Speiseröhrenkrebs: Zielgerichtet auswählen, um zielgerichtet zu behandeln

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In einer Studie konnte eine zielgerichtete Therapie mit einem EGFR-Antikörper bei Patienten mit nicht operiertem Speiseröhrenkrebs keinen zusätzlichen Nutzen zur Chemostrahlentherapie bringen.

Nicht immer können Patienten mit Speiseröhrenkrebs operiert werden, etwa, weil der Tumor schon zu groß geworden ist oder sich ungünstig ausgebreitet hat. Empfohlen werden kann dann eine Chemostrahlentherapie. Ob es sich zusätzlich lohnt, eine zielgerichtete Therapie mit einem Hemmstoff des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) durchzuführen, wurde in einer kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Oncology publizierten Studie untersucht.

An der klinischen Phase 3-Studie nahmen 344 Patienten teil. Sie wurden täglich mit Strahlentherapie und einer wöchentlich durchgeführten Chemotherapie mit Cisplatin und Paclitaxel behandelt. Außerdem erhielt ein Teil von ihnen einmal wöchentlich den EGFR-Antikörper Cetuximab.

Ausgewertet werden konnten schlussendlich die Daten von 328 Patienten, davon 159, die Cetuximab erhalten hatten. In beiden Behandlungsgruppen hatten jeweils 80 Prozent der Patienten einen Tumor im Stadium T3 oder T4, bei jeweils zwei Dritteln lag eine Lymphknotenbeteiligung vor. Auch kamen Adenokarzinome und Plattenepithelkarzinome in beiden Gruppen etwa gleich häufig vor.

Die zusätzliche zielgerichtete Therapie verschaffte den damit Behandelten keinen Vorteil: Weder sprachen mehr Patienten auf die Behandlung an, noch konnten die krankheitsfreie Zeit und das Gesamtüberleben nach zwei bzw. drei Jahren verbessert werden. 

In dieser Studie, in der Patienten mit nicht-operablem Speiseröhrenkrebs mit einer zielgerichteten Therapie mit dem EGFR-Hemmer Cetuximab zusätzlich zur Chemostrahlentherapie behandelt wurden, ohne zuvor hinsichtlich spezieller molekularer Eigenschaften des Tumors ausgewählt worden zu sein, konnte durch die zusätzliche Therapie kein Überlebensvorteil erzielt werden. Da nach Ansicht der Studienautoren bestimmte Patientengruppen vermutlich doch profitieren könnten, müssten Biomarker entwickelt werden, mit deren Hilfe sich vorhersagen lasse, ob die Therapie Nutzen bringen wird oder nicht.

 

Quelle:

Suntharalingam, M. et al.: Effect of the Addition of Cetuximab to Paclitaxel, Cisplatin, and Radiation Therapy for Patients With Esophageal Cancer. The NRG Oncology RTOG 0436 Phase 3 Randomized Clinical Trial. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 6. Juli 2017, doi:10.1001/jamaoncol.2017.1598

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 17.11.2017 13:18