Tyrosinkinasehemmertherapie bei CML: Ein langfristiger Erfolg

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Die Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer bringt Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie langfristig gute Überlebenschancen. Das zeigt die Auswertung von Langzeitdaten.

Seitdem bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) eine gezielte Therapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib möglich ist, haben sich die Überlebensaussichten der Patienten enorm verbessert. Nun zogen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine ein Resümee nach zehnjähriger Beobachtung von CML-Patienten, die mit dem Mittel als Ersttherapie behandelt worden waren.

CML entsteht durch eine genetische Veränderung, das sogenannte Philadelphia-Chromosom. Hierbei wird Erbmaterial zwischen den Chromosomen 9 und 22 ausgetauscht („transloziert“). Zellen mit dieser Erbgutveränderung bilden das Fusionseiweiß BCR-ABL, das im Vergleich zur physiologisch gesunden Variante ABL eine aktivere Tyrosinkinase ist. Dadurch kommt es letztlich zur unkontrollierten Vermehrung der weißen Blutzellen, der Leukozyten, bei der Leukämie. Der Tyrosinkinasehemmer Imatinib nun hemmt BCR-ABL und hält den Krankheitsprozess auf.

In der jetzt berichteten Studie waren Patienten mit neu diagnostizierter CML in der chronischen Phase mit entweder Imatinib oder Interferon alfa plus Cytarabin behandelt worden. Die Hälfte der Patienten wurde 10,9 Jahre und länger nachbeobachtet. 

Zwei Drittel der Patienten, die zunächst mit Interferon plus Cytarabin behandelt worden waren, wechselten – und das meist bereits nach kurzer Zeit – auf die Imatinibtherapie, weshalb sich die aktuelle Analyse der Langzeitergebnisse auf die Patienten fokussierte, die von Anbeginn Imatinib erhalten hatten. Von ihnen waren nach zehn Jahren 83 Prozent noch am Leben. Auch hatten 83 Prozent der Patienten eine komplette zytogenetische Response erreicht, bei der das Philadelphia-Chromosom nicht mehr nachweisbar ist.

Ernsthafte Nebenwirkungen traten unter der Therapie mit Imatinib nur selten auf. Sie kamen vor allem während des ersten Behandlungsjahres vor.

Augenscheinlich, so die Studienautoren, halte die gute Wirkung von Imatinib bei CML auch langfristig an, so dass sich die Lebenserwartung der Patienten nahezu normalisieren könne. Voraussetzung ist bei den meisten Patienten allerdings eine lebenslange Einnahme des Medikaments, weshalb seine gute Verträglichkeit so wichtig sei. Mit Spätschäden müsse offenbar nicht gerechnet werden.

 

Quelle:

Hochhaus, A. et al.: Long-Term Outcomes of Imatinib Treatment for Chronic Myeloid Leukemia. New England Journal of Medicine 2017, 376:917-927

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

Weitere Nachrichten zum Thema Leukämie:

Zurück

Aktualisiert am: 28.06.2017 16:21