Therapie bei chronischer myeloischer Leukämie aussetzen

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Die Therapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib kann bei chronischer myeloischer Leukämie, die gut angesprochen hat, unter bestimmten Umständen unterbrochen werden, ohne dass dies den Behandlungserfolg schmälert.

Spricht eine chronische myeloische Leukämie (CML) so gut auf die Behandlung mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib an, dass zwei Jahre lang keine minimale Resterkrankung („minimal residual disease“, MRD) mehr nachweisbar ist, kann die Therapie unterbrochen werden, ohne Einbußen in der Lebenserwartung befürchten zu müssen. Dies bestätigte sich in einer Untersuchung zum Langzeitverlauf nach der Therapieunterbrechung, wie aus einem Bericht von Wissenschaftlern in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology hervorgeht.

Je weniger krankhafte Zellen nach dem Ansprechen der Therapie noch im Körper vorhanden sind, desto besser sind die Überlebensaussichten. Ermittelt werden kann deshalb neben dem Ansprechen auf die Behandlung auch, ob eine minimale Resterkrankung vorhanden ist oder nicht. In der aktuellen Studie konzentrierten sich die Forscher auf 100 Patienten mit CML, bei denen mindestens zwei Jahre lang keine minimale Resterkrankung nachweisbar war, weshalb ihre Behandlung mit Imatinib unterbrochen wurde. Die Patienten wurden nach dem Absetzen der Therapie engmaschig überwacht – eine Maßnahme, die notwendig ist, um ein Wiederaufflackern der Leukämie rechtzeitig zu bemerken und eine erneute Therapie zu veranlassen.

Mehr als ein Drittel der Patienten nach fünf Jahren noch rückfallfrei

Die Auswertung der Daten erfolgte, nachdem die Hälfte der Patienten sechseinhalb Jahre und länger begleitet worden war. Bei 61 Patienten waren bis 22 Monate nach Absetzen der Therapie wieder krankhafte Zellen nachweisbar. Nach sechs Monaten waren noch 43 Prozent der Patienten ohne molekularen Rückfall, nach 60 Monaten noch 38 Prozent. Ein molekularer Rückfall bedeutet ein Wiederauftreten krankhafter Zellen, wodurch sich in der Untersuchung ein positiver Befund in puncto minimaler Resterkrankung ergibt. Bei 57 der 61 Patienten mit molekularem Rückfall wurde die Therapie mit Imatinib erneut gestartet. 55 von ihnen erreichten ein zweites Mal einen negativen Befund hinsichtlich der minimalen Resterkrankung, es konnten also keine Restzellen mehr gefunden werden. Dies gelang innerhalb von einem bis 16 Monaten. Bei keinem der Patienten schritt die CML weiter voran. 

Nach einem Rückfall kann die Therapie wieder aufgenommen werden

Die Studie zeige, dass die Therapie mit Imatinib nach Erreichen eines mindestens zwei Jahre anhaltenden negativen Befunds hinsichtlich minimaler Resterkrankung unterbrochen werden kann. Sollte ein Rückfall auftreten, ist die Wiederaufnahme der Therapie problemlos möglich, ein erneutes gutes Ansprechen gelingt in den meisten Fällen.

 

Quelle:

Etienne, G. et al.: Long-Term Follow-Up of the French Stop Imatinib (STIM1) Study in Patients With Chronic Myeloid Leukemia. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 3. Oktober 2016, doi: 10.1200/JCO.2016.68.2914

 

(kvk)

 

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Aktualisiert am: 25.07.2017 17:23