Therapie mit Tyrosinkinasehemmern bei chronischer myeloischer Leukämie

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Auch wenn die Nieren nicht mehr ganz so gut arbeiten, ist die Therapie offenbar sicher. Regelmäßige Kontrollen müssen allerdings sein.

Seit der Einführung der zielgerichteten Therapie mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern bedeutet die Diagnose chronische myeloische Leukämie (CML) für viele Patienten nicht mehr den nahen Tod – sie können, vorausgesetzt sie nehmen ihre Medikamente regelmäßig ein, trotz der Krankheit noch viele Jahre ohne größere Beschwerden leben. Für die Mediziner stellt sich allerdings die Frage, ob bei der langjährigen Einnahme der Wirkstoffe Nebenwirkungen drohen. Hinsichtlich chronischer Nierenschädigungen geben die Ergebnisse einer neuen Studie in der Fachzeitschrift Cancer jetzt Entwarnung.

In der Studie wurden die Daten von 468 Patienten mit einer neu diagnostizierten CML in der chronischen Phase analysiert. Alle wurden mit einem Tyrosinkinasehemmer behandelt, wobei Imatinib, Dasatinib oder Nilotinib angewendet wurden. Vor dem Beginn der Therapie und regelmäßig währenddessen wurden die Nierenwerte der Patienten überprüft.

Vier Prozent der Patienten erlebten infolge der Tyrosinkinasehemmertherapie eine akute, 14 Prozent eine chronische, also anhaltende Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Beides geschah unter Imatinib signifikant häufiger als unter Dasatinib oder Nilotinib. Doch nicht nur die Art des Tyrosinkinasehemmers hatte Einfluss darauf, ob eine chronische Nierenschädigung während der Behandlung wahrscheinlicher eintrat oder nicht – auch das Lebensalter der Patienten und ihre Vorgeschichte hinsichtlich Bluthochdruck und Diabetes mellitus spielten eine Rolle.

Eine weitere Besonderheit ergab sich in Hinblick auf bereits zu Beginn der Tyrosinkinasehemmertherapie bestehende Nierenschäden. Bei Patienten, die vor der Therapie keine chronischen Nierenschäden aufwiesen, verschlechterte sich die Nierenfunktion unter der Einnahme von Imatinib mit der Zeit. Bei Patienten mit einer chronischen Nierenfunktionsstörung in der Vergangenheit jedoch geschah dies nicht. Im Gegenteil: Bei allen drei Tyrosinkinasehemmern verbesserte sich nach drei Monaten Behandlung die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) als ein Maß für die Nierenfunktion sogar, unter Nilotinib am meisten.

Ob eine akute oder chronische Nierenfunktionsstörung auftrat oder nicht, spielte für die Wirksamkeit der Leukämiebehandlung keine Rolle. Nach Ansicht der Studienautoren sei der Einsatz von Tyrosinkinasehemmern bei CML-Patienten mit chronischer Nierenschädigung gut möglich. Allerdings sollten die Nierenwerte der Patienten regelmäßig untersucht werden, um kein Risiko einzugehen.

 

Quelle:

Yilmaz, M. et al.: Estimated glomerular filtration rate changes in patients with chronic myeloid leukemia treated with tyrosine kinase inhibitors. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 28. Juli 2015, DOI: 10.1002/cncr.29587

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.09.2017 14:22