Therapie beim Merkelzellkarzinom

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Eine adjuvante Strahlentherapie nach der Operation ist offenbar nur bei lokal begrenzten Stadien der Erkrankung lebensverlängernd, die adjuvante Chemotherapie möglicherweise überhaupt nicht. Darauf deuten die Ergebnisse einer rückblickenden Analyse.

Ein seltener Tumor der Haut ist das sogenannte Merkelzellkarzinom. Es neigt dazu, nach der Operation zurückzukommen, weshalb versucht wird, mit unterstützender (adjuvanter) Strahlentherapie und im ganzen Körper (systemisch) wirkender Chemotherapie das Rückfallrisiko zu senken. Doch lohnt sich dieses Vorgehen offenbar nur in bestimmten Tumorstadien, wie die Ergebnisse einer Studie in der Fachzeitschrift Journal of the National Cancer Institute jetzt nahelegen.

Seltener Tumor, der metastasieren kann

Das Merkelzellkarzinom, das vermutlich mit dem weit verbreiteten Merkelzell-Polyomavirus (MCV) in Verbindung steht, tritt vor allem in Körperregionen auf, die häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, etwa dem Gesicht, den Armen und Beinen. Meist erscheint es als rötlich-violetter, halbkugeliger oder kugeliger, manchmal auch als plaqueförmiger Tumor auf der Haut. Insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, wenn die Ausbreitung in andere Organe (Metastasierung) bereits eingesetzt hat, lassen die bislang verfügbaren Therapien keine Heilung mehr zu.

In der vorliegenden Studie wurden die Daten von 6.908 Patienten mit Merkelzellkarzinom hinsichtlich Tumorstadium, Therapie und Überleben analysiert. Andere Faktoren, die die Prognose beeinflussen, wie Lebensalter, Geschlecht, Begleiterkrankungen, Operationserfolg (Tumorränder), die Größe des ursprünglichen Tumors, sein Entstehungsort und ein Lymphknotenbefall wurden berücksichtigt.

Adjuvante Strahlentherapie im frühen Stadium lebensverlängernd

Patienten mit einem lokal begrenzten Merkelzellkarzinom im Stadium I oder II hatten bessere Überlebensaussichten, wenn sie zusätzlich zur Operation eine adjuvante Strahlentherapie erhielten. Bei Patienten, bei denen bereits Lymphknoten befallen waren (Stadium III), konnten weder eine adjuvante Strahlentherapie noch eine adjuvante Chemotherapie die Überlebensaussichten verbessern.

Schlussfolgerungen der Autoren

Es handelte sich um eine rückblickende Analyse, so die Studienautoren, weshalb die Aussagekraft der Studie begrenzt sei. Dennoch müsse zur Kenntnis genommen werden, dass in dieser Studie Patienten mit Lymphknotenbefall bei Merkelzellkarzinom in Bezug auf das Überleben nicht zusätzlich von einer adjuvanten Strahlen- oder Chemotherapie profitierten. Hingegen bestätigte sich der vorteilbringende Einsatz adjuvanter Strahlentherapie in frühen Stadien der Erkrankung.

 

Quelle:

Bhatia, S. et al.: Adjuvant Radiation Therapy and Chemotherapy in Merkel Cell Carcinoma: Survival Analyses of 6908 Cases From the National Cancer Data Base. Journal of the National Cancer Institute, 2016, 108(9):djw042

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05