Strahlendosis sinkt: Risiko für zweite Krebserkrankung auch

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Das Risiko, erneut an Krebs zu erkranken, ist bei Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter mit der Einführung verringerter Strahlendosen und seltenerer Bestrahlung gesunken.

Niedrigere Strahlendosen in der Bestrahlung von an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen gehen offenbar mit einem geringeren Risiko für spätere Zweittumoren einher. Das berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA.

Immer wieder wird die Therapie bei Krebserkrankungen gründlich abgewogen: Sie muss so aggressiv wie nötig sein, um den Krebs wirksam zu bekämpfen, aber auch so schonend wie möglich, um vor allem späte und anhaltende Schäden zu vermeiden. In den 1990er Jahren war deshalb bei der Strahlentherapie von an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen ein Trend zu niedrigeren Strahlendosen zu beobachten. Nun untersuchten Wissenschaftler rückblickend anhand der Daten von 23.603 Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter, ob und wie sich dieser Trend auf die Häufigkeit von zweiten Krebserkrankungen auswirkte.

Bei allen Patienten war der Krebs vor dem 21. Lebensjahr diagnostiziert worden (Durchschnittsalter bei der Diagnose knapp acht Jahre), sie alle waren fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Die häufigsten Erstdiagnosen waren akute lymphatische Leukämie (ALL), Hodgkin-Lymphom und Astrozytom, ein Hirntumor. Während des Beobachtungszeitraums von durchschnittlich 20,5 Jahren traten bei 1.639 Patienten 3.115 weitere Tumorerkrankungen auf, davon 1.026 Krebserkrankungen, 233 gutartige Meningeome (ein Tumor der Hirnhaut) und 1.856 Fälle von hellem Hautkrebs. Die häufigsten zweiten Krebsarten waren Brust- und Schilddrüsenkrebs. 

Die Häufigkeit, mit der Patienten innerhalb von 15 Jahren nach der Diagnose der ersten Krebserkrankung an einem zweiten Tumor erkrankten, lag in den 1970er Jahren bei 2,1 Prozent, in den 1980er Jahren bei 1,7 Prozent und in den 1990er Jahren bei 1,3 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil derer, die eine Strahlentherapie erhielten, zurück: Er lag im Jahr 1970 bei 77 Prozent der Patienten, im Jahr 1990 bei 33 Prozent. Auch die eingesetzten Strahlendosen sanken. In der statistischen Analyse zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen den reduzierten Strahlendosen und zweiten Krebserkrankungen, Meningeomen und hellem Hautkrebs.

Nichtsdestotrotz bleibe das Risiko für eine zweite Krebserkrankung bei Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter erhöht, so ein Fazit der Studienautoren.

 

Quelle:

Turcotte, L. M. et al.: Temporal Trends in Treatment and Subsequent Neoplasm Risk Among 5-Year Survivors of Childhood Cancer, 1970-2015. JAMA 2017;317(8):814-824

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 19.11.2017 23:25