Strahlen- und Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Nasenrachenkrebs langfristig effektiv

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Bei lokal fortgeschrittenem Nasenrachenkrebs eine kombinierte Strahlenchemotherapie durchzuführen, zahlt sich langfristig aus, wie aktuelle Studiendaten belegen.

Nicht selten ist Nasenrachenkrebs, das sogenannte Nasopharynxkarzinom, bei der Diagnose bereits lokal bzw. lokoregional fortgeschritten: Die Tumoren sind groß und/oder haben sich in die nähere Umgebung ausgebreitet. In einem solchen Fall kann eine Kombination von Strahlentherapie und Chemotherapie gefolgt von unterstützender, also adjuvanter Chemotherapie langfristig gute Behandlungserfolge erzielen. Das berichteten Wissenschaftler nach Auswertung von Studiendaten in der Fachzeitschrift Cancer.

Lange Zeit war die alleinige Strahlentherapie der Standard bei der nicht-operativen Behandlung von fortgeschrittenem Nasenkrebs. Die Kombination mit Chemotherapie kann den Betroffenen einen zusätzlichen Überlebensvorteil verschaffen, wie schon frühere Untersuchungen zeigten. Doch war bislang noch unklar, wie dieser Erfolg langfristig einzuschätzen ist.

In der aktuellen Studie wurden 176 Patienten mit alleiniger Strahlentherapie und 172 Patienten gleichzeitig mit Strahlentherapie und einer Chemotherapie mit Cisplatin gefolgt von adjuvanter Chemotherapie mit Cisplatin und Fluorouracil behandelt. Alle waren an lokal oder lokoregional fortgeschrittenem Nasenrachenkrebs erkrankt (Stadien T 1-4 mit befallenen umliegenden Lymphknoten N2-3, jedoch ohne Befall anderer Organe, also ohne Fernmetastasen M0).

In der Strahlenchemotherapiegruppe erreichten zwei Drittel der Patienten ein Zehn-Jahres-Überleben ohne Krankheitsrückfall, in der alleinigen Strahlentherapiegruppe gelang dies bei der Hälfte. Die zusätzliche Chemotherapie ermöglichte eine signifikant bessere Tumorkontrolle am Entstehungsort des Tumors und in seiner Umgebung. Auf die Entstehung von Fernmetastasen in anderen Organen allerdings hatte die zusätzliche Chemotherapie keinen signifikanten Einfluss. 

Anfangs traten unter der Strahlenchemotherapie erwartungsgemäß mehr Nebenwirkungen auf als unter der alleinigen Strahlentherapie. Mit zunehmendem Verlauf jedoch glichen sich die beiden Gruppen in Hinblick auf Spätschäden der Therapie an – nach zehn Jahren gab es keinen signifikanten Unterschied in puncto späte Nebenwirkungen oder Sterbefälle aufgrund von späten therapiebedingten Schädigungen.

Nach zehn Jahren war der Unterschied im Gesamtüberleben zwischen der Strahlenchemotherapiegruppe und der Strahlentherapiegruppe zum ersten Mal signifikant zugunsten der kombinierten Therapie. Nach Einschätzung der Studienautoren sei es unumgänglich, noch wirksamere Therapien für eine bessere Kontrolle von Fernmetastasen zu entwickeln. Dies betreffe vor allem Patienten mit einem großen, lokal weit ausgedehnten Tumor im Stadium IV.

 

Quelle:

Lee, A. W. M. et al.: A multicenter, phase 3, randomized trial of concurrent chemoradiotherapy plus adjuvant chemotherapy versus radiotherapy alone in patients with regionally advanced nasopharyngeal carcinoma: 10-year outcomes for efficacy and toxicity. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 29. Juni 2017, DOI: 10.1002/cncr.30850

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.07.2017 16:59