Teilnahme am Darmkrebsscreening: Was steigert die Motivation?

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Wenn der Einladung gleich ein Testbrief beigelegt wird, kommen mehr Personen der Aufforderung zur Teilnahme am Screening für die Früherkennung von Darmkrebs nach.

Es scheint mitunter eine Sisyphos-Arbeit: Da werden aufwändige Aufklärungskampagnen gestartet, detailreiche, faktenliefernde Broschüren erstellt und verbreitet, Einladungen verschickt – und trotzdem bleiben die Teilnahmequoten am Darmkrebsscreening noch immer zu gering. Doch nun offenbart sich womöglich eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, die Quoten um Einiges zu steigern: Einer Studie in der Fachzeitschrift Cancer zufolge können deutlich mehr Menschen zur Teilnahme am Früherkennungsscreening auf Darmkrebs motiviert werden, wenn dem Einladungsschreiben an die Versicherten gleich ein immunologischer Stuhltest und ein frankierter Rückumschlag beigelegt werden.

Die Überlegungen hinter einem solchen Vorgehen sind nachvollziehbar: Jeder kennt den Impuls, den ein Einladungsschreiben mit entsprechendem Informationsmaterial auslösen kann: „Gleich morgen werde ich mir einen entsprechenden Termin beim Arzt oder den Test aus der Apotheke holen“. Doch jeder kennt auch die Probleme, die einen schlussendlich doch davon abhalten, tatsächlich das Screening durchzuführen: Die zunächst ausgelösten Ängste vor einer möglichen Krebserkrankung werden rasch wieder verdrängt, für die Anmeldung beim Arzt, um einen Screeningtermin zu bekommen, bleibt in der Hektik des Alltags gefühlt keine Zeit, der Gang zur Apotheke, um einen Stuhltest zu erwerben, wird von Tag zu Tag aufgeschoben und gerät schließlich gänzlich in Vergessenheit.

Die Forscher der aktuellen Studie aus den USA machten da kein langes Federlesen: Sie schrieben Frauen und Männer im Alter zwischen 52 und 64 Jahren, die noch keine Darmkrebserkrankung gehabt hatten und weder einen Stuhltest im Jahr zuvor, noch eine Darmspiegelung in den zuvor vergangenen fünf Jahren hatten durchführen lassen, mit einem Einladungsschreiben an. Eine Hälfte der Empfänger erhielt lediglich die Aufforderung, einen immunologischen Stuhltest durchführen zu lassen, bei der anderen Hälfte wurde das Testpaket gleich beigelegt.

21 Prozent der Angeschriebenen nutzten den beigelegten Stuhltest und schickten die Proben zurück. Von denen, die eingeladen worden waren, sich aber den Test erst noch selbst bestellen oder beim Arzt abholen mussten, kamen nur zwölf Prozent der Aufforderung nach.

Bei insgesamt 18 Personen ergab sich in den Tests ein auffälliger Befund – 15 von ihnen hätten sich aus medizinischer Sicht bedenkenlos einer Darmspiegelung zur Abklärung unterziehen können, schlussendlich wurde die Darmspiegelung bei zehn von ihnen, also zwei Drittel, auch tatsächlich durchgeführt. Dies zeigt: Selbst, wenn der erste Schritt zur Teilnahme am Darmkrebsscreening gemacht ist, garantiert dies noch lange nicht, dass im Bedarfsfall auch die weiteren unternommen werden. Lösungen, wie die Motivation, am Screening teilzunehmen, erhöht werden könnte, bleiben also gefragt.

 

Quelle:

Brenner A T et al. Comparative effectiveness of mailed reminders with and without fecal immunochemical tests for Medicaid beneficiaries at a large county health department: A randomized controlled trial. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 13. Juli 2018, https://doi.org/10.1002/cncr.31566

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 09.12.2018 17:33