Stimmlippenkrebs: Den Kehlkopf operieren?

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Rückblickenden Daten zufolge haben Patienten, die bei Stimmlippenkrebs operiert werden, die besten Überlebensaussichten.

Plattenepithelkarzinome der Stimmlippen im Stadium T3 werden, sofern es der Gesundheitszustand des Patienten zulässt, am besten operiert. Dann sind zumindest laut einer Registerstudie in der Fachzeitschrift JAMA Otolaryngology—Head & Neck Surgery die Überlebensaussichten am günstigsten.

In der Studie wurden die Daten von 487 Patienten ausgewertet, die zwischen 1992 und 2010 an Stimmlippenkrebs im Stadium T3 erkrankt waren, darunter 86 Prozent Männer. Ihr Lebensalter reichte von 70 bis 81 Jahre. 43 Prozent der Patienten wurden operiert, bei den übrigen wurde darauf verzichtet – in der Hoffnung, durch Strahlen-, Chemo- oder Strahlen-Chemotherapie den Kehlkopf erhalten zu können.

Die Überlebensaussichten hingen davon ab, ob die Patienten operiert worden waren oder nicht: Das Fünf-Jahres-Gesamtüberleben betrug bei einer alleinigen Operation und bei einer Operation und unterstützenden (adjuvanten) Strahlen- und/oder Chemotherapie 41 Prozent, bei einer Therapie, die ohne Operation auskam, 36 Prozent. Wenn in der Analyse potenzielle Einflussfaktoren wie Lebensalter, Behandlungsjahr, Lymphknotenbefall und die allgemeine körperliche Verfassung (Begleiterkrankungen, Charlson Comorbidity Index) berücksichtigt wurden, schnitt die alleinige Operation als Methode am besten ab.

Auch die Hoffnung, ohne Operation die Funktionsfähigkeit des Kehlkopfes erhalten zu können, erfüllte sich für viele Patienten nicht. So wurde es im ersten Jahr nach der Behandlung bei 37 Prozent der nicht Operierten, die eine Strahlen-Chemotherapie erhalten hatten, notwendig, einen operativen Zugang zur Luftröhre zu legen und eine sogenannte Tracheotomie durchzuführen. Normales Sprechen ist im Anschluss an diesen Eingriff nicht mehr möglich. Zudem wurde mit einem Anteil von 30 Prozent am häufigsten bei den Patienten, die eine Operation plus adjuvante Behandlung bekommen hatten, eine Gastrostomie erforderlich, bei der ein künstlicher Magenausgang durch die Bauchdecke geschaffen wird. Bei den Patienten, die nur operiert worden waren, war dies am seltensten der Fall (18,5%), gefolgt von den Nicht-Operierten (21%).

Die Ergebnisse der Registerstudie zeigten, dass Patienten mit T3-Stimmlippenkarzinom bessere Überlebensaussichten haben, wenn sie operiert werden anstatt Strahlen-, Chemo- oder Strahlen-Chemotherapie zu bekommen. Jedoch sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um abschließende Urteile auch in puncto Funktionserhalt des Kehlkopfes fällen zu können.

 

Quelle:

Al-Gilani, M. et al.: Surgical vs Nonsurgical Treatment Modalities for T3 Glottic Squamous Cell Carcinoma. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg., Onlinevorabveröffentlichung am 7. Juli 2016, doi:10.1001/jamaoto.2016.1609

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.07.2017 16:54