Talgdrüsenkarzinom nach Organtransplantation

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Das Risiko ist erhöht, was vermutlich auf die mit der Transplantation verbundene, gewollte Schwächung des Immunsystems zurückgeht.

Nach einer Organtransplantation haben die Betroffenen aufgrund ihres eingeschränkten Immunsystems ein erhöhtes Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen. Darunter offenbar auch für Talgdrüsenkarzinome, wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology schreiben.

Wenn eine Organtransplantation dauerhaft erfolgreich sein soll, müssen die Betroffenen meist lebenslang Medikamente einnehmen, mit denen sie ihr Immunsystem dämpfen (Immunsuppression). Dadurch kann verhindert werden, dass sich die körpereigene Abwehr gegen das fremde Organ richtet und es abstößt. In der aktuellen registerbasierten Kohortenstudie wurden die Daten von 301.075 US-amerikanischen Patienten ausgewertet, die eine Organtransplantation erhalten hatten.  

Insgesamt entwickelten sich im Beobachtungszeitraum 102 Talgdrüsenkarzinome. Es handelt sich bei diesen Karzinomen um eine äußerst seltene Krebsart. Das Erkrankungsrisiko der Transplantierten war demnach gegenüber der Allgemeinbevölkerung etwa 25-fach erhöht. Besonders erhöht war es nach einer Lungentransplantation und wenn bei den Patienten nach der Organtransplantation bereits ein Plattenepithelkarzinom der Haut diagnostiziert worden war – eine Form von hellem Hautkrebs, die ebenfalls nach Organtransplantationen gehäuft vorkommt. Ein weiterer Risikofaktor war ein erhöhtes Lebensalter. Zudem stieg das Risiko für Talgdrüsenkarzinome, je länger die Organtransplantation zurücklag. Die Überlebensaussichten waren bei den transplantierten Patienten mit Talgdrüsenkarzinom geringer als bei Patienten, die ohne vorangegangene Transplantation an dem Krebs erkranken.

Offenbar, so die Annahme der Studienautoren, bewirke die mit einer Organtransplantation verbundene Immunsuppression einen Anstieg des Risikos für Talgdrüsenkarzinome. Womöglich könne, so wie bei Plattenepithelkarzinomen der Haut auch, das UV-Licht eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen.

 

Quelle:

Sargen MR et al. Sebaceous Carcinoma Incidence and Survival Among Solid Organ Transplant Recipients in the United States, 1987-2017. JAMA Dermatology, Onlinevorabveröffentlichung am 4. November 2020, doi:10.1001/jamadermatol.2020.3111

 

(KvK)

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