Therapie bei chronischer myeloischer Leukämie auch verzögert möglich

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Eine Tyrosinkinasehemmertherapie kann unter bestimmten Umständen auch dann erfolgreich sein, wenn sie nicht sofort nach der Diagnose beginnt

Neue systemische Therapien, sogenannte zielgerichtete Therapien und Immuntherapien, haben Einzug in die Behandlung von Krebserkrankungen gehalten – mit teils vielversprechenden Ergebnissen. Doch längst nicht in allen Ländern Europas haben die Patienten leichten Zugang zu diesen Therapien. Eine Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte, wie erfolgreich die zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinasehemmern bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) sein kann, wenn sie mit einer zeitlichen Verzögerung beginnt. Die Forscher berichteten über ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift British Journal of Haematology.

Ausgewertet wurden die Daten von CML-Patienten aus Bosnien. Nur 16 Prozent von ihnen erhielten demnach innerhalb von drei Monaten eine Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer. Bei 66 Prozent der Patienten hingegen begann diese Therapie erst später. Für ihre Analyse bildeten die Forscher drei Gruppen: Therapiebeginn 0-5 Monate, 6-12 Monate und später als 13 Monate. Untersucht wurde, welche Therapieerfolge jeweils nach einem Jahr Behandlung erreicht waren.

Je früher mit einer Therapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib begonnen worden war, desto größer war die Wahrscheinlichkeit für eine komplette zytogenetische Remission. Hierbei verschwinden nicht nur die krankhaften Zellen im Blut und Knochenmark, auch das sogenannte Philadelphia-Chromosom kann bei einer Chromosomenanalyse im Knochenmark nicht mehr nachgewiesen werden. Bei zwei Drittel der Patienten aus der Gruppe 0-5 Monate hatte sich innerhalb von zwölf Monaten nach Beginn der Therapie eine komplette zytogenetische Remission eingestellt, in der Gruppe 6-12 Monate war dies bei 18 Prozent der Fall, in der Gruppe > 13 Monate bei 15 Prozent. Ähnlich verhielt es sich mit dem molekularen Ansprechen, der sogenannte major molekularen Remission. Sie liegt vor, wenn die Tumorlast verglichen mit dem Ausgangswert mindestens um den Faktor 1.000 gesenkt wurde, und auch sie war in der Studie deutlich wahrscheinlicher, wenn die Therapie mit Imatinib frühzeitig begonnen hatte.

Bei einem anderen Tyrosinkinasehemmer jedoch spielte der Therapiebeginn offenbar keine Rolle. So waren die Raten der kompletten zytogenetischen Remission und der major molekularen Remission bei Patienten, die mit Nilotinib behandelt wurden, unabhängig vom Therapiebeginn.

Verzögerungen des Therapiebeginns bei chronischer myeloischer Leukämie müssen offenbar nicht zwangsläufig zu einem schlechteren Behandlungsergebnis führen, so die Studienautoren. Werde der aktivere Tyrosinkinasehemmer Nilotinib eingesetzt, seien auch bei einem späteren Therapiebeginn keine ungünstigeren Krankheitsverläufe zu erwarten.

 

Quelle:

Kurtovic-Kozaric, A. et al.: The reality of cancer treatment in a developing country: the effects of delayed TKI treatment on survival, cytogenetic and molecular responses in chronic myeloid leukaemia patients. British Journal of Haematology, Onlinevorabveröffentlichung am 11. November 2015, DOI: 10.1111/bjh.13843

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05