitis B, die Antikörper aufweisen (anti-HBc-positiv), eine engmaschige Überwachung erfolgen. Ergeben sich dann Anzeichen für eine Reaktivierung, könne sofort mit einer antiviralen Therapie begonnen werden. Für Krebspatienten ohne erhöhtes Risiko für Hepatitis B, die keine potenziell reaktivierende Therapie erhalten, gelten die vorbeugenden Maßnahmen nicht, wie die Leitlinie explizit formuliert.

Hepatitis B ist eine viral bedingte Entzündung der Leber, die schwere Funktionsstörungen des Organs und dessen Zerstörung bis hin zu Leberzirrhose und Leberkrebs verursachen kann.

 

Quelle:

Hwang, J. P. et al.: Hepatitis B Virus Screening for Patients With Cancer Before Therapy: American Society of Clinical Oncology Provisional Clinical Opinion Update. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 11. Mai 2015, doi: 10.1200/JCO.2015.61.3745

(kvk)

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Aktualisiert am: 24.07.2017 21:10