Test auf Blut im Stuhl nicht überall gleich gut im Darm

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Tumoren, die sich im rechtsseitigen Darmabschnitt befinden, werden durch den immunologischen Test auf verdecktes Blut im Stuhl offenbar weniger zuverlässig aufgedeckt, als Tumoren im linksseitigen Darm.

Seit dem Sommer dieses Jahres kann beim Früherkennungstest auf Darmkrebs anstelle des bis dato etablierten Guajak-Tests ein immunologischer Test auf verdecktes Blut im Stuhl (iFOBT) angewendet werden. Damit lässt sich im Stuhl vorhandenes Blut, das ein Hinweis auf Darmkrebs sein kann, nachweislich sicherer erkennen als beim Guajak-Test. Besonders zuverlässig ist der Test offenbar im linksseitigen (distalen, also „körperzentrumsentfernten“) Abschnitt des Dickdarms, der zum Anus führt, weniger jedoch im rechtsseitigen (proximalen, also „körperzentrumsnahen“) Abschnitt. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine.

In der Studie wurden rückblickend die Daten von 123.374 Personen ausgewertet, die sich im Alter von 50 bis 69 Jahren in jeweils sechs Screeningrunden einem immunologischen Stuhltest unterzogen hatten. Lag bei einer solchen Untersuchung ein positiver Befund vor, wurde dem Betroffenen angeboten, bei einer Darmspiegelung untersuchen zu lassen, ob es sich um Krebs handelt oder nicht.

 Anhand der 441.647 Stuhluntersuchungen wurden 1.704 fortgeschrittene Adenome, also Polypen, aus denen sich Krebs entwickeln kann, und 200 bösartige Tumoren im rechtsseitigen (proximalen) Darmabschnitt entdeckt, ferner 3.703 Adenome und 324 bösartige Tumoren im linksseitigen (distalen) Darmabschnitt sowie 1.220 Adenome und 209 bösartige Tumoren im Enddarm (Rektum). Die Krebsraten im linksseitigen (distalen) Abschnitt und im Enddarm gingen über die sechs Screeningrunden kontinuierlich zurück. Die Krebsrate im rechtsseitigen (proximalen) Abschnitt hingegen sank nur von der ersten zur zweiten Runde und blieb anschließend stabil. Ähnliches galt für die Häufigkeit von Adenomen. 

Darüber hinaus wurden 150 Krebsfälle zwischen den Screeningrunden entdeckt. Solche Erkrankungsfälle werden als „Intervallkarzinome“ bezeichnet, weil sie im Intervall zwischen zwei Untersuchungen zutage treten. Intervallkarzinome werden also entweder im Screening nicht erkannt oder entwickeln sich vor dem nächsten Screeningtermin. Je höher die Rate an Intervallkarzinomen ist, desto weniger effizient ist die Screeninguntersuchung und umgekehrt. In der Studie war die Rate solcher Intervallkarzinome im rechtsseitigen (proximalen) Darmabschnitt höher als im linksseitigen (distalen) Abschnitt und im Enddarm.

Normalerweise, so die Studienautoren, würde die Entdeckungsrate von (vor allem fortgeschrittenen) Adenomen und Krebsfällen von Screeningrunde zu Screeningrunde zurückgehen, wenn die Untersuchung effizient ist und entdeckte Tumoren bei der sich anschließenden Darmspiegelung gleich entfernt werden. Dies war allerdings nur bei linksseitigen (distalen) und im Enddarm gelegenen Tumoren der Fall. Bei der Früherkennung von rechtsseitigen (proximal gelegenen) Tumoren sei der iFOBT somit offenbar weniger effizient. Den Ursachen dafür müsse auf den Grund gegangen werden.

 

Quelle:

Zorzi M et al. Divergent Long-Term Detection Rates of Proximal and Distal Advanced Neoplasia in Fecal Immunochemical Test Screening Programs: A Retrospective Cohort Study. Annals of Internal Medicine, Onlinevorabveröffentlichung am 2. Oktober 2018, DOI: 10.7326/M18-0855

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 11.12.2018 16:42