Übelkeit und Erbrechen: Ein mitunter unterschätztes Problem

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Eine häufige Nebenwirkung von Krebstherapien ist Übelkeit und Erbrechen. Noch klafft in der Wahrnehmung der damit verbundenen Belastungen zwischen Patienten auf der einen und Ärzten und Pflegepersonal auf der anderen Seite so manche Lücke.

Übelkeit und Erbrechen sind unter Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, gefürchtet. In vielen Fällen können die Beschwerden durch Medikamente gelindert oder sogar gänzlich verhindert werden. Doch noch immer ist die Belastung durch diese Nebenwirkungen groß, was Ärzte und Pflegepersonal offenbar nicht immer in ihrem ganzen Ausmaß wahrnehmen. Dies berichteten Wissenschaftler, nachdem sie Krebspatienten, Ärzte und Pflegepersonal in fünf europäischen Ländern befragt hatten, in der Fachzeitschrift Supportive Care in Cancer. 

Die Forscher wendeten einen Fragebogen an, den 947 Personen ausfüllten. Die befragten Ärzte und Schwestern bzw. Pfleger waren für die medizinische Betreuung von Krebspatienten qualifiziert - sie hatten regelmäßig mit Patienten zu tun, die sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen mussten und hierfür vorbeugend oder therapeutisch Mittel zur Verhinderung von Übelkeit und Erbrechen anwendeten. Sie wurden danach befragt, wie oft in ihrer Wahrnehmung Krebspatienten bei Chemo- oder Strahlentherapie unter Übelkeit/Erbrechen leiden würden und welche Auswirkungen dies auf ihren Lebensalltag habe. Die Patienten, die mindestens 18 Jahre alt waren und in den vorangegangen zwei Jahren eine Chemo- und/oder Radiotherapie erlebt hatten, sollten in dem Fragebogen angeben, ob sie unter Übelkeit/Erbrechen gelitten hatten und wie sich das auf ihre Lebensqualität ausgewirkt hatte.

Dreiviertel der befragten Patienten hatten Phasen mit Übelkeit erlebt, knapp jeder fünfte musste sich dabei auch erbrechen. Ärzte und Pflegepersonal überschätzten die Häufigkeit der Beschwerden. Gleichzeitig unterschätzten sie jedoch vor allem bei leichten und mittleren Formen von Übelkeit und Erbrechen, wie stark sich die Patienten dadurch in ihrem Lebensalltag beeinträchtigt fühlten. Die Übelkeit wurde von den Patienten als fast ebenso belastend eingestuft wie das Erbrechen. Viele Patienten gaben zudem an, nicht immer gern alle Mittel zur Vorbeugung bzw. Behandlung von Übelkeit und Erbrechen einzunehmen, um nicht noch mehr Medikamente schlucken zu müssen.

Die Belastungen, die mit krebstherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen verbunden sind, werden von den Patienten und ihren Behandlern teils recht unterschiedlich erlebt, so die Zusammenfassung der Studienautoren. Hier könnten nur ehrliche Gespräche helfen, in denen offen über die Probleme gesprochen wird. Dies könne womöglich auch die Bereitschaft erhöhen, die dagegen helfenden Mittel optimal zu verschreiben bzw. einzunehmen. 

 

Quelle:

Vidall C et al. Impact and management of chemotherapy/radiotherapy-induced nausea and vomiting and the perceptual gap between oncologists/oncology nurses and patients: a cross-sectional multinational survey. Support Care Cancer. 2015;23(11):3297-305

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.09.2017 16:40