Trismus nach Strahlentherapie bei Kopf-Halstumoren

Nach einer Strahlentherapie im Kopf-Halsbereich kommt es mitunter zu Verklemmungen des Kiefers, einem sogenannten Trismus. In zwei Studien wurden die Häufigkeit und Risikofaktoren dieses Phänomens untersucht.

Infolge von Vernarbungen nach einer Strahlentherapie oder Operation wegen eines bösartigen Tumors im Kopf-Halsbereich kann es zum Trismus („Kieferklemme“) kommen, einem tonischen Krampf der Kaumuskulatur des Unterkiefers. Auch ein Tumor selbst kann diese Beschwerden verursachen, wenn seine Zellen in die Kaumuskulatur vordringen. Zwei Studien in der Fachzeitschrift Acta Oncologica beschäftigten sich mit dieser für die Patienten unangenehmen Nebenwirkung, wenn sie als Folge einer Strahlentherapie auftritt.

In einer der beiden Studien untersuchten Wissenschaftler anhand einer Datenbank mit 641 Patienten, wie oft es nach einer Strahlentherapie im Kopf-Halsbereich zum Trismus kam. Bei den Patienten war festgehalten worden, wie gut sie den Mund vor der Strahlentherapie öffnen konnten sowie sechs, zwölf, 18, 24, 36 und 48 Monate danach. Innerhalb von sechs Monaten nach der Strahlentherapie hatten 28 Prozent der Patienten, die zuvor keine Beschwerden diesbezüglich hatten, zum ersten Mal einen Trismus. Anschließend ging die Häufigkeit des Phänomens wieder zurück. Über den gesamten Zeitraum von 48 Monaten nach der Strahlentherapie kam Trismus mit einer Häufigkeit von 3,6 Fällen pro 10 Personen-Jahren vor. 

Patienten, die einen Tumor in der Mundhöhle, im oberen Rachen (Oropharynx), Nasenrachen, in der Speicheldrüse oder am Ohr hatten, sowie Patienten, die länger bestrahlt worden waren, hatten ein höheres Risiko, innerhalb der ersten sechs Monate nach der Bestrahlung einen Trismus zu erleiden. Auch konnten die Forscher schon an der maximal möglichen Öffnungsweite des Mundes ablesen, ob die Entwicklung eines Trismus eher wahrscheinlich war oder nicht.

In der zweiten Studie wurde an 139 Patienten untersucht, welchen Einfluss die Strahlentechnik selbst auf die Wahrscheinlichkeit für einen Trismus hatte. In dieser Studie war Trismus als maximale Öffnung zwischen den Kiefern von höchstens 35 mm definiert. Innerhalb von 16 Monaten nach Beendigung der Strahlentherapie kam bei 24 Prozent der Patienten ein Trismus vor. Auch hier spielte die Tumorlokalisation eine Rolle, aber auch die Strahlendosis, die während der Bestrahlung im Durchschnitt auf die Kaumuskulatur aufgetroffen war.

Tumorlokalisation und Strahlendosis als wichtige Risikofaktoren

Demnach kristallisierten sich in beiden Studien die Tumorlokalisation und die Strahlendosis auf die Kaumuskulatur als wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Trismus heraus. 

 

Quellen:

Van der Geer, S. J. et al.: Predictors for trismus in patients receiving radiotherapy. Acta Oncologica, Onlinevorabveröffentlichung am 14. September 2016, http://dx.doi.org/10.1080/0284186X.2016.1223341

Gebre-Medhin, M. et al.: Dose-volume analysis of radiation-induced trismus in head and neck cancer patients. Acta Oncologica, Onlinevorabveröffentlichung am 5. September 2016, http://dx.doi.org/10.1080/0284186X.2016.1221129

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.09.2017 16:40