Strahlenchemotherapie bei Analkrebs nicht unterbrechen oder zu früh beenden

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Bleibt eine Strahlenchemotherapie bei Analkrebs unvollständig oder wird zwischendurch unterbrochen, kann es zu Einbußen beim Therapieerfolg kommen.

Mit einer kombinierten Strahlenchemotherapie können bei Analkrebs gute Behandlungsergebnisse erzielt werden. Unterbrechungen oder gar ein vorzeitiger Abbruch der Therapie allerdings wirken sich nachteilig aus, wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA Oncology berichteten.

In der rückblickenden bevölkerungsbasierten Kohortenstudie werteten die Forscher die Daten von 1.125 Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom des Anus im Stadium I-III aus, die zwischen 2007 und 2015 in Ontario, Kanada, mit einer Strahlentherapie oder kombinierten Strahlenchemotherapie behandelt worden waren. Bei allen Patienten bestand die Hoffnung, sie durch die Behandlung von der Krankheit heilen zu können.

Als Therapieunterbrechung galt es, wenn mindestens sieben Tage zwischen zwei Bestrahlungssitzungen vergingen. Die Strahlentherapie war vollständig absolviert, wenn eine Gesamtdosis von mindestens 45 Gy bzw. 25 Bestrahlungssitzungen stattgefunden hatten. Eine Strahlenchemotherapie galt als vollständig abgeschlossen, wenn die Strahlentherapie vollständig durchgeführt und zwei Dosen einer Kombinationschemotherapie verabreicht worden waren.

Bei fast einem Viertel der Patienten kam es zu Therapieunterbrechungen. Die Strahlentherapie wurde bei 18 Prozent der Patienten, die Strahlenchemotherapie bei 25 Prozent der Patienten nicht vollständig durchgeführt. Ältere Patienten über 70 Jahre führten die Strahlenchemotherapie seltener vollständig durch als Patienten unter 50 Jahren. Auch absolvierten Patienten mit einer höheren Zahl von Begleiterkrankungen seltener die Strahlenchemotherapie vollständig. Jedoch konnten keine Faktoren festgestellt werden, die für eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Therapieunterbrechung sprachen.

Wer die Strahlenchemotherapie nicht vollständig absolvierte, hatte ein höheres Risiko, dass die Krankheit weiter voranschritt und eine größere Operation notwendig wurde. Auch das Risiko, an der Erkrankung zu sterben, nahm zu, wenn die Strahlenchemotherapie unvollständig blieb. Hingegen hatten Therapieunterbrechungen von mehr als sieben Tagen allein keinen Einfluss auf das Sterberisiko.

Offenbar, so die Schlussfolgerungen der Studienautoren, erlebt ein nicht unerheblicher Teil von Patienten mit Analkrebs bei Strahlenchemotherapie mit kurativer Absicht eine Unterbrechung der Behandlung oder führt die Therapie nicht vollständig durch. Die Qualität der Behandlung müsse deshalb verbessert werden, damit Therapieunterbrechungen oder vorzeitige Abbrüche vermieden werden könnten.

 

Quelle:

Raphael MJ et al. Factors Associated With Chemoradiation Therapy Interruption and Noncompletion Among Patients With Squamous Cell Anal Carcinoma. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 23. April 2020, doi:10.1001/jamaoncol.2020.0809

 

(KvK)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

Zurück

Zuletzt aufgerufen am: 22.10.2020 16:24