Untersuchung schwergemacht

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Bei starkem Übergewicht und Fettleibigkeit können Krebsvorstufen im Gebärmutterhals offenbar schlechter erkannt werden, sodass das Risiko für Krebs steigt.

Sehr stark übergewichtige und fettleibige (adipöse) Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) zu erkranken – offenbar, weil Vorstufen der Krebserkrankung bei ihnen seltener diagnostiziert werden. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Annals of Oncology.

Schon früher hatten Untersuchungen ergeben, dass stark übergewichtige und adipöse Frauen häufiger als normalgewichtige an Gebärmutterhalskrebs erkranken und daran versterben. Die Gründe dafür blieben bislang jedoch im Dunkeln. In der vorliegenden Studie nun wurden rückblickend die Daten von 944.227 Frauen im Alter von 30 bis 64 Jahren analysiert, die sich einem Zellabstrich aus dem Gebärmutterhals mit Pap-Test oder Test auf krebserregende humane Papillomviren (HPV) unterzogen. Die Kategorisierung bezüglich des Körpergewichts erfolgte anhand des Body Mass Index (BMI) in normal-/untergewichtig (bis 25 kg/m2), übergewichtig (25 bis 30 kg/m2) oder adipös (ab 30 kg/m2). 

Mit steigendem BMI zeigte sich ein niedrigeres Risiko für Krebsvorstufen im Gebärmutterhals, dafür ein höheres Risiko für Gebärmutterhalskrebs selbst. Adipöse Frauen hatten das niedrigste Fünf-Jahresrisiko für Krebsvorstufen und das höchste Fünf-Jahresrisiko für Krebs. Dies galt auch, wenn das Lebensalter der Frauen (30 bis 49 Jahre verglichen mit 50 bis 64 Jahren), Infektionen mit HPV (ja oder nein) und der histologische Subtyp der bösartigen Veränderungen (drüsenartig oder Plattenepithel) berücksichtigt wurden. Ca. 20 Prozent aller in der Studienpopulation aufgetretenen Gebärmutterhalskrebsfälle betrafen übergewichtige oder adipöse Frauen, die sich dem Früherkennungsscreening beim Frauenarzt unterzogen hatten.

Wäre starkes Übergewicht an sich ein Risikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, müsste, so die Interpretation der Autoren, auch das Risiko für die Vorstufen der Erkrankung steigen. Dies sei in dieser Untersuchung jedoch nicht der Fall gewesen. Auch die Vermutung, stark übergewichtige oder adipöse Frauen würden womöglich seltener das Früherkennungsscreening beim Frauenarzt in Anspruch nehmen, greife als Erklärung nicht, da es sich in dieser Studie ausschließlich um Frauen handelte, die die Untersuchung hatten durchführen lassen. Dies mache wahrscheinlich, dass Vorstufen von Krebs im Gebärmutterhalskrebs bei übergewichtigen und adipösen Frauen im Screening schlechter erkannt würden. Abhilfe könne nur eine Weiterentwicklung der Technik bringen, sodass verdächtige Bereiche in der Gebärmutterhalsschleimhaut besser erkannt und eine bessere Abstrichqualität gewährleistet würden.

 

Quelle:

Clarke M A et al. Epidemiologic Evidence That Excess Body Weight Increases Risk of Cervical Cancer by Decreased Detection of Precancer. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 22. Januar 2018, DOI: https://doi.org/10.1200/JCO.2017.75.3442

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.02.2018 14:08