Strahlentherapie bei Hirnmetastasen: Stereotaktisch verträglicher als herkömmlich

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Nach der Operation ist die stereotaktische Radiochirurgie eine verträglichere und ebenso gut wirksame Alternative zur herkömmlichen Ganzhirnbestrahlung.

Wenn sich Patienten mit Hirnmetastasen nach der Operation einer Strahlentherapie unterziehen, sinkt ihr Risiko für einen Rückfall (s. Meldung DKG vom 15. September 2017). Schonender als bei einer Bestrahlung des ganzen Gehirns, wie es bei der herkömmlichen Strahlentherapie üblich ist, kann diese Therapie mit der sogenannten stereotaktischen Radiochirurgie erfolgen. Wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Lancet Oncology berichteten, sind bei dieser Methode keine Einbußen in der Wirksamkeit zu befürchten.

Bei der stereotaktischen Radiochirurgie wird ein kleiner Krankheitsherd in einer Sitzung mit einer sehr hohen Strahlendosis bestrahlt. Die Strahlen treffen aus verschiedenen Richtungen im Tumorgewebe ein und addieren sich dort zur Gesamtdosis. Dies schont das umgebende gesunde Hirngewebe.

An der Studie nahmen 194 Patienten ab 18 Jahren teil, die nach der Operation von Hirnmetastasen in entsprechenden Zentren in den USA oder Kanada entweder eine herkömmliche Ganzhirnbestrahlung in mehreren Sitzungen oder eine einzelne stereotaktische Radiochirurgie erhielten. Hinsichtlich ihrer Wirksamkeit waren die beiden Bestrahlungsmethoden vergleichbar, in beiden Gruppen überlebte die Hälfte der Patienten mindestens ein Jahr. Jedoch erwies sich die stereotaktische Strahlenchirurgie in puncto kognitive Einschränkungen als verträglicher – Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit traten zum einen nach der stereotaktischen Radiochirurgie später auf als nach der Ganzhirnbestrahlung und waren zum anderen nach sechs Monaten auch seltener. Allerdings erlebten mehr Patienten, die sich der stereotaktischen Radiochirurgie unterzogen hatten, Hörprobleme.

Nach Ansicht der Studienautoren stellt die stereotaktische Radiochirurgie eine verträglichere Alternative zur herkömmlichen Ganzhirnbestrahlung nach der Operation von Hirnmetastasen dar, die gleichermaßen gut bei der Vorbeugung von Rückfällen wirkt.

 

Quelle:

Brown, P. D. et al.: Postoperative stereotactic radiosurgery compared with whole brain radiotherapy for resected metastatic brain disease (NCCTG N107C/CEC•3): a multicentre, randomised, controlled, phase 3 trial. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 4. Juli 2017, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(17)30441-2

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07