Supportive Therapie: Kein Anhängsel, sondern integraler Bestandteil der Krebstherapie

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In einer neuen S3-Leitlinie werden aktuelle wissenschaftlich begründete und konsensbasierte Empfehlungen für supportive Maßnahmen ausgesprochen.

Damit Krebspatienten die überlebensnotwendigen, aber oft auch aggressiven Tumortherapien gut vertragen können und keine zu starken Nebenwirkungen erleiden müssen, werden auch sogenannte supportive, also unterstützende Therapien erforscht und entwickelt. Unter Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie und der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie wurde innerhalb des Leitlinienprogramms Onkologie, das von der Deutsche Krebshilfe gefördert wird, eine neue S3-Leitlinie erstellt, die anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse Empfehlungen für Supportivmaßnahmen bei bestimmten Nebenwirkungen ausspricht: Bei tumorbedingter Blutarmut (Anämie), einem Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie), Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Schleimhautentzündungen, Hautveränderungen wie Hand-Fuß-Syndrom, Hautausschlag und Rash (Hautrötung), Schädigungen der peripheren Nerven und Knochenkomplikationen. Auch strahlenbedingte Nebenwirkungen und Probleme bei Infusionen („Danebenlaufen“ der Infusionslösung ins Gewebe) stehen im Fokus der neuen Leitlinie.

Unter tumorbedingter Blutarmut leidet oft schon ein Großteil der Patienten, wenn die Tumordiagnose zum ersten Mal gestellt wird. Eine Blutübertragung (Transfusion) sollte laut Leitlinie erst spät in Betracht gezogen werden, wenn die Blutwerte bestimmte kritische Werte unterschritten haben. Möglich ist die Gabe von Mitteln, die die Blutbildung anregen (Erythropoese-stimulierende Mittel), was bei einem erfolgreichen Anschlagen die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann.

Wenn es infolge von Chemotherapie zu einer Schädigung von Nerven kommt, können durch sensomotorisches Training Verbesserungen erzielt werden. Dieses kann auch schon begleitend zur Chemotherapie durchgeführt werden. Um bei Brustkrebspatientinnen mit Knochenmetastasen Knochenkomplikationen zu vermeiden, wird das Biscarbonat Zoledronsäure eingesetzt. Die neue Empfehlung sieht vor, nach einer einjährigen Therapie in vierwöchigen Intervallen auf zwölfwöchige Intervalle zu wechseln.

Keine Empfehlung hingegen konnte zur Vorbeugung von chemotherapiebedingtem Durchfall ausgesprochen werden: Für die bekannten Mittel Budesonid, Heilerde, Cyclosporin, Glutamin, Neomycin und Octreotid liegen offenbar keine Nachweise für eine gute Wirksamkeit vor. Lediglich der Einsatz von Synbiotika bei einer Chemotherapie mit 5-Fluoruracil erhielt eine schwache Empfehlung. Unkomplizierte Durchfälle (Grad 1 und 2) können, so die Leitlinie, mit Loperamid behandelt werden.

Die Leitlinie macht deutlich, dass Supportivtherapie ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie bei Krebserkrankungen ist. Sie behandelt und verhindert Komplikationen der Krebserkrankung und der Krebstherapie. Und: Die Erforschung von krebsbedingten Beschwerden und therapiebedingten Nebenwirkungen, ihrer Therapie und Prophylaxe ist noch längst nicht am Ende angekommen.

 

Quelle:

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen - Langversion 1.1, 2017, AWMF Registernummer: 032/054OL, http://leitlinienprogramm- onkologie.de/Supportive-Therapie.95.0.html

Jordan, K. et al.: Supportive Therapie bei onkologischen Patienten. Dtsch Arztebl Int 2017, 114:481–7

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.09.2017 14:22